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Ein regionaler Glücks-Reiseführer zeigt Siegens überraschende Schätze.
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sabe Siegen. Sabine Ullrich gehört selbst zu den Menschen, die nach dem Studium erstmal „mit wehenden Fahnen“ wegwollten. Chemnitz, Leipzig, Dresden – die studierte Sozialpädagogin hat die eine und die andere Stadt bewohnt, schlussendlich aber führte sie ihr Wille wieder zurück nach Siegen. Und zwar ganz freiwillig. Auch, wenn das ihr Umfeld damals nur schwerlich glauben wollte. Den schrulligen Satz von Freunden und Bekannten hat sie immer noch im Ohr, muss aber heute herzlich darüber lachen: „Wie könnt ihr denn nach Siegen ziehen?!“

Sabine Ullrich fallen mindestens 166 gute Gründe ein. Und über die hat sie gemeinsam mit Susanne Propach geschrieben.

sabe Siegen. Sabine Ullrich gehört selbst zu den Menschen, die nach dem Studium erstmal „mit wehenden Fahnen“ wegwollten. Chemnitz, Leipzig, Dresden – die studierte Sozialpädagogin hat die eine und die andere Stadt bewohnt, schlussendlich aber führte sie ihr Wille wieder zurück nach Siegen. Und zwar ganz freiwillig. Auch, wenn das ihr Umfeld damals nur schwerlich glauben wollte. Den schrulligen Satz von Freunden und Bekannten hat sie immer noch im Ohr, muss aber heute herzlich darüber lachen: „Wie könnt ihr denn nach Siegen ziehen?!“

Sabine Ullrich fallen mindestens 166 gute Gründe ein. Und über die hat sie gemeinsam mit Susanne Propach geschrieben. „Glücksorte in und um Siegen“ heißt ihr jüngst erschienener Reiseführer durch die Region, der auf seinen bunten Seiten eine Stadt im Wandel zeigt, ohne dabei ihr Fundament zu vergessen. Es gibt, ganz klassisch, den „Sunset unterm Krönchen“ oder die Empfehlung auf ein „Rendevouz mit Rubens“ im Siegerlandmuseum – aber auch ganz überraschend ein Yogahaus am Wald in Eiserfeld, einen Gelegenheitstöpferladen in Wilnsdorf oder Impressionen des Backtages im Niederdorfer Backes. Nur eines gibt es nicht: gewöhnliche Perspektiven.

Weniger bekannte Orte wichtig

„Uns waren auch gerade die weniger bekannten Orte wichtig“, sagt Ullrich, während sie ganz passend auf dem Parkdeck in der Oberstadt, direkt hinter der „9bar“, steht. Dieser Ort gehört zu einem ihrer persönlichen Glücksorte, der, so sagt sie, ganz unverhofft einen warmen Dopaminschub anregen könne. Für die 60 Cent Parkgebühr bekomme man schließlich gleich ein wunderbares Panorama mitgeliefert.

„Von hier öffnet sich der weite Blick auf das städtische Leben, die Architektur, auf Plätze und Straßen…“ Und überhaupt: „In welcher Großstadt außer Siegen kann man sein Auto denn für Cent-Beträge parken?“

Keine Frage, Ullrich und Propach haben den Blick fürs Detail. Geschärft habe sich der aber erst nach ihrer Wiederkehr. „Ich denke, man muss einmal losgezogen sein, um einen Blick für die überraschenden Schätze des Siegerlandes zu bekommen.“ Und auch danach, glaubt sie, müsse man sich in der eigenen Stadt, der eigenen Region, weiterhin aufmachen, um die Endorphine nicht einschlafen zu lassen. Das Glück, sagt sie, warte schließlich an (fast) jeder Ecke. Ein Auszug.

Im von Siegen rund 30 Minuten entfernten Rothaargebirge liegen die beiden Quellen des Lahn-Nebenflusses Ilse.
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Heilige Durstlöscherin: Die Ilsequelle bei Heiligenborn
Der Puls wird langsamer, wenn Ruhesuchende kurz vor dem Ziel den seichten Ilse-Bachlauf barfuß durchqueren und spüren können, dass dies ein Ort mit besonderer Geschichte ist. Im von Siegen rund 30 Minuten entfernten Rothaargebirge liegen die beiden Quellen des Lahn-Nebenflusses Ilse. Sie befinden sich nahe dem Ort mit dem vielversprechenden Namen Heiligenborn. Im Mittelalter war die untere Quelle der Ilse als „Heilige Ilsequelle“ bekannt und zählte zu den meistbesuchten Heilquellen Mitteleuropas. Kranke pilgerten dorthin, denn das Trinken des rechtsdrehenden Quellwassers versprach Heilung von Rheuma und Gicht. Auch heute noch dürfen alle mitgebrachten Flaschen mit dem kristallklaren Quellwasser befüllt und getrunken werden. Wer weiß schon, welch wundersame Wirkung dieses Wasser im Körper entfaltet?

