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Panzer pflügt Trupbacher Heide (mit Video)
Jetzt sollen Tiere und Pflanzen übernehmen

Der Panzer-Einsatz auf der Trupbacher Heide ist der zweite dieser Art.
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js Alchen/Trupbach. Der Regen hängt an Bindfäden. Grau ist der wolkenverhangene Himmel. Tristesse macht sich breit über der Trupbacher Heide. Ein wahrer Trübe-Tassen-Tag. Oder, wie Bernd Thomas sagt: „Wir haben ideales Wetter!“ Für den Kreuztaler Tiefbauunternehmer steht an diesem Mittwoch etwas Besonderes an. Heute durfte er ein besonderes Schätzchen aus der Garage holen, ihm ein wenig Auslauf gönnen. Das Kettenfahrzeug, das einmal ein echter Panzer war und seit seiner fachmännischen Demilitarisierung ein zahnloser „Leopard“ ist, braust lautstark über Stock und Stein – ein brachiales Austoben, für das die Natur noch dankbar sein wird.

js Alchen/Trupbach. Der Regen hängt an Bindfäden. Grau ist der wolkenverhangene Himmel. Tristesse macht sich breit über der Trupbacher Heide. Ein wahrer Trübe-Tassen-Tag. Oder, wie Bernd Thomas sagt: „Wir haben ideales Wetter!“ Für den Kreuztaler Tiefbauunternehmer steht an diesem Mittwoch etwas Besonderes an. Heute durfte er ein besonderes Schätzchen aus der Garage holen, ihm ein wenig Auslauf gönnen. Das Kettenfahrzeug, das einmal ein echter Panzer war und seit seiner fachmännischen Demilitarisierung ein zahnloser „Leopard“ ist, braust lautstark über Stock und Stein – ein brachiales Austoben, für das die Natur noch dankbar sein wird.

Pflanzen und Tiere übernehmen

Zum zweiten Mal schon ist das 30 Tonnen schwere 830-PS-Fahrzeug in dieser Mission auf der Heide unterwegs, pflügt durch Wiesen und Gestrüpp, reißt die Vegetationsnarbe auf und lässt Matsch und Wasser aufspritzen. Die aufsehenerregende Premiere 2014 war überzeugend: Damals hatte Bernd Thomas mit seinem Panzerfahrgestell bereits ganze Arbeit geleistet. Teile der Offenlandschaft im Naturschutzgebiet sahen ausgesprochen wüst aus nach dem „Leoparden“-Tanz. Nur wenige Wochen danach übernahmen Flora und Fauna die Gestaltung. Die Mischung aus Verletzung und Verdichtung hat gewirkt.

Untergrund der Heide verdichten

„Aktive Übungsplätze sind die wertvollsten Flächen, die wir in Deutschland haben“, erklärt Jonathan Wende vom Bundesforstbetrieb. Die von Panzerketten immer wieder aufgerissenen Böden seien ideal für bestimmte Pflanzen- und Tierarten. Genau das habe über Jahrzehnte auch die Trupbacher Heide geprägt, die früher Wald war, von 1936 bis 2004 jedoch militärisch genutzt wurde. Unter schwerem Gerät wurden dem Boden Nährstoffe entzogen, der Untergrund wurde verdichtet: ein Paradies für Pionierarten. Genau das gilt es weiter zu erhalten, sind sich Bundesförster, Umweltbehörden und NRW-Stiftung einig – letztere ist seit 2016 Eigentümerin des „Nationalen Kulturerbes“ Trupbacher Heide. Ohne rabiates Eingreifen würden die Sträucher nach und nach verholzen, das Offenland würde wieder mit Wald zuwuchern. Ein ganzes Paket an Maßnahmen soll das in bestimmten Bereichen der Heide verhindern; an anderer Stelle darf sich „Urwald“ bilden.
Der Einsatz des kraftvollen „Panzerpflugs“ gehört zu den spektakulären Aktionen für den Naturschutz. Nicht nur, weil das Arbeitsgerät aufwendig von Kreuztal zur Heide und zurück geschafft werden musste und sein Toben weithin hörbar war – sondern auch, weil seine Hinterlassenschaften zunächst brutal wirken.

Bagger teurer als Panzer

Mit anderen Mitteln und Maschinen wäre der Effekt übrigens weitaus teurer geworden. „Wir bezahlen praktisch nur die Betriebskosten“, erklärt Thomas Härtel von der NRW-Stiftung. Diese lägen im unteren vierstelligen Eurobereich. Mit Baggern sei das nicht so günstig zu haben. Die seien wegen ihrer nicht gefederten Ketten nicht so effektiv wie der „Leopard“ – und erst recht nicht so schnell: Bis zu 65 km/h kann der in der Spitze erreichen, beim Heideeinsatz bleibt er sicherheitshalber weit von solchen Sprints entfernt.
Bernd Thomas ist mit seinem Panzergestell auch überregional im Einsatz. Der Gedanke, es mit einer Hebebühne auszustatten und als Arbeitsgerät zu nutzen, ließ sich nicht realisieren. Dass der „Leo“ dennoch schuften kann, stellt er an diesem Mittwoch fraglos unter Beweis. Für die Wartung der „Raubkatze“ sorgt Thomas übrigens selbst. „Deshalb fährt er ja auch!“

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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