SZ

Jugendliche mit Alkoholvergiftung
Immer jüngere Teenager landen im Krankenhaus

Alkohol ist eine Volksdroge und Nervengift zugleich. In der DRK-Kinderklinik am Siegener Wellersberg landen die unter 15-Jährigen mit einer Alkoholvergiftung. Tendenz auch dort: Die Patienten werden immer jünger.
  • Alkohol ist eine Volksdroge und Nervengift zugleich. In der DRK-Kinderklinik am Siegener Wellersberg landen die unter 15-Jährigen mit einer Alkoholvergiftung. Tendenz auch dort: Die Patienten werden immer jünger.
  • Foto: Pixabay
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

nja Siegen/Olpe. Wer entsinnt sich nicht seines ersten Alkoholrauschs? Die Erinnerungen sind meist im wahrsten Sinne des Wortes übel – und doch feiern Teenager seit Generationen ihre Premiere, die nicht selten vor der Badezimmerkeramik hockend endet, wie ein Kultevent. Wer es noch zurück in die heimischen vier Wände schafft, wird von den Statistikern nicht erfasst, wer sich allerdings zudröhnt, „bis der Arzt kommt“, wird aktenkundig: Laut statistischem Landesamt landeten 2018 in NRW 4658 junge Menschen im Alter von zehn bis einschließlich 19 Jahren wegen „alkoholbedingter Verhaltensstörungen“ stationär im Krankenhaus – 5,4 Prozent weniger als 2017. Die Zahl der Zehn- bis 15-Jährigen aber stieg um 12,3 Prozent an.

nja Siegen/Olpe. Wer entsinnt sich nicht seines ersten Alkoholrauschs? Die Erinnerungen sind meist im wahrsten Sinne des Wortes übel – und doch feiern Teenager seit Generationen ihre Premiere, die nicht selten vor der Badezimmerkeramik hockend endet, wie ein Kultevent. Wer es noch zurück in die heimischen vier Wände schafft, wird von den Statistikern nicht erfasst, wer sich allerdings zudröhnt, „bis der Arzt kommt“, wird aktenkundig: Laut statistischem Landesamt landeten 2018 in NRW 4658 junge Menschen im Alter von zehn bis einschließlich 19 Jahren wegen „alkoholbedingter Verhaltensstörungen“ stationär im Krankenhaus – 5,4 Prozent weniger als 2017. Die Zahl der Zehn- bis 15-Jährigen aber stieg um 12,3 Prozent an.

Mehr Teenager mit Alkoholvergiftung

In den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe sieht der Trend etwas anders aus. Hier wurden 2018 mehr Teenager wegen akuter Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt als im Vorjahr: In Siegerland und Wittgenstein stieg die Zahl der Zehn- bis 19-Jährigen um 20 Prozent von 60 auf 72 (38 Jungs, 34 Mädels) an, im Sauerland von 27 auf 32 (plus 18,5 Prozent), wobei sich Jungen und Mädchen die Waage hielten. Die Statistik belegt insgesamt ein Auf und Ab. 2012 waren es im SI-Kreis so z. B. 51, anno 2008 sogar 129.

Weniger Feiern, weniger Alkohol

Die unter 15-Jährigen landen in Siegen in der DRK-Kinderklinik. 2019 wurden dort 62 Jugendliche nach Alkoholintoxikation versorgt, „was zwar etwas weniger als im Vorjahr ist, uns allerdings immer noch sehr hoch erscheint“, teilt Pressesprecher Arnd Dickel auf Anfrage mit. 2011 waren es 53 gewesen, darunter vier junge Leute, die intensivmedizinisch versorgt werden mussten. „2020 werden die Zahlen sicherlich etwas geringer ausfallen“, sagt er mit Blick auf die coronabedingten Besonderheiten: keine Feiern zum Schulschluss, keine Abisausen, kein Tanz in den Mai …

Stark trinkende Teenager werden immer jünger

„Wir müssen leider die Tendenz bestätigen: Die eingelieferten Personen werden immer jünger. Selbst zwölfjährige Patienten sind keine Seltenheit“, so Dickel. Mit Blick auf die Geschlechter zeige sich inzwischen ein ausgeglichenes Bild: Tendenziell aber sind die Mädchen offensichtlich etwas jünger. Vereinzelt gibt es am Wellersberg Patienten, die mehr als einmal eingeliefert werden: „Dies ist grundsätzlich bedenklich. Hier werden Beratungsgespräche angeboten bzw. die entsprechenden Stellen bei den regionalen Behörden benannt, die Hilfe oder Unterstützung anbieten.“ Bis zur Corona-Phase wurde den jungen Patienten und deren Familien das Angebot unterbreitet, ein Gespräch mit der Initiative „Hart am Limit (HaLt) zu führen (siehe Infokasten). Hier könnte die Resonanz laut Kinderklinik noch positiver ausfallen. „Grundsätzlich vermitteln wir den Betroffenen durchaus, dass dies eine gefährliche Situation ist, die auch Auswirkungen auf die weitere Entwicklung und grundsätzliche Gesundheit der jungen Menschen haben kann.“

„HaLt“: Hart am Limit „HaLt“ ist ein kommunales Alkoholpräventionsprogramm, das an 155 Standorten in Deutschland umgesetzt wird. Was geschieht neben einer Sensibilisierung über Öffentlichkeitsarbeit? Es wird über die Gefahren von Alkoholkonsum aufgeklärt. Jugendliche und Familien, die Hilfe suchen, werden beraten, unter anderem Lehrer, Vereinstrainer, Festveranstalter, Gastronomiepersonal werden geschult, damit der Jugendschutz konsequent eingehalten wird. www.siegen-wittgenstein.de/Suchtpraevention#closenav

Alkohol ist ein Nervengift, das insbesondere auf Körper in der Wachstumsphase verheerende Auswirkungen haben kann. Dr. Gebhard Buchal, Chefarzt der Pädiatrie und Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Neuropädiatrie, Diabetologie DDG und Schlafmedizin, betont: „Ein früher und häufiger Kontakt mit Alkohol ist natürlich grundsätzlich schädlich für noch in der Entwicklung befindliche Kinder und Jugendliche. Je nach Stoffwechsel fallen die Reaktionen auf den übermäßigen Alkoholgenuss unterschiedlich aus. In den letzten Jahren war allerdings keine intensivmedizinische Versorgung eines eingelieferten Patienten mehr erforderlich.“

Suchtberatung in Siegen

In Siegen gibt es zwei Suchtberatungen – von Diakonie in Südwestfalen und Arbeiterwohlfahrt. „Bei uns landen Heranwachsende aber eigentlich erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“, sagt Dipl.-Sozialpädagogin und Heilpraktikerin für Psychotherapie Christina Backes von der Suchthilfe Siegerland der AWo. „Die Präventionsarbeit liegt in den Händen des Kreises, wir sind aber seit Juli im Programm ,HaLt’ mit im Boot.“ Es gebe unterschiedliche Gründe, warum Jugendliche zur Flasche greifen: Zunächst sei es meist ein Ausprobieren, Grenzentesten, das Miteinander in der Peergruppe: „Bei denen, die dann dranbleiben, kommen meist andere Faktoren, handfeste Probleme, hinzu.“

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

7 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen