Immer der Nase nach

Carsten Sebastian Henn las bei „LÿzLit“ aus seinem sinnenreichen Hundekrimi „Tod & Trüffel“. Foto: hel
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ciu Siegen. Der Duft von Ziegenmilchkäse, das Aroma frischer Pilze, Haselnüsse, Nougat und ein auf den Punkt gereifter Barolo. Ein „Aaah“ und ein „Oooh“ sind aus den gut besetzten Reihen im Kleinen Theater des Siegener Kultur- und Medienhauses Lÿz zu hören. Fast scheint es, als wären die Schätze der piemontesischen Küche greifbar, erlebbar – und das mit allen Sinnen. Denn Carsten Sebastian Henn, Schriftsteller (gerne Krimis) und Weinkenner (mit journalistischem Spürsinn), gelang es am Samstagabend vortrefflich, die Atmosphäre, die in dem kleinen Dorf Rimella herrscht, zu schildern. Er stellte in der Reihe „LÿzLit“ seinen Kriminalroman „Tod & Trüffel“ vor, und da hier zwei Hunde, der Windhund Niccolò und der alte Trüffelhund Giacomo, die Hauptrollen spielen, ging es in den ausgewählten Szenen eigentlich immer der Nase nach.

Es riecht in Rimella, und das setzt die Hunde in Bewegung. Mal schnuppern sie Tod (was ist mit dem mächtigen Silvio geschehen?), mal einen Himmel aus Würsten oder das belegte Brot, ein Tramezzino, in der Aktentasche eines Anzugträgers. Geschärft freilich ist auch der Geruchssinn des Wolfs Aurelius, der auf dem Weg in die Alpen leichte Beute wittert. Ein Hase ist in eine Lebendfalle geraten und fleht nun hasenfüßig um Gnade. Was immer den Wolf reitet, er lässt das Langohr frei…

Carsten Sebastian Henn zeichnet in seinem Buch einen Kosmos aus fein konturierten Figuren, die alle in irgendeiner Weise miteinander in Verbindung stehen. Liebe und Hass, Rache und Neid, Gier und Wollust – nichts Menschliches ist den Hunden fremd. Allerdings: Offen ließ der Autor, der sich selbst diebisch an seiner Geschichte und all ihren Köstlichkeiten freuen konnte, dazu jedem seiner Protagonisten eine ganz eigene Stimme gab, was in Rimella eigentlich passiert ist und wie sich die Dinge letztlich entwirren. Ein Buch soll schließlich gelesen werden!

Schön, dass Henn in seinen Lesepausen so pointiert und unterhaltsam davon erzählte, wie „Tod & Trüffel“ entstanden ist. Nach Alba, der kulinarischen Metropole des Piemont, sei er gereist, habe sich durch die komplette Spitzenküche gefuttert, sei durch die Weinberge flaniert, habe auf mancher Piazza einen caffè getrunken. „Manche der recherchierten Fakten trage ich heute noch mit mir herum“, sagte er dann und strich sich über den Leib. Ein Lacher. Carsten Sebastian Henn sah die schmalen Gassen mit ihren Konditoreien und Metzgereien, den feinsten Lokalen, meist gut versteckt, und plötzlich sah er auch den Ort, an dem der altersweise Giacomo lebte. „Mit Giacomo fing alles an…“

Carsten Sebastian Henn nahm sein Publikum mit ins Trüffelseminar an der Ahr und ins Korkenzieher-Museum von Barolo, er weckte die Lust auf ein gutes Essen und auch auf Italien. Dabei fand er beim Lesen und Erzählen genau die richtige Mélange aus feiner Ironie und ungebremster Begeisterung für seine Geschichte(n). Ob er das Buch mit dem Titel „Für eine Handvoll Hundekuchen“ noch schreiben wird? Wer weiß… Wenn ja, dann sollte er es unbedingt vorstellen – bei „LÿzLit“ in Siegen.Die Literaturreihe des Kultur!Büros wird am nächsten Samstag fortgesetzt: mit „Was ich dir schon immer sagen wollte“, ganz besonderen Liebeserklärungen am Valentinstag.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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