Inklusion „über ein Brötchen“

 Ein ordentliches Schüler-Gewimmel herrschte gestern in der neuen Bistro-Zeit. Die Caféteria, die fortan von der Sozialwerk- St.-Georg-Tochter INTZeit-Arbeit betrieben wird, hält ein großes Speisen-Angebot bereit. Fotos: Holger Weber   INTZeit-Fachbereichsleiterin Dagmar Dittmar (l.) und Monika Zipro vom Pluspunkt „Kö“ bei St. Georg verteilten gestern an 600 Schüler gratis frische Waffeln.
  • Ein ordentliches Schüler-Gewimmel herrschte gestern in der neuen Bistro-Zeit. Die Caféteria, die fortan von der Sozialwerk- St.-Georg-Tochter INTZeit-Arbeit betrieben wird, hält ein großes Speisen-Angebot bereit. Fotos: Holger Weber INTZeit-Fachbereichsleiterin Dagmar Dittmar (l.) und Monika Zipro vom Pluspunkt „Kö“ bei St. Georg verteilten gestern an 600 Schüler gratis frische Waffeln.
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howe - Nun ja, es ist nur ein Schul-Bistro – könnte man sagen. Warum also der große Aufriss? Ganz einfach: Es ist das allererste Inklusionsprojekt dieser Art in Südwestfalen, wie Marc Brüggemann vom Sozialwerk St. Georg bei der Eröffnung der Caféteria des Städtischen Gymnasiums Bad Laasphe verriet. Erfahrung hat das Tochterunternehmen INTZeit-Arbeit schon länger auf der Bistro-Schiene. Das bekannte Bistro auf Schalke zum Beispiel ist ein Inklusionsbetrieb. Gleiches soll nun mitten in Bad Laasphe stattfinden.

Die Schüler jedenfalls konnten es gestern Morgen kaum erwarten, das riesige Waren- und Speisenangebot in Augenschein zu nehmen. Mit Gutschein in der Hand war die erste Station die kostenlose Waffel, die INTZeit-Fachbereichleiterin Dagmar Dittmar eigenhändig und in Akkord-Arbeit gebacken hatte. Puderzucker drauf, fertig. Die Rückmeldungen kamen prompt: tolles Angebot, leckerer Kartoffelsalat, schmackhafte Frikadellenbrötchen, große Süßigkeitentheke. Der Kaffee und der Kakao sind prima. Verkäuferherz, was willst du mehr? Ein halbes Jahr sei die Caféteria so gut wie geschlossen gewesen, erläuterte Lehrerin Katja Menzenbach im SZ-Gespräch. „Jetzt sind wir glücklich über den neuen Partner. Und für die Schüler wird das Inklusionsprojekt sicher bereichernd.“ Kunstlehrerin Bettina Warnecke erfreute sich besonders an der freundlichen Gestaltung der Bistro-Zeit, wie die Caféteria jetzt heißt. „Man kann jetzt schon schreiben, dass es angenommen wird“, sagte sie nach den ersten Minuten der offiziellen Eröffnung.

Inzwischen drängten sich die Massen an der Verkaufstheke. „Aber sehr diszipliniert und angenehm“, wie Dagmar Dittmar und ihre Kollegin Monika Zipro vom Pluspunkt „Kö“ vorne am Waffeleisen feststellten. Die bunten Früchte seien so schon aufgebaut. „Und was mir besonders gut gefällt, das sind die Pflanzen überall“, fand Bettina Warnecke. „Die haben das richtig hübsch angerichtet“, bemerkte eine Schülerin. Und schmecken tat es den Jungen und Mädchen des Städtischen Gymnasiums auch. Kartoffelsalat, Schnitzelbrötchen, ein Stück Kuchen oder Teilchen gefällig? Vielleicht ein Käsespießchen mit Weintraube oder ein Thunfischsalat? Die Auswahl in der Bistro-Zeit ist groß.

Und so atmete gestern am Stehtisch auch Marc Brüggemann auf: „Das ist ein spannendes Projekt. Das erste dieser Art in der Region.“ Und weil – ähnlich wie die beiden Dorfläden in Dotzlar und Berghausen – aus wirtschaftlicher Sicht Einnahmen generiert werden müssen, um den Betrieb auch halten zu können, warten Marc Brüggemann und Dagmar Dittmar nun in den kommenden Wochen einmal ab, wie die Rückmeldungen der Schüler so sind. „Sagt uns bitte, wenn etwas nicht so gut läuft, wenn etwas verbessert werden sollte oder wenn ihr zufrieden seid“, forderte Dagmar Dittmar die Schüler auf.

Der kommissarische Schulleiter Steffen Roth sah, dass in der Caféteria „super was los“ ist. Und die Idee der INTZeit, mit Gutscheinen die Kinder zu motivieren, mal vorbeizuschauen, sei auch gelungen. „Wir sind unheimlich froh“, formulierte Steffen Roth und erfuhr von den neuen Betreibern, dass in Zukunft das Speisenangebot auch mal variieren könnte. „Wir wollen Verköstigungen mit Joghurt oder unsere Currywurst anbieten“, so Dagmar Dittmar.

Die SZ erfuhr gestern auch, wer überhaupt die Idee hatte, das Sozialwerk St. Georg wegen der Caféteria anzusprechen. Beate Schäfer, Mutter eines Schülers aus Feudingen, hatte Tino Strackbein, Reginalleiter des Sozialwerks St. Georg Westfalen-Süd in Bad Laasphe, bei einem Elternsprechtag angesprochen. Und so kam die Sache ins Rollen, dass die Schule die ersten Gespräche führte. Welche Dimension die Bistro-Übernahme hat, das wurde auch deutlich. „Maximalziel für die Klienten ist, ins Berufsleben einzusteigen“, so Tino Strackbein. „Jede Beschäftigung bietet Chancen.“ Der Job von St. Georg sei, die Klienten zu motivieren, sie vorzubereiten, zu fördern und zu vermitteln. „Vielleicht gibt es ja Klienten, die gastro-affin sind.“

Insofern ist der Standort des Sozialwerks St. Georg in Bad Laasphe in das Bistro-Projekt mit eingebunden: Die Menschen mit Assistenzbedarf könnten im Verkauf helfen und am Betrieb der Caféteria teilnehmen. „Beschäftigung verbessert ihre psychische Situation“, kommentierte Tino Strackbein, der eine treffende Formulierung für das Projekt hatte: „Dass Schüler über ein Brötchen in Sichtkontakt mit Inklusion kommen, halte ich für sehr wichtig.“ Tino Strackbein sprach von einer Win-win-Situation. Die Schüler bekämen das reichhaltige Warenangebot. Und wenn die Mädchen und Jungen das Bistro betreten und etwas kauften, sei das für die Klienten positiv. Steffen Roth gab zu, dass die Schüler am Städtischen Gymnasium noch nicht die Erfahrung mit dem Thema Inklusion hätten. Insofern sei das ein spannendes Projekt.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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