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Materialien werden teuerer
Im Handwerk rollt die Preiswelle

Dem heimischen Handwerk geht es gut, die Auftragslage ist prächtig – dennoch steigen die Einkaufspreise für Materialien aller Art an.
  • Dem heimischen Handwerk geht es gut, die Auftragslage ist prächtig – dennoch steigen die Einkaufspreise für Materialien aller Art an.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

mir Siegen/Olpe. Verkehrte Welt: Der Borkenkäfer eliminiert die Fichtenkulturen im Rekordtempo, Dutzende Harvester räumen die Siegerländer Hänge ab, und trotzdem wird das Holz bei Großhändlern, in Bau- und Fachmärkten knapp und teuer. Aber auch in anderen Handwerksbereichen rollt die Preiswelle, wie die SZ mit wenigen Telefonaten erfahren hat.
Lieferengpässe und Preisexplosion
Dabei schätzt Jürgen Haßler, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft in Siegen, die Lage als nicht ungewöhnlich ein: „Klar, steigende Einkaufspreise will man gerne weitergeben.“ Aber daraus einen allgemeinen Trend formulieren? Eher nicht, in der Weise lasse sich das nicht bestätigen.

mir Siegen/Olpe. Verkehrte Welt: Der Borkenkäfer eliminiert die Fichtenkulturen im Rekordtempo, Dutzende Harvester räumen die Siegerländer Hänge ab, und trotzdem wird das Holz bei Großhändlern, in Bau- und Fachmärkten knapp und teuer. Aber auch in anderen Handwerksbereichen rollt die Preiswelle, wie die SZ mit wenigen Telefonaten erfahren hat.

Lieferengpässe und Preisexplosion

Dabei schätzt Jürgen Haßler, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft in Siegen, die Lage als nicht ungewöhnlich ein: „Klar, steigende Einkaufspreise will man gerne weitergeben.“ Aber daraus einen allgemeinen Trend formulieren? Eher nicht, in der Weise lasse sich das nicht bestätigen.

Handwerk muss mit Corona-Auflagen zurechtkommen

Andererseits, wer sich ein Fachwerk handgemacht zimmern lasse, müsse mit Teuerungen rechnen. Aber auch die Aufwendungen für die Hygiene seien ja schließlich angestiegen, das Handwerk müsse ja mit Corona und den Regeln zurechtkommen. Haßler: „Die Auftragslage bei einigen Innungen ist sehr gut.“ Er meint die Sparten rund ums Bauen, Ausbauen, Sanieren und Renovieren.

Klaus Reuter (Kreuztal), seines Zeichens Obermeister der Tischler-Innung, bestätigt die enormen Preisanstiege der zurückliegenden Wochen. Dass Holzhändler 80 bis 85 Prozent mehr verlangen, ist Realität. „Beim Bauholz gibt es nur noch Tagespreise, auf andere Abmachungen lassen sich die Händler nicht mehr ein“, sagt Reuter. Und er hat eine logische Erklärung parat. Im Ausland generell und in China speziell werde deutlich mehr gezahlt für Holz, selbst für Käferholz. „Die Knappheit wird kommen, das ist eine logische Folge.“

7,05 statt 3,30 Euro für OSB-Platten

Jonathan Reuter kennt ein passendes Beispiel. Für eine bestimmte Maßnahme habe er sogenannte OSB-Platten gebraucht. Anfang des Jahres habe er sich beim Siegerländer Fachhandel erkundigt, um eine Palette zu reservieren. Damals sei für einen Quadratmeter ein Preis von 3,30 Euro verlangt worden, diese Woche sei der Preis auf 7,05 Euro auf mehr als das Doppelte gestiegen. Reuter junior: „Das Beste kommt noch, die Ware ist beim Fachhandel nicht mehr zu bekommen. Ich habe mich jetzt beim Obi eingedeckt.“

Weg vom Holz, hin zu Rohren, Kesseln und Leitungen aller Art: „Bei Kupfer haben wir einen Preisanstieg von 60 Prozent“, gibt Thomas Enders, Obermeister der Sanitär- und Heizungs-Innung im Kreis Olpe, bereitwillig Auskunft. Für laufende Angebote und Aufträge komme man noch zurecht, für neue Kalkulationen werde man deutlich höhere Preise aufrufen müssen. Auch beim Stahl sind die Preise gestiegen, ja sie haben sich verdoppelt.

Bei Rohren werden nur noch Tagespreise verlangt

Gibt es Mittel, den Trend aufzuhalten? Enders sieht da kaum Möglichkeiten. Allenfalls könne man durch Reservierungen versuchen, die Preise einigermaßen festzuhalten. Auf lange Sicht „werden wir das nicht mehr hinbekommen“. Enders redet Klartext: „Es werden bei den Rohren nur noch Tagespreise verlangt.“ Sicherlich gebe es Erhöhungen durch Tarifsteigerungen. Aber auch die Kesselpreise an sich seien 5 Prozent teurer geworden, sagt Enders. „Die Preiswelle rollt.“

Klaus Reuter ist es wichtig, die gute Auftragslage zu betonen. „Gleich gut wie auch schon 2020“, lautet seine Kernaussage. Das sei auch von den Kollegen aus anderen Betrieben zu hören. Viele Menschen könnten nicht in Urlaub fahren oder hätten selbst und vorausschauend davon Abstand genommen. Reuter: „Das beim Urlaub gesparte Geld wird gerne in Renovierungen investiert. Diesen Effekt gibt es aber nur einmal.“
Auf der anderen Seite seien die Löhne gestiegen. Vor etlichen Jahren habe man die Mehraufwendungen nicht an die Kunden weitergeben können, jetzt sei die Ausgangslage dazu wesentlich besser. Reuter: „Wir versuchen, die Steigerungen an die Kunden weiterzugeben.“

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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