Viele der ganz alten Rosensorten waren über die Jahrhunderte in Vergessenheit geraten.
  • Viele der ganz alten Rosensorten waren über die Jahrhunderte in Vergessenheit geraten.
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Duftende Raritäten: Der Rosengarten Alter Friedhof in Erndtebrück
Viele der ganz alten Sorten waren über die Jahrhunderte in Vergessenheit geraten. Aber Antje Laues-Oltersdorf und Renate Ludwig-Bernshausen lassen die geschichtsträchtigen Rosen auf dem Alten Friedhof in Erndtebrück wieder blühen. Dazu bekamen die beiden Rosensammlerinnen Pflanzenspenden aus ganz Deutschland. Heute verströmen fast 400 historische Rosen, darunter einige Wildrosen, in den Hauptblütemonaten Juni und Juli ihren intensiven Duft.

Urlauber der Ferienwohnung auf dem Hof Erlenbruch lieben den Blick in diese großen, friedvollen Augen von den Alpakas.
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Vis-à-vis von Alpakas wohnen: Der Hof Erlenbruch in Friesenhagen
Urlauber der Ferienwohnung auf dem Hof Erlenbruch lieben den Blick in diese großen, friedvollen Augen: An den 30 Alpakas, die auf der Weide des Landidylls genüsslich grasen, können sich viele nicht satt sehen. Die Alpakawanderung, die Besitzer Benedikt Knappenstein anbietet, sind meist über Monate ausgebucht. Kein Wunder: Alpakas sollen ja bekanntlich eines der besten Mittel gegen Alltagsstress sein.

Seit Herbst 2019 heißt es an vier bekannten Straßenkreuzungen in Siegens Innenstadt: „Bei Henner gehen, bei Frieder stehen.“
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Ein kurzer Glücksmoment: Die Siegener Ampelmännchen
Seit Herbst 2019 heißt es an vier bekannten Straßenkreuzungen in Siegens Innenstadt: „Bei Henner gehen, bei Frieder stehen.“ So regeln die beiden Herren nicht nur in guter Tradition die Fußgängerströme, indem sie den Weg leuchten – sondern schaffen gleichzeitig Atmosphäre, erinnern an Siegens industrielle Vergangenheit. Der Blick fürs Detail lohnt sich also – vor allem fürs Dopamin.

Seit Sommer 2020 schmiegt sich ein neues architektonisches Highlight an den Hang zwischen Obergraben und Grabenstraße. Die Mensa mit Cafeteria, Lounge und Bistro am Campus Unteres Schloss.
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Nicht nur für Studenten: Uniluft schnuppern
Seit Sommer 2020 schmiegt sich ein neues architektonisches Highlight an den Hang zwischen Obergraben und Grabenstraße. Die Mensa mit Cafeteria, Lounge und Bistro am Campus Unteres Schloss. Ein unter Denkmalschutz stehendes Stück der historischen Stadtmauer aus Bruchsteinen ist der besondere Blickfang dieses vierstöckigen Gebäudes. Die Stadtmauer nimmt dabei eine Doppelfunktion ein, ist gleichzeitig Außen- und Innenwand. Ein architektonisches Kunstwerk, das auf „alt“ und „neu“ gleichermaßen baut. Sehenswert – nicht nur für Studenten.

Für so viel Geschichte lohnt sich der Aufstieg auf jeden Fall: In Siegens Altstadt erinnern die Namen der Gassen an die Handwerkszünfte.
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Zwischen Schieferfassaden: Rundgang durch die Siegener Altstadt
Für so viel Geschichte lohnt sich der Aufstieg auf jeden Fall: In Siegens Altstadt erinnern die Namen der Gassen an die Handwerkszünfte, die hier im Mittelalter beheimatet waren: Schlossergasse, Metzgerstraße, Löhrstraße. Hier, im Herzen der Oberstadt, liegt nicht nur die fast 400 Jahre alte Altstadtschänke (perfekt für ein zünftiges Bier!), sondern ein noch älteres Haus mit der Nummer 37. Auf der Fassade findet sich eine Aufschrift in Siegener Dialekt, die besagt, dass hier Peter Paul Rubens „dem Hörensagen“ nach im Jahr 1577 auf die Welt kam.

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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