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Vor 82 Jahren brannte die Synagoge
In Siegen ist kein Platz für Antisemiten

Mehmet Daimagüler  warnte in seiner Gedenkrede zur Erinnerung an den Synagogenbrand am 10. November 1938 vor einem Erstarken rechtsradikaler Kräfte.
  • Mehmet Daimagüler warnte in seiner Gedenkrede zur Erinnerung an den Synagogenbrand am 10. November 1938 vor einem Erstarken rechtsradikaler Kräfte.
  • Foto: kalle
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

mir Siegen.  82 Jahre ist es her, da setzten am Mittag des 10. November Männer der Siegener SA und der SS die Synagoge am Obergraben in Brand, die folgende Vernichtung der Juden in Siegen und dem ganzen Land nahm ihren verhängnisvollen Verlauf. Einmal jährlich genau an diesem Tag gedenken die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und das Aktive Museum an dieses schreckliche Ereignis, gestern zum 57. Mal.
Eigentlich sollte die Gedenkstunde Corona-bedingt ohne Publikum stattfinden, trotzdem hatten sich drei Dutzend Mitglieder – auf Abstand stehend – eingefunden, ein paar Passanten stellten sich spontan dazu. Diesmal hielt keiner der üblichen Verdächtigen die Gedenkrede, Anwalt Mehmet Daimagüler (Vertreter einer Nebenklage im NSU-Prozess) kennt sich trotzdem bestens aus.

mir Siegen.  82 Jahre ist es her, da setzten am Mittag des 10. November Männer der Siegener SA und der SS die Synagoge am Obergraben in Brand, die folgende Vernichtung der Juden in Siegen und dem ganzen Land nahm ihren verhängnisvollen Verlauf. Einmal jährlich genau an diesem Tag gedenken die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und das Aktive Museum an dieses schreckliche Ereignis, gestern zum 57. Mal.
Eigentlich sollte die Gedenkstunde Corona-bedingt ohne Publikum stattfinden, trotzdem hatten sich drei Dutzend Mitglieder – auf Abstand stehend – eingefunden, ein paar Passanten stellten sich spontan dazu. Diesmal hielt keiner der üblichen Verdächtigen die Gedenkrede, Anwalt Mehmet Daimagüler (Vertreter einer Nebenklage im NSU-Prozess) kennt sich trotzdem bestens aus. Ebenso Pastor Raimar Leng: „Für antisemitische Äußerungen ist in Siegen kein Platz.“
Ausführlichst erinnerte Daimagüler an die Schandtaten der Nazis rund um den
9. und 10. November 1938 überall im Land. Erschießungen, Folter und Quälereien. Wichtige Erkenntnis: „Beteiligt waren auch normale Deutsche, die keinen Befehl dazu erhalten hatten“, sagt der Redner. Oder solche, die wegschauten. Die Vergangenheit lasse sich nicht einfach bewältigen, und schon gar nicht dürfe sie mit einem Schlussstrich beendet werden.

„Wir leben in einer guten Heimat"

Daimagüler versteht es stets, seine eigenen Anwaltserfahrungen einzubringen. So erinnert er bei der Gelegenheit gestern an einen Prozess gegen einen KZ-Wachmann in Hamburg, dort hat er vor drei Monaten die Interessen einer Betroffenen aus den USA vertreten: „Ihr war wichtig, dass in dem Prozess noch einmal Zeugnis abgelegt wird von den schrecklichen Taten der Nazis.“
Der Gedenkredner hat daraus seine eigenen Schlussfolgerungen gezogen. Wichtig ist ihm, den Antisemitismus in jeder Form zu ächten. Jeden Tag passierten in Deutschland drei Taten mit diesem Hintergrund, zumeist verübt von rechtsradikalen Kräften. Bei Demonstrationen etwa, zum Beispiel in Berlin, wenn Sprüche wie „Juden ins Gas“ nur 300 Meter vom ehemaligen Führerbunker fielen: „Ist das noch in Ordnung?“ Natürlich nicht. Auch Polizisten, die online Hakenkreuze verschickten, „gehören rausgeworfen“, lautet seine Forderung. Daimagüler: „Wir leben in einer guten Heimat, wir müssen sie verteidigen gegen die Hetzer vom rechten Rand. Wir sind dafür stark genug.“

Ansprache schriftlich geschickt

Emek Hefer, der Partnerkreis in Israel, ist jedes Jahr bei der Gedenkveranstaltung in irgendeiner Weise eingebunden oder personell präsent. Dr. Galit Shaul, die neue Landrätin dort, hat ihre Ansprache schriftlich geschickt, Benjamin Schneider hat sie verlesen. Darin betont sie, der Holocaust sei ein wichtiger Bestandteil des jüdischen Bewusstseins in der Welt: „Deshalb sind wir verpflichtet, die Menschlichkeit zu achten. Nachwachsenden Generationen müssen wir das alles weitergeben, damit das nicht wieder passiert.“
Alon Sander, jüdischer Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Siegerland, sprach das Kaddisch, das jüdische Totengebet. Landrat Andreas Müller und Bürgermeister Steffen Mues legten den Kranz an der Pforte zum Aktiven Museum nieder, auch der Atatürkverein Siegerland zeigte mit einem solchen Gebinde seine Präsenz. Gerne hätte Traute Fries den eigentlich für diese Veranstaltung geplanten Flyer verteilt: „Darauf sind Juden zu sehen, die an der Hammerhütte gelebt haben. Dieses Wohnviertel ist nicht judenfrei gewesen, wie uns der sogenannte III. Weg vorgaukeln will.“

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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