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Das lange unerforschte Leiden
Interview mit Dr. Till Walter zu „Long Covid“

Erschöpfung, Gedächtnisstörung, Luftnot, Brustschmerzen, aber auch Kreislaufschwäche und Schlafstörungen: Auch wer die Corona-Infektion überwunden hat und als genesen gilt, ist nicht automatisch gesund. Die SZ sprach mit Dr. Till Walter über gesundheitliche Spätfolgen einer Corona-Infektion.
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  • Erschöpfung, Gedächtnisstörung, Luftnot, Brustschmerzen, aber auch Kreislaufschwäche und Schlafstörungen: Auch wer die Corona-Infektion überwunden hat und als genesen gilt, ist nicht automatisch gesund. Die SZ sprach mit Dr. Till Walter über gesundheitliche Spätfolgen einer Corona-Infektion.
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  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

sabe Siegen. Erschöpfung, Gedächtnisstörung, Luftnot, Brustschmerzen, aber auch Kreislaufschwäche und Schlafstörungen: Auch wer die Corona-Infektion überwunden hat und als genesen gilt, ist nicht automatisch gesund. Man kann dauerhaft leiden an den Langzeitfolgen. Dr. Till Walter, Ärztlicher Direktor bzw. Leiter des Rehazentrums der Mariengesellschaft sowie Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Sportmedizin und Ernährungsmedizin, geht davon aus, dass „Long Covid“ die Gesellschaft auch lange nach überstandener Pandemie noch beschäftigen und die Konzepte der Rehakliniken verändern wird.
Forschung ganz am AnfangHerr Walter, wird uns „Long Covid“ noch beschäftigen, wenn die Pandemie bereits überstanden ist?
> Ja, da bin ich mir sehr sicher.
Inwiefern?
>

sabe Siegen. Erschöpfung, Gedächtnisstörung, Luftnot, Brustschmerzen, aber auch Kreislaufschwäche und Schlafstörungen: Auch wer die Corona-Infektion überwunden hat und als genesen gilt, ist nicht automatisch gesund. Man kann dauerhaft leiden an den Langzeitfolgen. Dr. Till Walter, Ärztlicher Direktor bzw. Leiter des Rehazentrums der Mariengesellschaft sowie Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Sportmedizin und Ernährungsmedizin, geht davon aus, dass „Long Covid“ die Gesellschaft auch lange nach überstandener Pandemie noch beschäftigen und die Konzepte der Rehakliniken verändern wird.

Forschung ganz am Anfang

Herr Walter, wird uns „Long Covid“ noch beschäftigen, wenn die Pandemie bereits überstanden ist?
> Ja, da bin ich mir sehr sicher.
Inwiefern?
> „Long Covid“, das sagt ja schon der Name, muss über einen längeren Zeitraum betrachtet werden, und natürlich stehen wir nach einem Jahr Pandemie mit der Forschung erst am Anfang. Aber erste Studien sprechen bereits davon, dass 10 bis 15 Prozent der Erkrankten noch Wochen oder Monate mit den Folgen von Corona zu kämpfen haben. Bei Corona-Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden mussten, geht es sogar um rund 60 Prozent.
Wie gefährlich ist „Long Covid“?
> Wie gefährlich ist ein Autounfall? Darauf kann man keine einheitliche Antwort geben.
Weil der Pool an Symptomen bei dieser Krankheit so groß ist?
> Ja. Und generell ist es auch so, dass wir jeden Tag dazulernen. Man kann aber sicherlich sagen, dass das Spektrum, das wir beobachten, bisher von Atemwegserkrankungen – das kann Luftnot und Kurzatmigkeit sein – bis hin zu Sinusthrombosen und Schlaganfällen reicht. Manche haben Probleme mit dem Geruchssinn, es wird von Depressionssymptomen und Antriebsstörungen berichtet. Also etwas, das den ganzen Körper, den ganzen Menschen betreffen kann. Wie bei einer akuten Covid-Infektion auch. Covid, das wissen wir ja bereits, ist nicht nur ein Infekt der Atemwege, sondern eine Multisystemerkrankung, die letztlich ganz unterschiedliche Organsysteme treffen kann. Und so ist es auch mit den Folgekomplikationen.

