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Siegen-Wittgenstein und Olpe
Immer weniger Bäcker- und Fleischerbetriebe

Bäckereien und Fleischereien in der Region finden häufig keine Nachfolger.
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sp Siegen/Olpe. Jedes Mal, wenn ein Handwerks-Bäcker oder -Fleischer schließt, geht ein Stück Tradition verloren und Spezialitäten verschwinden. Wie groß der Verlust der Betriebe im Lebensmittelgewerbe in den vergangenen Jahren war, wertete jetzt der Landesbetrieb Information und Technik (IT NRW) für das Bundesland aus und kam zu dem Ergebnis, dass die Anzahl von 2008 bis 2018 um 35,8 Prozent zurückgegangen ist.

Einst gab es

sp Siegen/Olpe. Jedes Mal, wenn ein Handwerks-Bäcker oder -Fleischer schließt, geht ein Stück Tradition verloren und Spezialitäten verschwinden. Wie groß der Verlust der Betriebe im Lebensmittelgewerbe in den vergangenen Jahren war, wertete jetzt der Landesbetrieb Information und Technik (IT NRW) für das Bundesland aus und kam zu dem Ergebnis, dass die Anzahl von 2008 bis 2018 um 35,8 Prozent zurückgegangen ist.

Einst gab es im Kreis Olpe 120 Bäckereien

„Wir haben schon das Problem, dass wir viele Kollegen verloren haben“, bedauert der Obermeister der Bäcker-Innung Südwestfalen, Georg Sangermann. „Das ging schon Anfang der 70er los.“ Da habe es im Kreis Olpe 120 Bäckereien, also Backstuben mit Läden, gegeben. Jetzt sind es nur noch rund 30. Seitdem sei der Trend geblieben, dass die Zahl der Betriebe sinkt. Der Obermeister sieht dafür vor allem einen Grund, der mittlerweile bekannt ist: Es gibt keine Nachfolger. Sangermann sagt, dass die Handwerksbetriebe von Bürokratie überflutet würden. „Ein junger Mann sagt, ich will backen und nicht den Bürokram machen.“

Ein Bäcker wie Georg Sangermann möchte am liebsten in der Backstube stehen. Die Realität sieht oft anders aus. Die Arbeit im Büro muss erledigt werden: „Hier sitze ich manchmal fast den ganzen Tag“, sagt der Obermeister.
  • Ein Bäcker wie Georg Sangermann möchte am liebsten in der Backstube stehen. Die Realität sieht oft anders aus. Die Arbeit im Büro muss erledigt werden: „Hier sitze ich manchmal fast den ganzen Tag“, sagt der Obermeister.
  • Foto: Jörg Winkel
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

Als großen Konkurenten sieht der Bäcker die Backstationen in Supermärkten. „Die verkaufen die Ware zum halben Preis. Das zieht bei den Deutschen, die achten auf günstige Lebensmittel.“ Dabei hätten die Discounter von Norden bis Süden das gleiche Programm. Die Vielfalt gehe verloren.

"Handwerks-Bäckerei überlebt"

Der Rückgang bei den Bäckereien und Konditoreien im Kreis Siegen-Wittgenstein in den Jahren von 2010 bis 2020 (35 Prozent) entspricht in etwa den Zahlen des Landes in dem ähnlich betrachteten Zeitraum, im Kreis Olpe ist der negative Trend in diesen zehn Jahren etwas geringer (25 Prozent). Der Rückgang sei nicht mehr aufzuhalten, so Sangermann: „Wir werden noch weitere Betriebe verlieren, aber wir sind sicher, dass die Handwerks-Bäckerei überlebt.“ Spezielle Produkte und Vielfalt, „das honorieren die Leute auch“.

Sein Lieblingsplatz ist hinter der Theke

Auch Günter Janson, Obermeister der Fleischer-Innung Siegen-Wittgenstein, musste miterleben, wie zahlreiche Betriebe im Kreisgebiet ihre Türen schlossen. Als er seinen Betrieb in Bad Laasphe 1987 übernommen habe, habe es über 100 Fleischereien in Siegen-Wittgenstein gegeben. 2020 waren es laut der Handwerkskammer Südwestfalen nur noch 56. Die Zahl der Betriebe ist in der Zeit von 2010 bis 2020 um ca. 13 Prozent zurückgegangen.

Betriebe finden oft keinen Nachfolger

„Die meisten haben nicht wegen Reichtums, sondern aus Altersgründen aufgehört“, sagt Janson. Es sei schwierig, Nachfolger zu finden, er selbst suche seit Jahren. Aber die Arbeit wolle sich heute kaum noch einer ans Bein binden. „Man muss eine Menge Leistung bringen, aber man kann gut davon leben“, findet der Obermeister. Wie man junge Menschen dafür begeistern kann, einen Betrieb zu übernehmen? „Ich habe da keinen Lösungsweg“, muss er offen zugeben.
Auch Thomas Weber, Obermeister der Fleischer-Innung Olpe, weiß keinen Rat wie der Rückgang der Betriebe aufgehalten werden könnte. Im Kreis Olpe ging die Zahl der Fleischereien in den vergangenen zehn Jahren um 12 Prozent zurück. „Es ist schwierig im Moment.“ Nachfolger, aber auch Auszubildende zu bekommen, sei eine Herausforderung. „Bezahlt wird eigentlich ganz gut und es ist ein Beruf mit Zukunft“, hebt Weber hervor, aber auch er spricht von immer weiter zunehmender Bürokratie und hohen Auflagen. „Man ist mehr im Büro als in der Produktionsstätte.“ Er selbst habe das Glück, dass sein Sohn den Betrieb übernehmen wird.

Bäckereien und Fleischereien in der Region finden häufig keine Nachfolger.
Ein Bäcker wie Georg Sangermann möchte am liebsten in der Backstube stehen. Die Realität sieht oft anders aus. Die Arbeit im Büro muss erledigt werden: „Hier sitze ich manchmal fast den ganzen Tag“, sagt der Obermeister.
Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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