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2900 Anträge bei der Siegener Kreisverwaltung
Impfwillige drängen nach vorne

Die Anträge der Impfwilligen basieren auf ärztlichen Attesten.
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  • Die Anträge der Impfwilligen basieren auf ärztlichen Attesten.
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mir Siegen. Wer soll und darf zuerst geimpft werden? Die sehr Alten über 80 Jahre natürlich, den Konsens haben noch alle Mitbürger beinahe geräuschlos akzeptiert.

Danach soll die Gruppe Ü70 folgen, und auch die Kranken mit massiven Risiken sind an der Reihe: Ende März könnte der Tag X eintreten, wenn denn genügend Serum der Marke AstraZeneca im Siegerland eintreffen sollte, diese Version hat nach Auskunft des Kreises Siegen-Wittgenstein weiterhin Bestand.
Solidarisches Warten auf Termine bröckeltFakt ist aber auch: Die Menschen werden ungeduldig, das solidarische Warten auf Termine und Vakzine bröckelt. Aus Angst oder vom eigenen Ego getrieben, mehr und mehr Siegen-Wittgensteiner stellen Anträge, warum gerade sie priorisiert werden müssten.

mir Siegen. Wer soll und darf zuerst geimpft werden? Die sehr Alten über 80 Jahre natürlich, den Konsens haben noch alle Mitbürger beinahe geräuschlos akzeptiert.

Danach soll die Gruppe Ü70 folgen, und auch die Kranken mit massiven Risiken sind an der Reihe: Ende März könnte der Tag X eintreten, wenn denn genügend Serum der Marke AstraZeneca im Siegerland eintreffen sollte, diese Version hat nach Auskunft des Kreises Siegen-Wittgenstein weiterhin Bestand.

Solidarisches Warten auf Termine bröckelt

Fakt ist aber auch: Die Menschen werden ungeduldig, das solidarische Warten auf Termine und Vakzine bröckelt. Aus Angst oder vom eigenen Ego getrieben, mehr und mehr Siegen-Wittgensteiner stellen Anträge, warum gerade sie priorisiert werden müssten. Sage und schreibe 2900 Antragsformulare - alle unterstützt durch ärztliche Atteste - liegen bei der Kreisverwaltung vor.

„Alles nicht so schlimm“, sagt Kreispressesprecher Torsten Manges, „wir könnten 1500 Impfungen an einem Tag in Eiserfeld vornehmen.“ Und: 90 Prozent dieser Anträge sind laut Kreis überflüssig, weil die darin geschilderten Erkrankungen oder massiven Gesundheitsrisiken der Betreffenden ohnehin über die aktuellen Regeln der geltenden Coronaimpfverordnung des Bundes abgedeckt sind. Heißt: Die Antragsteller sind sowieso als Nächste an der Reihe. Tag X - siehe oben.

Schieflage in Debatte um Priorisierung

Trotzdem sieht die SZ akuten Bedarf, über die eine oder andere Schieflage in der Debatte um Priorisierungen beim Corona-Impfen zu berichten. Weil einige Details doch zumindest zum Nachfragen anregen müssen.

Fall 1: Kommt ein Mann um die 50 diese Woche zum Routinecheck vor einer Augen-OP zum Hausarzt. Blutdruck und alles okay, der ärztliche Blick in die Patientenakte offenbart ganz neue Möglichkeiten: Übergewicht mit erheblichem Body-Mass-Index ist da vor Jahren notiert worden, dazu schwerwiegende Bronchitis mit COPD-Verdacht. Beide Faktoren reichen für ein Attest zur Priorisierung beim Impfen.

Frohgelaunt verlässt der Familienvater die Praxis, das Formblatt für den Antrag findet er auf der Homepage des Kreises. Ob der Antrag wohl genehmigt wird?

