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Bürger über 80 müssen Brief vom Land abwarten
Impftermine gibt’s noch nicht

Der Impfstoff, den Dr. Klock hier aufzieht, ist noch knapp.

ihm Eiserfeld. Mit hoher Geheimhaltungsstufe wird seit Sonntag der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer in Nordrhein-Westfalen verteilt. Wann wie viele Ampullen in welches Altenheim gebracht werden, erfährt die Öffentlichkeit vorher nicht – aus Sicherheitsgründen, wie die Kreisverwaltung sagt. Nach dem Start am Sonntag im Weidenauer Marienheim wurde auch am Montag geimpft, heute soll neuer Impfstoff ankommen, teilte die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) mit.
Aufklärung und Einverständnis sind PflichtBei der KVWL in Dortmund laufen die Fäden der Impforganisation zusammen. Sprecherin Heike Achtermann schildert die Abläufe: „Die Heime melden sich bei uns über ein elektronisches Tool und fordern die Impfung an.“ Das kann nur geschehen, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind.

ihm Eiserfeld. Mit hoher Geheimhaltungsstufe wird seit Sonntag der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer in Nordrhein-Westfalen verteilt. Wann wie viele Ampullen in welches Altenheim gebracht werden, erfährt die Öffentlichkeit vorher nicht – aus Sicherheitsgründen, wie die Kreisverwaltung sagt. Nach dem Start am Sonntag im Weidenauer Marienheim wurde auch am Montag geimpft, heute soll neuer Impfstoff ankommen, teilte die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) mit.

Aufklärung und Einverständnis sind Pflicht

Bei der KVWL in Dortmund laufen die Fäden der Impforganisation zusammen. Sprecherin Heike Achtermann schildert die Abläufe: „Die Heime melden sich bei uns über ein elektronisches Tool und fordern die Impfung an.“ Das kann nur geschehen, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Die Altenheime müssen ihre Bewohner aufgeklärt und Einverständniserklärungen eingeholt haben, man braucht Räume, Personal und einen Impfarzt, der oft der Heimarzt ist. Dann nennen die Einrichtungen einen Wunschtermin und teilen mit, wie viele Menschen geimpft werden sollen. Die KVWL meldet das nach Düsseldorf zum Gesundheitsministerium, von dort wird der Transport des Impfstoffs in das Heim organisiert.
Achtermann: „Die meisten Heime sind gut aufgestellt, das hat bisher sehr gut geklappt.“ Die Einrichtungen, in denen akute Corona-Ausbrüche zu verzeichnen sind, werden derzeit noch nicht angefahren.
Was geschieht mit Heimen, die sich gar nicht melden? Achtermann: „Es gibt keine Impfpflicht, und wir kontrollieren auch nicht, ob alle Heime sich beteiligen.“ Allerdings erfahren die Kreisverwaltung und das Gesundheitsamt, wo überall geimpft worden ist. Insofern könnten „weiße Flecken“ identifiziert werden.

Impfzentrum startet erst Mitte Januar

Nach den Berichten über den Impfstart sind viele Menschen über 80 elektrisiert. Sie wollen sich schnell impfen lassen, um vor dem Virus geschützt zu sein. Aber: Derzeit ist das nicht möglich. Das Impfzentrum an der Eiserfelder Straße hat seinen Betrieb noch nicht aufgenommen. Achtermann: „Wann es losgeht, hängt vom Impfstoff ab.“ Die vergleichsweise geringe Menge, die im Kreis Tag um Tag zur Verfügung stehe, werde zunächst für die Altenheime gebraucht. Etwa ab Mitte Januar, so schätzt Dr. Thomas Gehrke als Leiter des Impfzentrums, könnten Heime und Krankenhäuser versorgt sein. Dann wäre die Gruppe der Hochbetagten an der Reihe.
Das Landesgesundheitsministerium sagte der SZ auf Anfrage, dass Einzelheiten rund um die Benachrichtigung und Terminvergabe aktuell abgestimmt würden „Seitens des Landes NRW ist in Planung, zu gegebener Zeit (etwa ab Mitte Januar) in einem ersten Schritt alle Bürger über 80 Jahren per Brief zu informieren“, so Sprecher Heiko Haffmans.
Unter der Telefonnummer 116 117 werden anschließend die Termine vergeben. Heike Achtermann: „Bitte aber jetzt auf keinen Fall dort anrufen, es gibt noch keine Terminvergabe.“ Die Telefonnummer ist gleichzeitig die Nummer für den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Es wäre fatal, wenn die Leitungen nun zusammenbrächen, weil die Anrufer nach Impfterminen fragen. Die KVWL wird die Kapazitäten der Telefonannahme massiv verstärken, wenn der Betrieb in den Impfzentren anläuft. „Wir können den Menschen nur raten, fleißig Zeitung zu lesen, wir werden rechtzeitig informieren“, verspricht die KVWL-Sprecherin. Das neue Internetportal www.corona-kvwl.de gibt laufend aktuelle Informationen.

Die Frage nach der Impfreaktion

Zwei Fragen werden im Zusammenhang mit der Schutzimpfung häufig gestellt:

Wie wird sichergestellt, dass die zweite Impfung nach drei Wochen aus der gleichen Charge wie die erste stammt?

  • Dr. Thomas Gehrke, Leiter des Impfzentrums in Siegen: „Der von der Firma angelieferte Impfstoff wird direkt im zentralen Lager in zwei Hälften aufgeteilt. Die eine Hälfte verimpfen wir, die zweite wird bei bei minus 70 Grad aufbewahrt und dann zur zweiten Impfung verwendet. Deshalb ist es wichtig, dass alles sorgfältig dokumentiert wird.“

Wie ist die heftige Impfreaktion des Wilnsdorfers Christoph Kiendl zu erklären, der als Proband an einer Studie teilgenommen hat und so hohes Fieber bekam?

  • Auszug aus dem Impf-Aufklärungsbogen des Deutschen Grünen Kreuzes in Zusammenarbeit mit dem Paul-Ehrlich-Institut: „Die am häufigsten berichteten Impfreaktionen in der bisher zweimonatigen Beobachtungszeit waren Schmerzen an der Einstichstelle (mehr als 80 Prozent), Abgeschlagenheit (mehr als 60 Prozent), Kopfschmerzen und Frösteln (mehr als 30 Prozent), Gelenkschmerzen (mehr als 20 Prozent), Fieber und Schwellung der Einstichstelle (mehr als 10 Prozent). Die meisten Reaktionen sind bei älteren Personen etwas seltener als bei jüngeren Personen zu beobachten. Die Impfreaktionen sind zumeist mild oder mäßig ausgeprägt und treten etwas häufiger nach der zweiten Impfung auf.“
  • Dr. Thomas Gehrke zu lokalen Reaktionen an der Impfstelle: „Der Wirkstoff darf nur in den Muskel gespritzt werden, nicht unter die Haut und nicht ins Fettgewebe. Geschieht das doch, kann es zu ausgeprägteren Reaktionen kommen.“
Corona-Webseite Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) geht mit einer Info-Webseite zum Coronavirus online. Auf www.corona-kvwl.de finden niedergelassene Ärzte, Psychotherapeuten sowie Bürger in Westfalen-Lippe alle Informationen zum Umgang mit der Pandemie in der ambulanten Versorgung. Die Informationen auf der Webseite werden in „Praxisinformationen“ und „Patienteninformationen“ aufgeteilt. Ergänzend dazu gibt es einen FAQ-Bereich für die Praxen. Unter „Aktuelles“ werden alle Meldungen fortlaufend ergänzt und aktualisiert.
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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