SZ

Soldaten berichten von ihrem Einsatz in der Corona-Zeit
Kampf gegen den Feind im Inland

74 Soldaten haben seit November 2020 den Landkreis bei der Bewältigung der Corona-Pandemie unterstützt. Ein Teil von ihnen wurde jetzt von Landrat Andreas Müller empfangen, der sich dankbar zeigte für die Hilfe. Mit einem Soldaten und einer Soldatin blickte die SZ zurück auf die vergangenen Monate.
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  • 74 Soldaten haben seit November 2020 den Landkreis bei der Bewältigung der Corona-Pandemie unterstützt. Ein Teil von ihnen wurde jetzt von Landrat Andreas Müller empfangen, der sich dankbar zeigte für die Hilfe. Mit einem Soldaten und einer Soldatin blickte die SZ zurück auf die vergangenen Monate.
  • Foto: Kreis
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

sabe Siegen/Erndtebrück. Ein bisschen sei es gewesen wie der erste Arbeitstag, sagt Hauptfeldwebel Sandra Postel. Neue Kollegen, der PC-Zugang, der Arbeitsplatz. Plötzlich war die Soldatin aus Nürnberg Teil einer Bürogemeinschaft: sie in Camouflage, die anderen in Chino-Hosen.
Kurz vor dem Wochenende, einem Freitag im Spätherbst, hatte sie die Nachricht bekommen, am Montag saß sie im Gesundheitsamt. Das hatte Unterstützung bei der Bundeswehr angefordert. In vielen Regionen, so auch in Siegen-Wittgenstein, stießen die Gesundheitsämter während dieser schlimmen Pandemie-Phase an ihre Grenzen.
Einsatz vorerst beendetVor allem die Nachverfolgung von Infektionsketten ist teuer und personalintensiv, erfolgt dazu in Deutschland oft noch weitgehend analog.

sabe Siegen/Erndtebrück. Ein bisschen sei es gewesen wie der erste Arbeitstag, sagt Hauptfeldwebel Sandra Postel. Neue Kollegen, der PC-Zugang, der Arbeitsplatz. Plötzlich war die Soldatin aus Nürnberg Teil einer Bürogemeinschaft: sie in Camouflage, die anderen in Chino-Hosen.
Kurz vor dem Wochenende, einem Freitag im Spätherbst, hatte sie die Nachricht bekommen, am Montag saß sie im Gesundheitsamt. Das hatte Unterstützung bei der Bundeswehr angefordert. In vielen Regionen, so auch in Siegen-Wittgenstein, stießen die Gesundheitsämter während dieser schlimmen Pandemie-Phase an ihre Grenzen.

Einsatz vorerst beendet

Vor allem die Nachverfolgung von Infektionsketten ist teuer und personalintensiv, erfolgt dazu in Deutschland oft noch weitgehend analog. „Wir wurden dann erst einmal in Schichten eingeteilt“, erinnert sich Postel an die Anfänge. „Bis dato hatten die Menschen im Gesundheitsamt einfach gearbeitet, bis ihnen die Augen zufielen.“ Das war im November. Geblieben ist sie bis Anfang Juli. Seitdem ist der Einsatz der insgesamt 74 Soldaten im Kreis vorerst beendet. Die Lage hat sich entspannt, dem Feind im Inland, diesem Virus, ist man mit vereinten Kräften beigekommen.

66 Soldaten und Soldatinnen aus Erndtebrück

Fürs Erste. „Ohne die schnelle und unkomplizierte Hilfe der Bundeswehr“, sagt Dr. Christoph Grabe, Leiter des Gesundheitsamtes in der Rückschau, „hätten wir die großen Fallzahlen zu Zeiten der höchsten Inzidenzen nicht bewältigen können.“ Insgesamt 66 Soldaten und Soldatinnen stellte dabei der Einsatzführungsbereich 2 vom Luftwaffenstandort in Erndtebrück.
Auch Stabsfeldwebel Steffen Dörr war Teil der Bundeswehrbrigade, kümmerte sich um die PCR-Test-Terminvergabe der Menschen, die Kollegen, wie etwa Sandra Postel, vorher in Quarantäne gesetzt hatten. Heute ist für die beiden Soldaten wieder so etwas wie Alltag, das heißt Luftraumüberwachung, angesagt. „Jetzt müssen wir uns hier erst einmal wieder einarbeiten“, scherzt Postel, für die die Unterstützung beim Kreis nicht der erste Inlandsdienst gewesen ist. Sie kennt die Amtshilfe, 2015 unterstützte sie bei der Registrierung und Unterbringung von Flüchtlingen.

Aufgaben von Militär und Polizei strikt getrennt

Tatsächlich aber sind derartige Einsätze der Bundeswehr delikat. Die Aufgaben von Militär und Polizei sind in Deutschland nach den historischen Erfahrungen der Nazi-Diktatur strikt getrennt. Die Bundeswehr ist grundsätzlich für die Verteidigung des Landes nach außen da, die Polizei ist für die Sicherheit im Inland zuständig. Zwei Ausnahmen lässt die deutsche Verfassung zu: Die „Katastrophenhilfe“ und den „Inneren Notstand“. Viele Juristen interpretieren die Corona-Pandemie als Naturkatastrophe, ähnlich wie die jüngsten Überschwemmungen in vielen Teilen Westdeutschlands. „Jede Krise ist anders. Planen kann man immer schlecht. Aber darauf sind wir vorbereitet“, sagt Steffen Dörr.

Überbringer schlechter Nachrichten

In ihrem Beruf, sagen die beiden, müsse man immer flexibel reagieren, „in der Lage leben lernen“, so das angewandte Soldatenmotto, das sicherlich geholfen habe, mit der Pandemie-Lage umzugehen, mit den Emotionen der Menschen. Denn der Bürojob auf Zeit verlangte auch viel Feinfühligkeit, schließlich war man oft Überbringer unliebsamer Nachrichten. Ein positives Testergebnis, lange Quarantänezeiten. Natürlich, sagt Steffen Dörr, habe es da auch Momente gegeben, in denen man Menschen sein Ohr lieh. Einer Frau, die aufgrund der Quarantäne ihren Mann im Krankenhaus nicht besuchen konnte, zum Beispiel – die Liste ist lang.
Für Dörr, der von sich selbst sagt, dass er „eigentlich nicht so der Telefonmensch“ ist, eine Umstellung. „Wie melde ich mich am Telefon? Sage ich meinen Dienstgrad?“ Das seien sicherlich am Anfang banale Fragen gewesen, aber man habe sie sich ja doch stellen müssen. „Man kann ja nicht bei jedem gleich mit der Tür ins Haus fallen.“

"Die Hoffnung stirbt zuletzt"

Aber mit der Zeit, sagen die beiden, wurde alles routinierter, das Umfeld, darunter Hilfskräfte aus aller Herren Ämter, wuchs und funktionierte schließlich zusammen. Steffen Dörr sagt, dass er froh sei über den kleinen Beitrag, den er leisten konnte, um „das Ding in den Griff zu bekommen“. Ob die Lage hält? „Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass die PC-Zugänge nicht mehr gebraucht werden.“

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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