Die Aussichten sind nicht schlecht. Von Trisomie bis Krebs reichen die aufgelisteten Diagnosen, die eine Priorisierung erlauben, aber eben auch COPD und erhebliches Übergewicht tauchen auf. Daneben Herzinsuffizenz und sogar Leber- oder Nierenschäden. Die Auskunft des Kreises dazu: „Ein Arzt muss im Attest plausibel darstellen, dass die Erkrankung des Betreffenden so drastisch ist wie die in der Verordnung genannten Fälle.“ Sollten Unklarheiten bestehen bleiben, sind die ermittelnden Gesundheitsbehörden sogar berechtigt, weitere Akten einzusehen. Auch die der Rentenversicherung.

Mit Hilfe eines aussagekräftigen Attestes darf der impfwillige Mann aus Weidenau darauf hoffen, dass er trotz seines mittleren Alters in der nächsten Gruppe mitgeimpft wird.
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Fall 2: Hans Georg aus Siegen ist 77 Jahre alt, hat 2004 durch Lungenkrebs einen Teil dieses Organs verloren, einen Teil des Dickdarms hat man ihm auch entfernt - über seinen Fall hat die SZ bereits Mitte Januar einmal berichtet: „Ich bin ein Risikopatient und noch immer nicht geimpft.“ Tapfer hat er für seine 83-jährige Frau nach Impfterminen gesucht, „nach 300 Telefonaten mit Düsseldorf bin ich fündig geworden: 19. April und 8. Mai.“ Komisch, eigentlich sollten die über 80-Jährigen doch alle längst geimpft sein, oder?

Das Ehepaar Georg hat schlicht und ergreifend Angst, im Falle einer Covid-Infektion sieht Hans Georg für sich selbst keine große Überlebenschance: „Meine Hausärztin hat mir das schriftlich bestätigt, sollte ich Corona bekommen, bin ich mit großer Wahrscheinlichkeit zwei Tage später tot.“

Aus lauter Vorsicht bleibt Hans Georg viel zu Hause, verlässt die Wohnung in der Frankfurter Straße nur zu Spaziergängen. Die Einkäufe im Dornseifer-Supermarkt erledigt die Frau: „Ich bleibe am Eingang in der Ecke sitzen, die kennen mich schon. Mir ist die Gefahr zu groß, dass ich im Gedränge angesteckt werde.“

Hans Georg hat seinen Antrag samt Attest auf eine vorgezogene Impfung vor einiger Zeit bereits bei der Kreisverwaltung eingereicht. Am gestrigen Freitag hat der Siegener nachgehakt und beim Gesundheitsamt des Kreises persönlich nachgefragt, ob und wann ihm denn ein Impftermin zugeteilt wird. Ohne Erfolg: „Ich habe keine Auskunft über einen Termin bekommen, ich komme einfach nicht weiter“, gibt er sich keinesfalls geschlagen: „Das ist in meinen Augen unterlassene Hilfeleistung.“ Sollte sich bis Ende nächster Woche nichts zum Positiven wenden, will er weitere Schritte einleiten.

Auch über die Details im Fall Hans Georg hat die SZ mit dem Kreis Siegen-Wittgenstein gesprochen. Grundsätzlich gilt, alle Fragen rund um das Impfen sollten Bürger über die Corona-Hotline der Kreisverwaltung stellen: „Dort haben wir alle Kompetenzen gebündelt“, sagt Manges. Jemanden im Gesundheitsamt anzurufen, den man eventuell zufällig persönlich kennt, führe nicht zum Ziel, weil diese Mitarbeiter in jedem einzelnen Fall gar keine Kenntnis über den Sachstand haben könnten. Deshalb wohl erhielt Hans Georg dort am Freitag diese Antwort: „Die Sache liegt bestimmt beim Impfzentrum vor.“

Die Anträge der Impfwilligen basieren auf ärztlichen Attesten.
Mit Hilfe eines aussagekräftigen Attestes darf der impfwillige Mann aus Weidenau darauf hoffen, dass er trotz seines mittleren Alters in der nächsten Gruppe mitgeimpft wird.
Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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