Im „Ruhrgebiet“ der Kelten

Beate Sikorski (r.) geht mit der geomagnetischen Sonde nach und nach die Geländestreifen ab, die ihre Kollegen im Areal für sie abgesteckt haben.  Foto:pebe
  • Beate Sikorski (r.) geht mit der geomagnetischen Sonde nach und nach die Geländestreifen ab, die ihre Kollegen im Areal für sie abgesteckt haben. Foto:pebe
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pebe Niederschelden. Vorsichtig läuft Beate Sikorski durchs hohe Gras in Richtung Quellbereich. Der Felsenbach nimmt hier seinen Anfang und sickert sehr gemächlich durch die Wiese in Richtung Tal. Die Archäologiestudentin von der Ruhr-Universität Bochum muss ihre Schritte sorgsam wählen, denn in der Hand hält sie ein empfindliches Gerät: eine geomagnetische Sonde. Wieder sind die Mitarbeiter vom Institut für Archäologische Wissenschaften, Ur- und Frühgeschichte der Ruhr-Uni auf Spurensuche tief im Schelder Boden. Der südliche Siegener Stadtteil mausert sich langsam, aber sicher zu einer Art „Ruhrgebiet“ der Frühgeschichte.

Schon in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte der „Spatenforscher“ Otto Krasa im Bereich des Felsenbachs unterhalb der Morgenröthe gesucht - und gefunden. Seine Spuren nahmen die Bochumer Wissenschaftler in der vorigen Woche – wenige Wochen nach dem Saisonende der Grabung am Gerhardsseifen, anderthalb Kilometer weiterRichtung Gosenbach – wieder auf. Im Jahr 2000 waren bereits auf einer Baustelle an der Wartestraße, 300 Meter vom Untersuchungsgelände entfernt, mehrere keltische Verhüttungsstätten gefunden und in einer Notgrabung gesichert worden.

Nein, gegraben werde am Felsenbach noch längst nicht, schüttelt „Expeditionsleiter“ Manuel Zeiler den Kopf. Zunächst sondiere man das Gelände und halte die Messergebnisse fest. Die Materialien im Boden erzeugten verschiedene Widerstände, besonders Holzkohle oder Schlacke zeige die geomagnetische Sonde an. Die verschiedenen Widerstandsstärken ließen sich auf einem Computerbild als „Graustufen“ grafisch anzeigen. „So erhalten wir ein ziemlich exaktes Bild dessen, was sich unter der Erde befindet, ohne die schützende Erdschicht abtragen zu müssen.“ Denn dabei kann leicht wertvolles Fundmaterial und damit wichtige Information unwiederbringlich verloren gehen.

Beate Sikorski ist derweil auf ihrem Weg wieder umgekehrt. Meterstreifen um Meterstreifen im abgesteckten Gelände geht sie auf diese Weise ab, um ein lückenloses Bild zu bekommen. „Die Messergebnisse lassen sich in der Mittagspause am Computer überprüfen“, erklärt die Studentin. Damit sei es noch im Gelände möglich zu entscheiden, ob Probebohrungen folgen sollen. „Die nehmen wir mit dem Handbohrer vor“, erläutert Zeiler. Das Profil, das die Wissenschaftler auf diese Weise punktuell aus dem Boden ziehen, gebe wichtige Hinweise auf das, was sich im Boden verberge. „Insbesondere Holzkohle ist wegen der Altersbestimmung wichtig.“

Wenn die Forscher Glück (und später eine Finanzierungsmöglichkeit) haben, werden sie einen guten Meter tiefer finden, was sie erhoffen: Schlackenhalde, Wohnpodium und vieles mehr. Bis dahin wird allerdings noch manches Wasser in den Felsenbach sickern.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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