Im Spiel der Kräfte

Die rot-schwarz-weißen Bilder von Marie-Luise Raczkowski setzt Heinrich Waegner mit Worten in Szene. Die Ausstellung „ART-TANGO“ ist bis zum 19. Juli im Siegener Haus Seel zu erleben. Foto: ciu
  • Die rot-schwarz-weißen Bilder von Marie-Luise Raczkowski setzt Heinrich Waegner mit Worten in Szene. Die Ausstellung „ART-TANGO“ ist bis zum 19. Juli im Siegener Haus Seel zu erleben. Foto: ciu
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ciu Siegen. „Die Erde kreißt / in Herzschlagrot und Solidschwarz ...“ Der Text, den Heinrich Waegner zum Titelbild der Ausstellung „ART-TANGO“ von Marie-Luise Raczkowski (bis 19. Juli in der Städtischen Galerie Haus Seel, Siegen) geschrieben hat, bündelt das, was die in Kreuztal lebende Künstlerin aussagt: „Lebensglut und Todesnacht“ (auch das ist von Waegner) sind einander verhaftet, bedingen einander, verlieren ohne einander vermutlich Wert und Berechtigung, fachen einander auch an, befinden sich in stetem Wechsel ihrer jeweiligen Macht.

Rot und Schwarz sind die Farben, die in Marie-Luise Raczkowskis Arbeiten dominieren. In oft strudelartigen Kreisen, in rechteckigen Flächen, in Linien, die beziehungsreich das (nie streng) Geometrische miteinander verbinden. Der weiße Hintergrund ist dabei mehr als bloße Kulisse für das Spiel der Kräfte; er vermittelt Halt, ist sinnhaft gefüllt.

Diese Bilder, großformatig, sind von beredter Tiefe. Sie können ohne die Texte Heinrich Waegners bestehen und verstanden werden, doch mit ihnen erhalten sie eine weitere Dimension. Der Lyriker setzt das, was Marie-Luise Raczkowski auf Leinwand ausdrückt, in Szene (kein Wunder, er ist auch ein Mann des Theaters). Mit weisen und auch schönen Worten („Leben ist Zulassen“), verwegenen Fragen („Was wiegt Feuer?“) und dem leise-ironischen Wissen um den schmalen Grat von „Höhesturz und Tiefenflug“.

So wie die Kunst Marie-Luise Raczkowkis in dieser Ausstellung um den Gegensatz von Stark und Schwach, Schwer und Leicht weiß, in allem Suchen nach Halt eine Haltung zeigt, Spannung aufbaut und auch wieder löst, verortet sie sich – bewusst oder unbewusst – in eindrücklicher Nähe zum Tango.

Stimmig war somit die Performance, die sich am Donnerstag im Haus Seel aus Bildern, Texten, Musik und Tanz formte. Vor großem Publikum übrigens, das zumeist auf den roten und schwarzen Papphockern im überwiegend weißen Raum Platz fand und hingerissen war. Nach dem herzlichen Willkommen von stellv. Bürgermeister Jens Kamieth wechselten Lesung und lateinamerikanische Klänge einander ab. Das Ensemble Tango a Mano – Sao-Wen Cheng, Hartmut Veit (Violine), Jutta Thoma (Klavier), Nora Weinbrenner (Kontrabass) und Walter Siefert (Akkordeon) – spielte Tango, leidenschaftlich, gekonnt und beseelt; Eva und Klaus Vetter tanzten Tango und interpretierten manches von dem, was Marie-Luise Raczkowskis Arbeiten zeigen, auf ihre Weise. So schien es, als träten die Farben und Formen schritt- und paarweise aus den Bildern heraus, um Geschichten zu erzählen, und das ist wieder Waegner (!), „die immer erkennbar auch unsere eigenen sind“. „ART-TANGO“ ist ein Beitrag der städtischen Kulturabteilung KulturSiegen zum KunstSommer 2009. Der Kreis dieses durchdachten Konzepts schließt sich am Samstag, 18. Juli, 22 Uhr, im Haus Seel mit der literarisch-musikalischen Lesung „Sommernacht, Tango ... und nicht die kleinste Spur von Blut“ – mit Jochen Venus, der Borges’ Kurzgeschichte „Der Mann von Esquina Rosade“ lesen wird, und mit Tango a Mano.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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