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Frühererkennung bei Erkrankung wichtig
Immer mehr Hepatitis-Fälle in Siegen-Wittgenstein

Bei einer Hepatitis-Infektion ist die Früherkennung besonders wichtig, denn unerkannt und unbehandelt kann diese zu Leberkrebs führen. Aus diesem Grund ist ab 35 alle drei Jahre eine Gesundheitsuntersuchung auf Kassenkosten möglich.
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  • Bei einer Hepatitis-Infektion ist die Früherkennung besonders wichtig, denn unerkannt und unbehandelt kann diese zu Leberkrebs führen. Aus diesem Grund ist ab 35 alle drei Jahre eine Gesundheitsuntersuchung auf Kassenkosten möglich.
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ap Siegen/Bad Berleburg. Das Coronavirus ist seit Monaten in aller Munde, doch über eine der weltweit verbreitetsten Infektionskrankheiten wird seitdem kaum noch gesprochen. Dabei stirbt alle 30 Sekunden auf der Welt ein Mensch an einer durch Hepatitisviren bedingten Leberentzündung. „Solche Krankheiten müssen allmählich wieder in den Vordergrund geraten“, findet Dr. Stefan Schanz, Chefarzt der Gastroenterologie im Kreisklinikum Siegen. Durch eine frühe Diagnose und Therapie seien Spätfolgen oftmals vermeidbar.

Dabei war der Kreis Siegen-Wittgenstein 2019 mit 12,6 stationär behandelten Virushepatitis-Patienten auf 100 000 Einwohner sogar trauriger Spitzenreiter in ganz Nordrhein-Westfalen.

ap Siegen/Bad Berleburg. Das Coronavirus ist seit Monaten in aller Munde, doch über eine der weltweit verbreitetsten Infektionskrankheiten wird seitdem kaum noch gesprochen. Dabei stirbt alle 30 Sekunden auf der Welt ein Mensch an einer durch Hepatitisviren bedingten Leberentzündung. „Solche Krankheiten müssen allmählich wieder in den Vordergrund geraten“, findet Dr. Stefan Schanz, Chefarzt der Gastroenterologie im Kreisklinikum Siegen. Durch eine frühe Diagnose und Therapie seien Spätfolgen oftmals vermeidbar.

Dabei war der Kreis Siegen-Wittgenstein 2019 mit 12,6 stationär behandelten Virushepatitis-Patienten auf 100 000 Einwohner sogar trauriger Spitzenreiter in ganz Nordrhein-Westfalen. Die niedrigsten Quoten ermittelte das Statistische Landesamt dagegen für Köln (1,9), gefolgt von Bottrop und Hagen (jeweils 2,6 je 100 000 Einwohner). Der NRW-Landesdurchschnitt betrug 4,8. Doch wie lassen sich die vielen Hepatitis-Fälle in unserer Region erklären?

Keine Erklärung für hohe Hepatitis-Zahlen

Es scheint ein Mysterium zu sein. Laut SZ-Recherche haben die heimischen Mediziner absolut keine Erklärung dafür, wieso der Anteil hierzulande so extrem hoch ausfällt. Zahlen gab es dennoch: Von insgesamt 865 gezählten Hepatitis-Patienten in ganz NRW wurden im St. Marien Krankenhaus 65 (davon 10 mit einer akuten Hepatitis) stationär behandelt. Im Kreisklinikum wurden 2019 49 chronische und 7 akute Hepatitis-Infektionen therapiert. Das Diakonie-Klinikum Jung-Stilling konnte die Zahlen für diesen Zeitraum aktuell nicht bereitstellen.

"Solche Krankheiten müssen allmählich
wieder in den Vordergrund geraten."

Dr. Stefan Schanz
Chefarzt der Gastroenterologie im Kreisklinikum Siegen

Was das Tückische an einer Hepatitisviren-Infektion ist: „Sie tut nicht weh und macht anfangs keine Symptome“, erläutert Schanz. Einziger Indikator seien erhöhte Leberwerte, die bei einer chronischen Entzündung unter Umständen sogar schwanken könnten. „Deshalb bleibt eine Erkrankung oft lange Zeit unerkannt“, weiß der Mediziner vom Kreisklinikum.

Dr Stefan Schanz sagt, dass man Hepatitis-Erkrankungen wieder in den Vordergrund rücken müsse.
  • Dr Stefan Schanz sagt, dass man Hepatitis-Erkrankungen wieder in den Vordergrund rücken müsse.
  • Foto: Klinik
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Doch nicht alle Virus-Hepatitis-Formen sind gleich gefährlich. Als harmloseste Variante gilt Typ A: Hierfür gibt es eine sichere Schutzimpfung für Kleinkinder und Komplikationen treten eher selten auf. In unserer Region spielten eher Hepatitis-B- und -C-Viren eine Rolle, betont Schanz. Beide sind hochansteckend und werden über Körperflüssigkeiten, gemeinsam benutzte Utensilien bei Drogengebrauch oder Hygienefehler bei medizinischen Eingriffen, Tattoos und Piercings weitergegeben.

Hepatitis B nicht heilbar, aber kontrollierbar

„Hepatitis B ist zwar nicht heilbar, aber kontrollierbar“, erklärt der Klinikarzt. Neben der Möglichkeit einer Schutzimpfung könne die Virenlast nach einer Infektion durch eine dauerhafte Medikamenteneinnahme reduziert werden. Bei Typ C sei das genau andersherum: Es gebe zwar keinen Impfstoff, aber die Heilungsaussichten lägen mittlerweile bei über 95 Prozent.

Bliebe eine Infektion jedoch gänzlich unbehandelt, könne dies zu kognitiven Einschränkungen, einer Fibrose (krankhafte Vermehrung des Bindegewebes) oder einer Zirrhose (Vernarbung) bis hin zu Leberkrebs führen, warnt Schanz. Insbesondere in Kombination mit einer Fettleber-Hepatitis durch Übergewicht sei das lebensgefährlich. „Das wird die Seuche der Zukunft in Mitteleuropa sein“, so die Prognose des Gastroenterologen.

Mehr stationäre Patienten mit E-Viren-Symptomen

Im stationären Bereich würden aber auch zunehmend Patienten mit Symptomen von E-Viren aufgenommen. Diese Beobachtung teilt Dr. Heinrich Franz vom St.-Marien-Krankenhaus.

Übertragen würden die Hepatitis-E-Viren durch den Verzehr von unzureichend gegartem Wildfleisch, erklärt der Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie. Von dieser Form seien vor allem Jäger betroffen.

Franz weist jedoch auch auf eine positive Entwicklung der vergangenen Monate hin: Aufgrund der Pandemie-bedingten Reisebeschränkungen sei hierzulande ein Rückgang von Hepatitis D, was zuvor ein häufiges „Reisemitbringsel“ aus dem Mittelmeerraum oder Amazonasgebiet war, zu verzeichnen.

Bei einer Hepatitis-Infektion ist die Früherkennung besonders wichtig, denn unerkannt und unbehandelt kann diese zu Leberkrebs führen. Aus diesem Grund ist ab 35 alle drei Jahre eine Gesundheitsuntersuchung auf Kassenkosten möglich.
Dr Stefan Schanz sagt, dass man Hepatitis-Erkrankungen wieder in den Vordergrund rücken müsse.
Autor:

Alexandra Pfeifer

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