Jugendliche Vorleser

Die älteren Damen hören Antonia (M.) aufmerksam zu. Foto: Schleifenbaum

sahe Siegen. „Mit einem so hohen Tier hätte ich ja nicht gerechnet“, sagt die ältere Dame am Tisch. Damit beschreibt sie den Bürgermeister Steffen Mues, der sich zu der Vorleserunde gesellt hat. Er möchte sich selbst ein Bild von dem Projekt „Bücher schlagen Brücken“ machen, das in den Städten Siegen und Bielefeld als Modell angelaufen ist. Verantwortlich für die Idee und Ausführung ist die Stiftung Lesen, die vom Ministerium für Generationen, Familien, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützt wird.

Aber nicht nur der Siegener Bürgermeister nimmt sich die Zeit. Normalerweise besteht eine Vorleserunde aus fünf bis acht Personen. Doch dieses Mal sind es deutlich mehr. Denn neben dem Bürgermeister ist auch die Seniorenbeauftragte Astrid Schneider, der Heimleiter Rolf Jung und Thomas Schleifenbaum (sozialer Dienst) sowie Sigrid Strecker (Stiftung Lesen), vor Ort. Sie alle wollen sehen, ob die Idee angenommen wird.

Als Vorleser agieren die Jugendlichen Markus Zilian und Inga Kühn (beide 7. Klasse der Winchenbach-Schule) sowie Antonia Christ (8. Klasse der Rudolf-Steiner-Schule). Sie sind drei von fast 50 Schülern der Rudolf-Steiner-Schule, der Winchenbach-Schule und des Peter-Paul-Gymnasiums, die sich an diesem Modellprojekt beteiligen. Die Jugendlichen sollen durch die Literatur und das Vorlesen mit der älteren Generation leichter ins Gespräch kommen. Kurze Texte wie Märchen, Gedichte, Lieder und Kurzgeschichten eigenen sich dabei hervorragend, um ein Gesprächsthema vorzugeben.

Vor ihrem „ersten Einsatz“ sind die Schüler speziell trainiert worden, da es viele Kleinigkeiten gibt, auf die man beim Vorlesen achten muss. Es geht um ein aufmerksames Zuhören, ein Erinnern, den Austausch von Meinungen und Erlebnissen. Wie war es damals, wie ist es heute? Es soll jedoch keine trockene Besprechung werden, sondern „es geht an erster Stelle um Spaß“, wie der Leiter des Christofferhauses, Rolf Jung, betont. Die Vorleserunde beweist das.

Antonia liest aus dem Buch „Lurchi“ vor. Lurchi ist die Werbefigur einer großen Schuhmarke, die früher sehr bekannt war. Somit beginnt das Gespräch mit dem Thema Schuhe. Welche Schuhe gab es damals? Waren diese teuer? Muss man auch heute noch die Schuhe der Geschwister tragen? Daraus entwickeln sich weitere Gesprächsthemen, es geht um Taschen aus Krokodilsleder, den Mondkalender, Tierschutz, den Krieg und seine Folgen, persönliche Wünsche, das Arbeiten, Schlittenfahrten, den Imperialismus und dieVeränderung der geografischen Strukturen. Als Antonia die Bewohner fragt, was sie sich wünschen, sind sie sich einig. Sie sind zufrieden mit ihrer Situation und der Betreuung. Es geht ihnen gut.„Bücher schlagen Brücken“ überrascht positiv. Denn es handelt sich hierbei nicht nur um ein reines Vorlesen, sondern es findet ein aktiver Gedankenaustausch zwischen Alt und Jung statt. Beide Seiten können noch viel voneinander lernen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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