In Pkw gestiegen und Geld gefordert

Heroinschulden mit Gewalt eingetrieben – Zwei 19 und 21 Jahre alte Männer vor Gericht

Siegen. „Schulden” belasteten das Verhältnis zwischen dem 21-jährigen Metallarbeiter und seinen beiden Bekannten, „Soreschulden” sozusagen. Denn das Geld, das nicht geflossen war, sollte die Gegenleistung für etliche Tütchen Heroin sein, die der Arbeiter meist von dem älteren der beiden im Beisein des Jüngeren erhalten hatte. So jedenfalls erzählte er es gestern vor der Jugendkammer I des Landgerichts Siegen. Dort sah er die beiden 19 und 21 Jahre alten Männer auf der Anklagebank wieder. Sie blieben gestern zunächst stumm. Staatsanwalt Manfred Lischeck wirft ihnen u.a. schwere räuberische Erpressung vor.

Aus besagten Heroingeschäften habe noch eine unbeglichene Rechnung von rund 350 DM offen gestanden, die die beiden hätten eintreiben wollen. Aus der nicht beglichenen Summe sei aber eine Forderung von 1500 DM geworden. Sie hätten ihm bei einem Bekannten in Buschhütten aufgelauert, schilderte der 21-Jährige den Beginn der zweitägigen Aufregung im März dieses Jahres. „Sie stiegen ins Auto ein und wollten Geld.” Aber da er mit seinem Konto im Minus gestanden habe, habe er die beiden vertrösten wollen. Er erntete zwei Faustschläge. Dann hätten die beiden ihm die „glänzende” Idee offeriert, sein Auto werde so lange in ihrem Besitz bleiben, bis er gezahlt habe.

„Ich habe mich nicht gewehrt, ich hätte gezahlt, wenn ich so viel gehabt hätte”, beteuerte der 21-Jährige vor dem Kammervorsitzenden, Richter Wolfgang Münker. Warum, wusste er allerdings nicht zu sagen. „Sie nahmen den Wagen als Pfand. Dann haben sie mich zu meiner Freundin gebracht.” Diese bestätigte später, dass ihr Freund völlig unerwartet bei ihr aufgetaucht sei und in ihrer Wohnung genächtigt habe. Ihr gegenüber habe er nichts von einer Erpressung oder Bedrohung gesagt.

Früh am nächsten Morgen hätten die beiden ihn wieder abgeholt und zur Arbeit gebracht. Dort, gab der Geschädigte später auf Anfrage von Verteidigerin Juliane Keßler zu, konsumierte er noch Rauschgift. Damals sei er noch abhängig gewesen. Mittags hätten seine Peiniger schon vor dem Tor gestanden und ihn zu einer neuerlichen Rundfahrt „eingeladen”. Er habe seine Mutter angerufen, um den geforderten Betrag von ihr zu leihen. „Er wollte, dass wir einen Dispositionskredit aufnehmen. Aber ich wollte nicht, ich habe seinetwegen sowieso schon Schulden”, erinnerte sich seine Mutter.

Ungefähr zehnmal habe ihr Sohn dann im Laufe des Nachmittags angerufen. Unter anderem habe er ihr erzählt, dass er das Geld zur Begleichung von Drogenschulden brauche, da er deswegen von zwei jungen Männern festgehalten werde. Das sei zwar nicht das erste Mal gewesen, aber „diesmal ist Ende”, habe er gesagt. Sie habe dann verlangt, mit einem der beiden zu sprechen. „Ihnen ist das Geld wohl wichtiger als Ihr Sohn?” habe der unbekannte „Junge” gefragt. Nach Aussage des Geschädigten sagte einer der beiden: „Wenn das Geld nicht kommt, dann sehen Sie Ihren Sohn nicht wieder.”

Auf der nachmittäglichen Fahrt habe der Ältere mehrfach eine Waffe aus der Tasche gezogen, aber nicht explizit auf ihn gezielt. Man habe schließlich einen Übergabetermin für den Abend ausgemacht. Was die direkt Beteiligten aber nicht wussten: Die Mutter des 21-Jährigen hatte einen ihrer älteren Söhne informiert, der wandte sich an die Polizei, und im Laufe des Abends erfolgten die Festnahmen. Heute sollte der Prozess fortgesetzt werden.

pebe

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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