In halsbrecherischer Fahrt zur Konstatieruhr

Der Brieftaubenverein »Siegtal-Bote« feiert am Wochenende sein 50-jähriges Bestehen

sz Eisern. Im Siegerländer Brieftaubensport gibt es am Wochenende etwas zu feiern: Der Eiserner Verein »04131 Siegtal-Bote« begeht sein 50-jähriges Bestehen.

Der Taubensport im heutigen Sinne hat seine Wurzeln im 19. Jahrhundert. In der ersten Jahrhunderthälfte stand noch die traditionelle Verwendung der Brieftaube als Botentaube im Vordergrund. Mit Erfindung der Telegrafie 1850 verlor der postalische Dienst jedoch an Bedeutung. An seine Stelle trat die Taubenhaltung aus Liebhaberei, die sich im Züchten von Rassentauben oder dem sportlichen »Flügelmessen« niederschlug. In Deutschland wurde man durch die taubenbegeisterten Belgier angesteckt. »Da hat auch heute noch jeder dritte seinen Taubenschlag auf dem Dach«, weiß Vorsitzender Klaus Peter Neuhaus. So entstand in grenznaher Gegend in Aachen 1834 der erste deutsche Brieftaubenverein.

Indirekt gefördert wurde die Entwicklung durch die Belagerung von Paris im deutsch-französischen Krieg 1870/71. Hier gelangte die Brieftaube als Überbringerin von Nachrichten erneut zu Ruhm und Ehre, als alle technischen Mittel ausgefallen waren. Verschiedene Staaten, darunter das Deutsche Reich, führten das Militärbrieftaubenwesen ein. Gleichzeitig stieg die Zahl der Vereinsgründungen. Beliebt waren die »Rennpferde des kleinen Mannes« vor allem bei den »Kumpels« im »Kohlenpott«, die sich nach anstrengendem Tagewerk im »schwarzen Schoß« der Erde auf dem Taubenschlag entspannten.

Auch im Siegerland fanden sich viele Anhänger. Allerdings gehörte schon eine Portion Idealismus dazu, das Hobby auszuüben. Da die Wenigsten motorisiert waren, wurde der Weg zum Einsatzlokal entweder »per pedes« oder mit dem Fahrrad zurückgelegt. Trafen die Tauben nach ihrer Reise im heimischen Schlag ein, mussten ihre Ringe schnellstmöglich in die so genannte Konstatieruhr eingedreht werden, um die Ankunftszeit hieb- und stichfest zu machen. Dabei war Schnelligkeit gefragt. Oft waren es Jugendliche, die in halsbrecherischer Art und Weise die Fahrt zur Konstatieruhr im Vereinsheim übernahmen. Die Zeiten haben sich geändert: Heute sind die Tauben mit elektronischen Chips ausgestattet und können vom Züchter mit einem Lesegerät zu Hause eingelesen werden.

Der »Siegtal-Bote« wurde am 2. September 1953 im Gasthof »Hennche« in Eiserfeld aus der Taufe gehoben. 1. Vorsitzender war damals Erich Bamberger. Heute hat der Verein elf reisende Mitglieder, darunter zwei Jungzüchter. Monatlicher Treffpunkt ist die Gaststätte »Zur Kaiserlinde« in Eisern. Das 50-jährige Bestehen wird mit einer Jubiläumsausstellung (mit Tombola) am Samstag von 14 bis 18 Uhr und am Sonntag von 10 bis 18 Uhr im Bürgerhaus Eisern begangen. Eine besondere Attraktion ist die Versteigerung wertvoller Brieftauben von namhaften und erfolgreichen Züchtern am Samstag um 16 Uhr. Ab 18 Uhr werden Ausstellungssieger und Vereinsmeister geehrt.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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