Im Dialog mit dem Berg

Der „Hollywood“-Schriftzug auf dem Monte Schlacko ist zu „Dhollywoo“ geworden – der Aufmerksamkeit für das Industriedenkmal tut das keinen Abbruch. Fotos: zel
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zel Geisweid. Das „Wood“ in Hollywood wäre Andrea Freiberg fast in den Wald gerutscht. Kurzfristig entschied sie beim Aufbau am Montag, das „D“ vom Ende des Schriftzugs „Hollywood“ an den Anfang zu setzen. Die Unebenheiten des kegelförmigen Schlackebergs Monte Schlacko machten dies notwendig, das „D“ sollte nicht abhandenkommen. Die Siegener Künstlerin will mit ihrer temporären Installation im Rahmen des Kunstsommers das Industriedenkmal wieder in den Blick der Siegener rücken und die Kommunikation darüber anregen – was ihr auch mit der Variante „Dhollywoo“ gelungen ist. Gestern Abend trafen sich zahlreiche Kunstfreunde am Brauhaus in Geisweid, gegenüber dem Monte Schlacko, um das Kunstwerk in Augenschein zu nehmen, etwas über seine Entstehung zu erfahren und über die Entstehung des Berges, einer Abraumhalde der Bremer Hütte, die auch das Geisweider Wappen ziert.

Karl Haase, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Edelstahlwerke, die das Projekt gesponsert haben und auf deren Firmengelände der Berg steht, informierte über die über 100-jährige Geschichte des Monte Schlacko – er wuchs 1900 nach dem Bau einer Drahtseilbahn auf die Spitze der Ley, nachdem die Deponiefläche für die beiden Hochöfen in der Tallage zu kostbar geworden war. „Am 31. Januar 1930 wurden die Hochöfen ausgeblasen“, so Haase. Nur der Monte Schlacko zeuge heute noch von einem Stück Siegerländer Industriegeschichte. Mit dem „grauen, tristen, alten Schandfleck“ waren nicht alle immer einverstanden: Haase erinnerte an eine Begrünungsaktion 1977 – mit bescheidenem Ergebnis. Das flach auslaufende nördliche Plateau begrünte sich im Laufe der Jahre selbst, die steile Wetterseite des Kegels blieb kahl.

Hier nun ließ Freiberg ihre Buchstaben aus Tetrapack-Material „wachsen“. Der größte Buchstabe, das „W“, ist 2,80 Meter breit und 3,85 Meter hoch – ohne ihre Mitstreiter Frank Blecher und Xenia Frisan hätte sie die Installation bei Wind und Regen kaum bewerkstelligen können. Rund 400 Stahlnägel trieb Freiberg, gesichert wie ein Bergsteiger, in elf Stunden Arbeit in die betonartige Kruste. Sie hatte die Buchstaben vom „Y“ aus in zwei „Päckchen“ nach links und rechts ausgebreitet. Irgendwann musste sie sich entscheiden, wie mit dem „D“ zu verfahren sei: „Es war ein Dialog mit dem Berg“, sagte die aus Thüringen stammende Künstlerin.

Der Schriftzug erinnert an Glanz und Glamour der Traumfabrik. Wenn die Sonne auf die Buchstaben scheint, glänzt auch die Installation, die schon heute Abend wieder abgebaut wird. Andrea Freiberg möchte die flüchtige Aktion fotografisch festgehalten wissen. Sie lädt dazu ein, Fotos aus verschiedenen Blickwinkeln an die E-Mail-Adresse mailto:kfrk848@23hq.com zu senden. Zu klären bleibt die Frage, die Karl Haase gestern stellte: „Wenn jetzt am Monte Schlacko der Schriftzug ,Hollywood‘ prangt, wo liegt dann Beverly Hills: in Geisweid oder in Weidenau?“

Der „Hollywood“-Schriftzug auf dem Monte Schlacko ist zu „Dhollywoo“ geworden – der Aufmerksamkeit für das Industriedenkmal tut das keinen Abbruch. Fotos: zel
Andrea Freiberg
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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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