Im Eingang Feuer gelegt

Gutachter im »Rotlicht«-Prozess: Keine andere Ursache

pebe Siegen. Noch einmal Video-Zeit im Siegener Schwurgerichtssaal. Auch gestern, am 83. Verhandlungstag, lief im »Rotlicht«-Prozess jenes Video über die Brandschäden an einem Haus, das bereits in der vergangenen Woche die Aufmerksamkeit der Prozessbeteiligten gefordert hatte. Diesmal waren dank ausgefeilten Technik auch die Kommentare des filmenden Hausbesitzers zu hören, und zudem wurde die Magnetbandaufzeichnung auf eine große Leinwand projiziert. Der Inhalt blieb indes derselbe und war mit vielen rußgeschwärzten Wänden, verkohlten Türen und viel Schatten nur für die Fachleute erhellend. Das Filmmaterial entstand wenige Tage nach dem Brand in der Siegener Donnerscheidstraße, bei dem im Juni 1995 zwei Prostituierte ums Leben gekommen waren.

Den Brandsachverständigen Ernst Sandmann interessierten vor allem die auf dem Video zu erkennenden Gasöfen sowie die Deckenverkleidungen der Geschosse. Anhaltspunkte für Styropordecken konnte er nicht finden. Abtropfendes Styropor hatte vor acht Jahren ein heute wegen Strafvereitelung im Amt angeklagter Hauptkommissar als Möglichkeit der Brandausbreitung angenommen. Ein Balken neben einer Zimmertür, der durch heiße Gase aus einem defekten Kaminzugang ins »Kokeln« gekommen war, sollte seiner Theorie zufolge den Brand ausgelöst haben. Das gestrige Gutachten hat für den Kommissar erhebliche Bedeutung. Denn, so der Vorsitzende des Schwurgerichts, Richter Wolfgang Münker, es sei die Frage, ob die Brandhypothese des Kommissars damals »denkbar und zutreffend« gewesen sei. Überdies stelle sich auch die Frage nach der Plausibilität dieser Hypothese. Einer Erklärung des Angeklagten Volker F. zufolge hat dieser den Brand selbst gelegt.

Einen Einsatz von »Brandbeschleuniger« (also Benzin o.ä.), aber »keine Anhaltspunkte für andere Brandursachen« rekonstruierte der Sachverständige. Dabei musste er sich auf das Foto- und Filmmaterial sowie die Zeugenaussagen und die Skizzen des Hauptkommissars stützen. Vom Arnsberger Oberstaatsanwalt Wolf in der Sache angesprochen, sei er schon 1998 überzeugt gewesen, dass Brandbeschleuniger benutzt worden sei.

Für einen Kaminbrand spreche keine einzige Spur, machte Sandmann klar. Statt dessen zeige das Spurenbild, dass der Brand im Bereich der Eingangstür begonnen habe. Auch dies habe er schon 1998 gesagt. Ein »Flashover«, also eine Durchzündung mit einer 1000 Grad heißen Feuerwalze, sei nirgendwo erkennbar. Feuer bzw. Hitze sei durch den Flur des ersten Obergeschosses in das Zimmer gelangt, in dem eine der beiden Frauen starb, und dann über das Fenster nach außen. Diese heiße Strömung könnte Sandmann zufolge auch den verbrannten Balken erklären.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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