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Rückgewähr der alten Freiheiten?
Impf-Priorisierung soll im Juni wegfallen

Sollten Geimpfte wieder unbeschwert Konzerte oder andere große Veranstaltungen besuchen dürfen? Konkret entschieden wurde am Montag noch nichts; Erleichterungen sollen auf den Weg gebracht werden, hieß es lediglich.
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ap Siegen/Olpe/Betzdorf. Neue (alte) Freiheiten für Geimpfte und Genesene, kann und darf es die geben? Und was ist mit der starren Impfreihenfolge, die viele Menschen frustet? Alles Themen beim Gipfel-Treffen der Kanzlerin mit den Länderchefs am Montag. Gegen Abend die nüchterne Feststellung: Konkrete Ergebnisse hat der Impf-Gipfel nicht gebracht, allenfalls Andeutungen.

Die Debatte um mehr Freiheiten für Geimpfte und Genesene und die Frage danach, ob diese perspektivisch in ihren vor-pandemischen Alltag zurückkehren können, ist in den vergangen Wochen immer lauter geworden. Eine konkrete Entscheidung ist auf dem Gipfeltreffen aber nicht gefallen: Man wolle Erleichterungen auf den Weg bringen, so das Ergebnis der dreistündigen Verhandlungen.

ap Siegen/Olpe/Betzdorf. Neue (alte) Freiheiten für Geimpfte und Genesene, kann und darf es die geben? Und was ist mit der starren Impfreihenfolge, die viele Menschen frustet? Alles Themen beim Gipfel-Treffen der Kanzlerin mit den Länderchefs am Montag. Gegen Abend die nüchterne Feststellung: Konkrete Ergebnisse hat der Impf-Gipfel nicht gebracht, allenfalls Andeutungen.

Die Debatte um mehr Freiheiten für Geimpfte und Genesene und die Frage danach, ob diese perspektivisch in ihren vor-pandemischen Alltag zurückkehren können, ist in den vergangen Wochen immer lauter geworden. Eine konkrete Entscheidung ist auf dem Gipfeltreffen aber nicht gefallen: Man wolle Erleichterungen auf den Weg bringen, so das Ergebnis der dreistündigen Verhandlungen.

Geimpfte und Genesene weniger infektiös

Basis der Diskussion ist ein Bericht des Robert-Koch-Instituts (RKI). Demzufolge seien Geimpfte bzw. Genesene weniger infektiös als negativ getestete Personen. „Man muss zwischen Immunität und Infektiösität unterscheiden“, betont Univ.-Prof. Carl Friedrich Gethmann, ehemals Mitglied des Deutschen Ethikrates. Man könne zwar davon ausgehen, dass Immunität in weiten Teilen zu einer Nicht-Infektiösität führe – unklar sei jedoch, inwieweit Corona-Genesene nach einer milden Verlaufsform ein Ansteckungsrisiko darstellten. Darüber hinaus könnten Mutationen durch die wegfallenden Testungen möglicherweise nicht erkannt werden, merkt der Olper Mediziner Jan Patrick Goebel an.

Kritiker warnen in diesem Zusammenhang außerdem vor einer drohenden Zweiklassengesellschaft: Erst wenn alle Bürger ein Impfangebot erhalten haben, könne man über eine solche Ungleichbehandlung nachdenken. „Eine merkwürdige Rhetorik“, findet Gethmann.

Vernünftige Differenzierung zum Wohle aller Beteiligten

Von einer Spaltung zu sprechen, ist aus seiner Sicht schlichtweg falsch: Autofahren dürfe schließlich auch nur der, der einen Führerschein habe. „Das ist eine vernünftige Differenzierung zum Wohle aller Beteiligten“, zieht der Wirtschafts- und Medizinethiker den Vergleich.

"Eine Rückgewähr der alten Freiheiten
ist nicht nur angemessen und fair,
sondern unvermeidlich
und ethisch zwingend notwendig."

Univ.-Prof. Carl Friedrich Gethmann
ehem. Mitglied des
Deutschen Ethikrates

Geimpften und Genesenen ihre Rechte zurückzugeben, sei aus ethischer Sicht weder Privileg noch Diskriminierung. Vielmehr gehe es um die Frage nach Gerechtigkeit – Gethmann spricht in diesem Zusammenhang von einer „gerechtfertigten Ungleichheit“. „Eine Rückgewähr der alten Freiheiten ist nicht nur angemessen und fair, sondern unvermeidlich und ethisch zwingend notwendig“, resümiert Gethmann – aber unter gewissen Bedingungen.

Mund-Nasen-Bedeckung und Abstandsgebot weiter Pflicht

Weiterhin gelten sollen jedoch die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung sowie das Abstandsgebot. Die Disziplin der Bevölkerung werde zusammenbrechen, gäbe es hierbei unterschiedliche Maßgaben, erklärt Gethmann.

Für Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sind besondere Maßnahmen geplant, um die soziale Isolation zu minimieren.
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Was außerdem geplant ist, sind besondere Ausnahmen für Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, um die soziale Isolation zu minimieren. „Ein zweischneidiges Schwert“, findet Angela Zimmermann, Leiterin der Eiserfelder Pflegeresidenz „Haus Gilberghof“: „Für unsere Bewohner würde ich mir nichts sehnlicher wünschen“, nimmt die Einrichtungsleiterin vorweg. Was aber immer auch mitschwingt, sind die Bedenken bezüglich der höheren Ansteckungsgefahr. „Bisher hatten wir noch keinen Corona-Fall“, so Zimmermann, „und das soll auch so bleiben.“

Impfreihenfolge aufheben

Ein weiteres Thema der Gipfel-Diskussion war – vorausgesetzt, es ist genügend Impfstoff verfügbar – die Aufhebung der Priorisierung. Ab Juni wolle man die Impfreihenfolge aufheben, haben Bund und Länder vereinbart. Das heiße jedoch nicht, dass dann jeder geimpft werde, betont Kanzlerin Angela Merkel. Aber es gebe zumindest für jeden die Möglichkeit, sich einen Termin zu verschaffen. Auch die Betriebsärzte sollen dann in die Impfkampagne einbezogen werden.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder forderte vor dem Gipfel-Treffen, künftig auch 16-Jährige impfen zu lassen. „Dass man Schüler impft, um damit den Schulbetrieb zu ermöglichen und die Infektionsgefahr in den Griff zu bekommen, ist sicherlich eine vernünftige Sache“, sagt der Olper Hausarzt Goebel. Dies hätte jedoch eine weitere Verzögerung der Öffnung des Impfangebots für alle zur Folge.

Auch Thomas Giehl, Schulleiter der Bertha-von-Suttner Realschule Plus in Betzdorf, sagt: „Man sollte bei Schülern impfen, was das Zeug hält. Darüber muss man doch gar nicht nachdenken.“

Sollten Geimpfte wieder unbeschwert Konzerte oder andere große Veranstaltungen besuchen dürfen? Konkret entschieden wurde am Montag noch nichts; Erleichterungen sollen auf den Weg gebracht werden, hieß es lediglich.
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Autor:

Alexandra Pfeifer

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