In gemeinsame Filmreihe gestartet

Eine Kooperation der Uni Siegen mit der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule

sz Siegen. »Der Mensch ist ein geschichtliches Wesen. Geschichtlich zu sein, macht seine Eigenheit aus.« Darin stimmen die Historiker an den Universitäten und die Lehrpläne für den Geschichtsunterricht in den Schulen überein – nur die Schülerinnen und Schüler selbst, deren lebensgeschichtlicher Zeithorizont naturgemäß mehr auf die Gegenwart und Zukunft als auf die Vergangenheit gerichtet ist, zeigen sich von dieser Wahrheit nur selten beeindruckt. Noch immer haftet dem Geschichtsunterricht der Ruf an, dass es in diesem Fach um das »Pauken« von staubtrockenen »Daten und Fakten« gehe.

Daher hat es der Geschichtsunterricht im »visuellen Zeitalter« schwer, historisches und politisches Wissen zu vermitteln. Eine Erkenntnis, die den 44. Historikertag in Halle an der Saale dazu veranlasste, sich ausführlich mit dem Thema »Neue Perspektiven des Geschichtsunterrichts?« zu beschäftigen.

Neue Wege zu erproben ist auch das Ziel einer Gruppe von Geschichtsstudentinnen und -studenten an der Universität Siegen, die im Sommersemester 2003 den Arbeitskreis »Geschichte im Film« gründeten. Die Bertha-von-Suttner-Gesamtschule zeigte sich wieder einmal für eine Kooperation mit der Universität Siegen sehr aufgeschlossen. Begleitet und unterstützt wird der Arbeitskreis von Prof. Dr. Susanne Popp (Didaktik der Geschichte, Neueste Geschichte), der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Katja Gorbahn sowie von Dr. Jürgen Dragowski (Leiter der Fachgruppe Geschichte S II der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule).

Gemeinsam wurde ein innovatives Kooperationskonzept entworfen: Zusammen mit Schülerinnen und Schülern gestalten die Studierenden Filmreihen zu attraktiven historischen Themen, die in der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule gezeigt werden und zu denen interessierte Mitschüler, Kommilitonen und Lehrer, auch von anderen Schulen, eingeladen sind. Teams, in denen zwei Schüler und Studierende zusammenarbeiten, übernehmen jeweils die »Patenschaft« für einen Film bzw. Filmabend. Dies bedeutet nicht nur, dass sie den Abend vorbereiten und organisieren. Vielmehr setzen sie sich gemeinsam mit dem historischen Hintergrund des Films auseinander und führen das Publikum in die geschichtlichen Zusammenhänge ein. Auch moderieren sie die Diskussion nach der Filmvorführung, die sich vor allem mit der Frage beschäftigt, wie der Regisseur die Geschichte darstellt und deutet und wie die »Geschichtsversion« zu bewerten sei.

Die erste Filmreihe, die vom Oktober 2003 bis Februar 2004 gezeigt und diskutiert wird, trägt den Titel »Ist Lachen erlaubt?«. Hierbei handelt es sich um Filme, die ernste Themen, wie die Judenverfolgung im Nationalsozialismus und den Kalten Krieg, in der Form der (Tragi-)Komödie gestalten. Den Anfang machte Benignis eindrucksvoller Film »Das Leben ist schön«, eingeführt und moderiert von Sebastian Grün, Uwe Kaminski, Dennis Liebmann und Dennis Röder. Es folgen Dietls »Schtonk« (10. Dezember), ein Film, der am Beispiel der gefälschten Hitler-Tagebücher groteske Züge des deutschen Umgangs mit der Geschichte des »Dritten Reiches« satirisch beleuchtet, sodann Billy Wilders Komödie »Eins, zwei, drei« (28. Januar 2004) zum Ost-West-Konflikt und schließlich Ernst Lubitschs »Sein oder Nicht-Sein!« (18. Februar), eine Komödie, die, mitten im Krieg gedreht, dem unfasslichen Grauen des Holocaust die humane Selbstbehauptung im komödiantischen Lachen entgegensetzen wollte.

Die Kooperation von Schule und Hochschule und besonders die Zusammenarbeit von Schülern und Studierenden erwies sich bereits am ersten Abend als sehr gelungen. Der italienische Faschismus bildete das Thema der Einführung, und nach dem Film wurde in lockerer Runde ernsthaft diskutiert, wobei Schülerinnen der 13. Jahrgangsstufe hervorragend für das leibliche Wohl sorgten. Alle Beteiligten sind fest entschlossen, für den Sommer 2004 eine zweite Themenreihe anzubieten, wobei sich der Arbeitskreis auf weitere Mitglieder freut. Die einzige Zugangsvoraussetzung ist: Interesse an »Geschichte im Film«. Nähere Informationen sind unter http://www.fb1. uni-siegen.de/history/dgng/AK_Film.htm bzw. 0271/740-4525 zu bekommen. Der Eintritt ist frei, Beginn ist jeweils um 18 Uhr.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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