Sinusvenenthrombosen als Folge der Erkrankung

Sinusvenenthrombosen machen doch gerade im Zusammenhang mit einem Impfstoff viele Schlagzeilen.
> Viele wissen gar nicht, dass das Coronavirus und eben auch „Long Covid“ zu Sinusvenenthrombosen führen können. Was insofern schade ist, weil sich viele jetzt aus Angst vor einer solchen Thrombose nicht impfen lassen. Und genau die als Komplikation auch aus der Erkrankung mit dem Virus hervorgehen kann.

Gesund leben!
Dr. Till Walter
zur Frage, ob man „Long Covid“ entgegenwirken, also präventiv etwas machen kann

Ist ein leichter Verlauf einer vormaligen Covid-Infektion ein Garant für weniger Spätfolgen?
> Bei unterschiedlich schweren Verläufen gibt es, wie schon gesagt, unterschiedlich hohe Wahrscheinlichkeiten mit Spätfolgen zu tun zu haben. Von Menschen, die intensivmedizinisch behandelt werden mussten, hat ein großer Teil auch nach mehreren Monaten noch Beschwerden. Trotzdem gibt es durchaus auch Folgekomplikationen bei denjenigen, die einen sogenannten leichten Verlauf hatten, die also gar nicht so krank waren. Das ist schon sehr überraschend.
Kann man selbst „Long Covid“ entgegenwirken, also präventiv etwas machen?
> Gesund leben. Die Corona-Verläufe werden ja auch durch mehrere Faktoren beeinflusst. Das Lebensalter ist natürlich kein beeinflussbarer Faktor. Aber an allen anderen Dingen kann man etwas machen. Mit regelmäßiger Bewegung oder Ausdaueraktivitäten zum Beispiel. Ein guter Trainingszustand hilft dem Körper bei ganz vielen Krankheiten, besser zurechtzukommen.
Aber auch wenn man nicht zur Risikogruppe gehört, jung und sportlich ist, kann es einen treffen?
> Ja, klares Ja.

Drei Dutzend Patienten in Betreuung

Und wie viele „Long-Covid“-Patienten behandeln Sie in welchem Alter?
> Ich habe sie nicht durchgezählt, aber ich schätze, dass wir in ambulanter Betreuung etwa drei Dutzend haben. Und in dem Reha-Zentrum ist ein reges Kommen und Gehen. Da haben wir jetzt aktuell viele, die es kürzlich durchgemacht haben. Ich würde sagen, immer zwei oder drei pro Woche, mittleres Alter.
Richten sich die Fälle nach dem Verlauf der Pandemie?
> Ja. Das ist immer mit Zeitverzug zu der jeweiligen Welle zu sehen. Dann haben wir immer vermehrte Fälle. Dieses Phänomen von Spätfolgen ist aber nicht gänzlich neu. Generell ist es so, dass wir von schweren Virusinfektionen, auch abseits von Corona, ähnliche Bilder kennen.
Wenn ich merke, es stimmt etwas nicht, dann ist der sinnvolle Weg immer, das ärztlich abklären zu lassen. Bei Müdigkeit oder Abgeschlagenheit z. B. kann auch ein einfacher Eisenmangel schuld sein. Das sollte man mit seinem Arzt besprechen.
Kann man die Krankheit eigentlich rückgängig machen?
> Ich kann aus meiner Erfahrung sagen, dass es sich im Verlauf bessert. Man kann durchaus etwas tun. Eine deutliche Verbesserung bei drei Wochen Reha haben wir bei den allermeisten. Zwei Drittel würde ich sagen. Gerade in den Reha-Kliniken in Deutschland gibt es schon jetzt einige Konzepte, mit denen wir Betroffenen sehr gut weiterhelfen können. Die Strukturen sind durchaus eingeübt und etabliert.

Erschöpfung, Gedächtnisstörung, Luftnot, Brustschmerzen, aber auch Kreislaufschwäche und Schlafstörungen: Auch wer die Corona-Infektion überwunden hat und als genesen gilt, ist nicht automatisch gesund. Die SZ sprach mit Dr. Till Walter über gesundheitliche Spätfolgen einer Corona-Infektion.
Die SZ sprach mit Dr. Till Walter über gesundheitliche Spätfolgen einer Corona-Infektion.
Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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