In dünner Luft

Ingo Niermann (l.) und Christian Kracht lasen im Rahmen der Uni-Reihe „Poetry@Rubens“ am Freitag im Museum für Gegenwartskunst.  Foto: zel
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zel Siegen. Atmen, Metan. Einfach mal die Buchstaben umstellen. Und schon hat man die Weltformel entdeckt, wenn man das Treibhausgas ohne „h“ schreibt. Das Auditorium atmete schon eine halbe Stunde lang im Vortragsraum des Museums für Gegenwartskunst, bevor die beiden Autoren Christian Kracht und Ingo Niermann am Freitag ihren Beitrag zur Uni-Reihe „Poetry@Rubens“ begannen. Ein Mikro musste erst noch aufgetrieben werden und funktionierte dann nicht. Es ging dann auch ohne.

Alle konnten die beiden Um-die-40-Jährigen gut verstehen, akustisch, heißt das, aber was sie da lasen, das war schon ein dickes Ei. „Metan“ heißt das gemeinsame Werk. Uni-Rektor Prof. Dr. Ralf Schnell hatte für seine Studierenden das Meiste rausholen wollen aus diesem Abend und die beiden Popliteraten (oder ist Popliteratur tot?) überzeugt, das ganze Buch vorzulesen, was 90 Minuten dauern sollte. Uff. Durchatmen.

Niermann las im Sitzen, Kracht im Stehen. Die beiden haben auf dem Kilimandscharo – da ist die Luft recht dünn – eine Art Sachbuch empfangen und geschrieben, wie alles mit allem zusammenhängt. Weltverschwörung, Australien, Japan, Saddam Hussein, Erdgeschichte, Mugabe, mongoloide Reisende im Safaripark Stukenbrok, China, Klimakatastrophe, Franz-Josef Strauß als junger Radfahrer mit kurzen Beinen, Kühe, Bohnen, Bergsteiger, Flatulenzen, „Das Methan opferte sich, damit wir wurden“ und was nicht noch alles – ganz großer Schwachsinn, genial gemacht. Manches war lustig, vieles zog sich. Vieles schien gut recherchiert, zur Untermauerung wurden Internetadressen mitgelesen, Passagen in Englisch oder Afrikaans aufgenommen, aber irgendwie konnte man den beiden nichts glauben. Unterhaltsam war ihre Lesung trotzdem nicht, denn als Persiflage auf ein Sachbuch oder eine wissenschaftliche Arbeit ist „Metan“ schlicht nicht witzig genug, auch wenn die Autoren hie und da selbst über ihren Text lächeln mussten. Hätten sich Kracht und Niermann über die Abmachung mit dem Uni-Rektor hinweggesetzt und ihre Lesung gestrafft, wäre dem Abend vielleicht noch etwas abzugewinnen gewesen.

Dennoch gab es am Ende herzlichen Applaus, denn einen wie Christian Kracht, dessen Buch „Faserland“ 1995 einiges Aufsehen erregte, mal live zu sehen und zu hören, war ganz interessant. Aber: Die „Poetry“ in „Poetry@Rubens“ wurde arg vernachlässigt. Wenn eben postmodern alles geht, dann kommt auch mal so ein Kunstwerk dabei heraus. Im Radio würde man sagen: „Das versendet sich.“

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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