SZ

Weidenauerin schreibt trauriges Kapitel Kriminalgeschichte
Ingrid Reppel stirbt bei erstem Banküberfall Deutschlands

Die Weidenauerin Ingrid Reppel war ein Opfer der „Blutnacht von München“. Sie Starb beim ersten Banküberfall Deutschlands.
2Bilder
  • Die Weidenauerin Ingrid Reppel war ein Opfer der „Blutnacht von München“. Sie Starb beim ersten Banküberfall Deutschlands.
  • Foto: sz-Archiv
  • hochgeladen von Marc Thomas

ch/sz/Merkur Weidenau/München. Es ist ein Verbrechen, das in Deutschlands Kriminalgeschichte eingeht. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland überfallen am 4. August 1971 gewissenlose Männer eine Bank – und nehmen Geiseln! Dabei verfolgen Tausende das Stunden währende Spektakel in der Münchener Innenstadt, sie „gaffen“. Am traurigen Ende muss die Meute mit ansehen, wie die Geisel Ingrid Reppel aus Hüttental (damals noch eigenständige Stadt, heute der Siegener Stadtteil Weidenau) im Kugelhagel stirbt. Durch die Kugel eines Täters.

Rückblick ins SZ-Archiv, vor fünf Jahrzehnten sorgte die „Blutnacht“ von München für Schlagzeilen und Bilder in allen Medien: Es ist Abend, eine schwül-heiße Sommernacht.

ch/sz/Merkur Weidenau/München. Es ist ein Verbrechen, das in Deutschlands Kriminalgeschichte eingeht. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland überfallen am 4. August 1971 gewissenlose Männer eine Bank – und nehmen Geiseln! Dabei verfolgen Tausende das Stunden währende Spektakel in der Münchener Innenstadt, sie „gaffen“. Am traurigen Ende muss die Meute mit ansehen, wie die Geisel Ingrid Reppel aus Hüttental (damals noch eigenständige Stadt, heute der Siegener Stadtteil Weidenau) im Kugelhagel stirbt. Durch die Kugel eines Täters.

Rückblick ins SZ-Archiv, vor fünf Jahrzehnten sorgte die „Blutnacht“ von München für Schlagzeilen und Bilder in allen Medien: Es ist Abend, eine schwül-heiße Sommernacht. Seit Stunden ist die Filiale der Deutschen Bank an der Prinzregentenstraße belagert. Polizisten, Scharfschützen und eben die Gaffer vor dem Restaurant „Käfer“ gegenüber. Das Ultimatum der beiden Bankräuber ist zwei Stunden zuvor abgelaufen. Ihre Forderung: zwei Millionen Mark, dazu freies Geleit.

Bankangestellter bringt Jutesack mit Lösegeld zum Fluchtauto

Es kommt Bewegung in die gespenstische Szene: Kurz vor Mitternacht treten der Kassierer der Bankfiliale und eine der fünf Geiseln aus der Tür der hell erleuchteten Filiale. Der Bankangestellte bringt einen Jutesack mit dem Lösegeld zum Fluchtauto. Mit dem blauen BMW wollen Hans Georg Rammelmayr und Dimitri Todorov mit ihrer Beute und den Geiseln fliehen.

"Das Leid war groß und Tagesgespräch,
eine unfassbare Tragödie."

Hartmut Steuber
gebürtiger Weidenauer

Doch dazu kommt es nicht. Der Kassierer kehrt zurück zur Bank, holt seine Kollegin Ingrid Reppel – verbundene Augen, gefesselt Hände – zum BMW. Sie wird auf dem Beifahrersitz platziert. Jetzt löst sich eine dritte Gestalt aus dem Schatten der Nacht. Rammelmayr hat sich eine knallrote Kapuze über den Kopf gezogen. Sie ähnelt den Masken des amerikanischen Ku-Klux-Klans. In der linken Hand hat der 31-Jährige eine russische Maschinenpistole aus dem Zweiten Weltkrieg. Er geht langsam zum Auto, nichts passiert, einige der Gaffer applaudieren.

Rammelmayr und Reppel sacken getroffen zusammen

Erst als Rammelmayr hinter dem Steuer sitzt, fällt der erste Schuss. Der Kugelhagel bricht los. Polizeiprojektile durchsieben das Auto. Auch Rammelmayr schießt. Er und Ingrid Reppel sacken getroffen zusammen. Münchens damaliger Bürgermeister Hans Steinkohl, von Beruf Chirurg, sprintet durchs Chaos zum Wagen, trägt die verletzte Geisel zum Notarztwagen. Rammelmayr stirbt noch auf der Prinzregentenstraße. Ingrid Reppel erliegt eine Stunde später im Krankenhaus ihren Verletzungen.

Die Weidenauerin Ingrid Reppel (rechts) war ein Opfer der „Blutnacht von München“.
  • Die Weidenauerin Ingrid Reppel (rechts) war ein Opfer der „Blutnacht von München“.
  • Foto: sz-Archiv
  • hochgeladen von Marc Thomas

Eine Woche später wird sie auf dem Haardter Friedhof beerdigt. Zunächst nehmen die Familie und der engste Freudenskreis bei einem stillen Begräbnis Abschied, später bekunden Hunderte ihr Beileid. „Ich kann mich noch genau an die Berichte in der SZ und im Radio erinnern; das Leid war groß und Tagesgespräch, eine unfassbare Tragödie“, so der Weidenauer Hartmut Steuber, der damals mit seiner Familie nur wenige Meter von Reppels Elternhaus an der Erzstraße lebte.

Reppel wechselt von Sparkasse zur Deutschen Bank

Die Reppels wohnen in einem kleinem Schieferhaus direkt an den Gleisen, über die die Züge in die Ferne rollen. Auch nach Süddeutschland. Dorthin will die 20-Jährige. Die gelernte Buchhalterin kündigt im Sommer ihren Job bei der Sparkasse Weidenau und wechselt zur Deutschen Bank. „Ich möchte mich gerne mal verändern, Urlaub von der Heimat machen“, sagt Ingrid Reppel ihren Freunden und Kollegen. Wenige Wochen später rauben ihr Hans Georg Rammelmayr und Dimitri Todorov das Leben.

Bis zu diesem 4. August 1971 kannte man Geiselnahmen bei Banküberfällen nur aus den USA. „Chikago in München“, titelte denn auch der Münchner Merkur. Wenige Tage zuvor kopieren erstmals Gangster im französischen Toulouse die „amerikanische Methode“ – die Polizei lässt sie mit ihrer Beute ziehen. Das haben Todorov und Rammelmayr, bis dahin zwei Kleinkriminelle, gehört und wollen nun auch „das große Ding“ drehen.

Die Weidenauerin Ingrid Reppel war ein Opfer der „Blutnacht von München“. Sie Starb beim ersten Banküberfall Deutschlands.
Die Weidenauerin Ingrid Reppel (rechts) war ein Opfer der „Blutnacht von München“.
Autor:

Christian Hoffmann (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

9 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen