Innovative Flugzeugentwicklung

Prof. Dr. Wilfried Becker und sein Team der Uni Siegen maßgebend beteiligt

Siegen. Flugzeugbau eines Tages in der heimischen Region? Eine solche Vision wird wohl eher ein Wunschtraum bleiben. Trotzdem könnte vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft die heimische Universität in einem Satz mit so bedeutenden Firmen-Namen wie EADS (ehemals Daimler Aerospace), SAAB Aerospace und BAe Systems sowie anderen europäischen Universitäten und Forschungseinrichtungen genannt werden. Wenn »das gemeinsame europäische Baby« des Forschungsprojektes innovative Flugzeugentwicklung mit Förderung der Europäischen Union, ein so genanntes Nur-Flügel-Flugzeug, tatsächlich eines Tages abheben sollte. Ein Großraumtransportflugzeug wie aus einem Guss mit einer Spannweite von rund 80 Metern und mit einem Gesamtgewicht von 370 Tonnen. Dieses Gewicht setzt sich aus 120 t Leergewicht, 135 t Treibstoff sowie einer Maximalzuladung von 113 t zusammen. »Also sicherlich kein Leichtgewicht, aber dafür mit einem Zuladungsgewicht, das fast dem Leergewicht entspricht, und somit wesentlich mehr Stauraum als der zukünftig eingesetzte Airbus 400M bietet, wo viele Ecken einfach ungenutzt bleiben müssen«, so jetzt Prof. Dr.-Ing. Wilfried Becker vom Institut für Mechanik und Regelungstechnik-Mechatronik des Fachbereichs Maschinentechnik zusammen mit Rektorin Prof. Dr. Theodora Hantos und Doktorand Dipl.-Ing. Heiko Engels in einem Pressegespräch. Darüber hinaus würden Gewichtsreduzierung und Treibstoffreduzierung im Flugzeugbau sowohl in Hinblick auf Kostenfaktoren als auch bezüglich ökologischer Gesichtspunkte zunehmend wichtiger, so der Wissenschaftler weiter.

Seine Arbeitsgruppe Strukturmechanik und -optimierung (insgesamt zehn Personen) ist seit drei Jahren im Rahmen des Forschungszentrums für Multidisziplinäre Analysen und Angewandte Systemoptimierung (FOMAAS) der Siegener Universität mit ihren mathematischen Berechnungen maßgebend beteiligt an einer völlig neuen Art der Flugzeug-Konzeption, nämlich mit Hilfe einer so genannten »Computational Design Engine« (CDE)-Software. Dabei handelt es sich um ein Computer-Programm, koordiniert von der englischen Universität Cranfield, und nutzbar gemacht mit Hilfe der vom holländischen National Aerospace Laboratory zur Verfügung gestellten Spine-Software.

Der Clou: Es erlaubt allen quer in Europa am Projekt Beteiligten, sich über das Internet direkt Informationen über den neuesten Forschungsstand der anderen zu beschaffen, ohne dafür lange Reisezeiten in Kauf nehmen zu müssen. Denn jeder der beteiligten Wissenschaftler weiß, verändert sich auch nur eine Koordinate, so kann dieses u.U. die Gesamtkonstruktion eines Flugzeugs in Frage stellen. Deshalb ist ein permanenter Austausch unerlässlich. Konstruktion, Leichtbau, Regelungstechnik, Modellbau, Berechnung, Aerodynamik und Aeroelastik müssen Hand in Hand gehen. Mit Hilfe der CDE-Software sind sämtliche der genannten Bereiche des multi-nationalen Gesamtteams mit einanderverbunden. Die EU als Auftraggeber fördert diese neue Form der wissenschaftlichen Vernetzung der in Europa ansässigen Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit rund 3 Mill. e.

Auf diese Weise soll dem am Weltmarkt steigenden Konkurrenz- und Kostendruck sowie dem zunehmenden Techniktransfer nach Südamerika und Asien im Bereich der europäischen Luft- und Raumfahrt entgegengewirkt werden.

Anlässlich des bevorstehenden Projektabschlusses (der Nurflügler ist mittlerweile weitestgehend zu Ende konzipiert, als reales Flugmodell gebaut worden und hat eine Reihe von Probeflügen erfolgreich absolviert) findet am 18. Dezember ein »Optimisation Workshop« im Senatsaal der heimischen Universität statt. Er dient dem Wissenstransfer der im Laufe des Projekts gewonnenen Erkenntnisse an interessierte Wissenschaftler und Ingenieure. Dabei gilt ein Hauptaugenmerk der CDE-Software. Sie könnte schon bald auch von heimischen Unternehmen genutzt werden, bei denen Entwicklung und Forschung sich nicht mehr am selben Standort befinden.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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