Schmutzige Futterstellen Grund für Krankheiten
Immer weniger Vögel

Ein hübsches Kerlchen ist die Blaumeise. Mit 2145 gezählten Exemplaren führt sie die Liste der „Stunde der Wintervögel“ in den Gärten des Kreises Siegen-Wittgenstein an.
  • Ein hübsches Kerlchen ist die Blaumeise. Mit 2145 gezählten Exemplaren führt sie die Liste der „Stunde der Wintervögel“ in den Gärten des Kreises Siegen-Wittgenstein an.
  • Foto: Pixabay
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

goeb Siegen/Olpe/Betzdorf. Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion“, so nennt der Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschland, Leif Miller, die „Stunde der Wintervögel“, an der in der Zeit vom 8. bis 10. Januar 236 000 Menschen teilgenommen haben, darunter auch viele heimische Vogelfreunde. Dass dies eine Steigerung um 65 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet, ist möglicherweise dem Corona-Lockdown geschuldet. Mehr Menschen als sonst sind zu Hause und freuen sich über Abwechslung. Die Beobachtungsstunde am Fenster oder im Wintergarten mit „bewaffnetem Auge“ bietet für viele eine angenehme Unterbrechung der Routine.

Zweitniedrigster Wert seit Beginn der Aktion

Rekord-Teilnahme unter den Menschen – leider keine Rekord-Teilnahme unter den gefiederten Freunden, so lässt sich das Ergebnis zusammenfassen.
In den Gärten, in denen gezählt worden ist, kamen die Hobby-Ornithologen nur auf durchschnittlich 34,5 Vögel, der zweitniedrigste Wert seit Aktionsbeginn vor zehn Jahren (12 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt).
Schlechter, heißt es in einer ersten Bewertung, sei es nur 2017 gewesen. Auch damals hätten besonders die typischen Futterplatzbesucher gefehlt, nämlich sämtliche Meisenarten, Kleiber, Gimpel und Kernbeißer – alles Arten deren Winterbestände auf den Zuzug von Artgenossen aus dem Norden angewiesen sind. Bis kurz vor der Zählung sei der Winter europaweit sehr mild gewesen und die Zuzügler ausgeblieben.

Deutlich weniger Grünfinken als früher

Rekordwerte erreichten dagegen Standvogelarten wie Haussperling und Stadttaube sowie Arten, die grundsätzlich mildere Winter bevorzugen, wie Rotkehlchen und Ringeltaube.
Ein besorgniserregend schwaches Ergebnis, das nicht mit dem Wetter erklärt werden kann, liefert der Grünfink. Sein Abwärtstrend setzt sich leider unverändert fort. Diesmal wurden nur noch 0,9 Grünfinken pro Garten gemeldet. Im SI-Kreis liegt er knapp über dem Schnitt. Damit gibt es heute nur noch ein Viertel der Grünlinge, die 2011 noch die Gärten bevölkerten. Als Ursache gelten vor allem Infektionen mit Trichomonaden an Futterstellen (besonders im Sommer). Klaus Schreiber vom NABU Siegen-Wittgenstein, als auch Michael Frede, Wiss. Mitarbeiter der Biologischen Station Siegen-Wittgenstein, appellierten an die Naturfreunde, bei Fütterungen peinlich genau auf Sauberkeit zu achten, da sich dort inzwischen viele Arten mit Krankheitserregern infizierten. Der NABU hatte vor wenigen Wochen sogar dazu geraten, wegen des Finkensterbens die Fütterung einzustellen.

Futterstellen säubern

Klaus Schreiber aus Geisweid ist bewusst, dass für viele die Fütterung natürlich ein Quell der Freude darstellt und viel Abwechslung bietet in recht ereignislosen Zeiten. „Ich möchte appellieren, jeden Tag die Futterstellen zu säubern. Die Zeit muss man sich nehmen.“
Frede erklärte auf Nachfrage, dass insbesondere alte Futterreste am Boden, vermischt mit Vogelkot, regelrechte Bakterien- oder Virenschleudern sein könnten. Die Bestandsminderung beim Grünfink sei mit hoher Wahrscheinlichkeit auch darauf zurückzuführen.
Frede: „Wir müssen uns verstärkt auf solche Krankheiten einstellen. Wir hätten uns das vor Jahrzehnten auch nicht vorstellen können. Aber es ist nun mal Fakt, dass sich das Klima ändert.“

Bestand der Amseln stabilisiert sich

Seit 2011 nehmen die Winterbestände von Vogelarten, die auf Zuzug aus dem Norden und Osten angewiesen sind, ab. Dies sei Ausdruck einer Entwicklung, die mit einigen harten Wintern begann und zuletzt eine lange Reihe milder Winter aufwies. Je milder der Winter, desto geringer die Neigung der Vögel in wärmere Regionen im Süden und Westen auszuweichen.
Die fünf am häufigsten gemeldeten Arten waren Haussperling, Kohlmeise, Feldsperling, Blaumeise und Amsel. Im Vergleich zum Vorjahr haben nur Feldsperling und Blaumeise die Plätze getauscht.
Die Amsel erholt sich weiter langsam von ihren Tiefstwerten nach der schweren Usutu-Epidemie des Sommers 2018. „Ich hatte befürchtet, dass die Zahlen nicht gut sein würden, bin nun aber positiv überrascht darüber, dass die Amsel sich wieder stabilisiert hat“, so Frede. Gegen den Bundestrend stemmt sich bei uns auch die Blaumeise. Auch die Beobachtung von 49 Kolkraben ist beachtlich. Vor 30 Jahren hätte man kaum einen entdeckt. Er gilt als Art, die sich prächtig erholt hat.

Blaumeise, Kohlmeise und Spatz auf dem Treppchen In 491 Gärten im Kreis Siegen-Wittgenstein ist vom 8. bis 10. Januar im Auftrag des NABU gezählt worden. Spitzenreiter ist hier die Blaumeise mit 2145 Exemplaren, das sind statistisch 4,37 Blaumeisen je Garten. Auf den weiteren Plätzen (die Zahl in Klammern ist der Durchschnittswert je Garten): 1954 Kohlmeisen (3,98); 1858 Haussperlinge (3,78); 1768 Amseln (3,6); 934 Buchfinken (1,9); 756 Gimpel (1,54); 544 Rotkehlchen (1,11); 509 Grünfinken (1,04); 506 Eichelhäher (1,03); 415 Ringeltauben (0,85); 398 Kleiber (0,81); 338 Rabenkrähen (0,69); 198 Buntspechte (0,4); 179 Kernbeißer (0,36); 53 Zaunkönige (0,11); 51 Grünspechte (0,1); 49 Kolkraben (0,1).
Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil
LokalesAnzeige

Spar-Abo der Siegener Zeitung
Schnell abonnieren und bares Geld sparen!

Das Abonnement der Siegener Zeitung ist der bequemste Weg, um jeden Morgen die wichtigsten Nachrichten aus Siegen, dem Siegerland, Wittgenstein, Altenkirchen und Olpe zu in kompakter Form zu lesen ‒ als gedruckte Zeitung direkt aus dem Briefkasten oder als digitale Version in Form eines E-Papers. Das E-Paper lesen Sie bequem am PC oder ganz mobil mit unserer App für Android und Apple. Schnell Abo buchen und bares Geld sparenSchnell sein lohnt sich jetzt, denn je früher Sie bestellen, desto mehr...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen