Kampf gegen den großen Betrug

 Mit dem VW-Abgasskandal begann ein Imperium zu wackeln. Der Konzern gab den Betrug zu und muss nun für Ersatz sorgen. Eine Praxis, die Rechtsanwälten, aber auch dem Bundesverband freier Mehrmarkenwerkstätten nicht ausreicht. Sie rufen zur Sammelklage auf. Foto: Archiv
  • Mit dem VW-Abgasskandal begann ein Imperium zu wackeln. Der Konzern gab den Betrug zu und muss nun für Ersatz sorgen. Eine Praxis, die Rechtsanwälten, aber auch dem Bundesverband freier Mehrmarkenwerkstätten nicht ausreicht. Sie rufen zur Sammelklage auf. Foto: Archiv
  • hochgeladen von Archiv-Artikel Siegener Zeitung

tika - Detlev Moszicke hat die Nase voll. Vor dem Gang nach Canossa kann der Autohändler aus Aue seine Kunden nicht bewahren. Er will sie allerdings davor bewahren, dass sie am Ende im Regen stehen – alleine. Der Abgasskandal im Volkswagen-Konzern ist noch längst nicht ausgestanden. Bis das ganze Ausmaß klar ist, vergehen noch Monate, vielleicht sogar Jahre. Doch Detlev Moszicke will nicht tatenlos zusehen – in seiner Funktion als Vorsitzender des Bundesverbandes freier Mehrmarkenwerkstätten (BVFMW) empfiehlt er sämtlichen Kunden, sich einer Sammelklage gegen den Volkswagen-Konzern anzuschließen. „Der VW-Konzern hat zugegeben, dass er betrogen hat. Und dies in großem Stil. Dies ist etwas, das in Deutschland strafbar ist – nur scheinen dies viele Betroffene zu vergessen“, hadert der Autohändler aus Wittgenstein.

Nicht länger will er das Treiben tatenlos beobachten und unterstützt mit dem BVFMW eine Sammelklage des Hamburger Rechtsdienstleisters „myRight“, der sich eigens dafür jene Kanzlei ins Boot geholt hat, die den Prozess gegen den VW-Konzern in den USA bereits in großem Stile gewonnen hat – das Unternehmen muss an seine Kunden zahlen, ihnen teilweise sogar gänzlich neue Autos zur Verfügung stellen. „VW hat es geschafft, die Betroffenen einzulullen. Viele Menschen klagen nicht, sie nehmen es einfach hin und sind sich gar nicht bewusst, dass es ihr gutes Recht wäre“, konstatiert Dr. Jan Eike Andersen. Der Rechtsexperte und Gründer von „myRight“ bereitet derzeit mit der Kanzlei Hausfeld aus den USA die Sammelklage vor, der sich auch Kunden von Detlev Moszicke angeschlossen haben.

„Wir haben ein Gutachten in Auftrag gegeben, dass Fahrzeug- und Marktdaten sammeln und repräsentativ auswerten soll. Wir wollen auf diese Weise den Wertverlust, den VW-Kunden, aber auch die der Tochter-Marken Audi, Seat, Skoda und Co. hinnehmen müssen, quantifizieren“, erklärt Dr. Jan Eike Andersen. In diesem Fall ist es tatsächlich die Masse der Betroffenen, die es macht – und die sich zusammenschließen soll, um gemeinsam Synergieeffekte zu erzeugen. Am Ende könnte es um bis zu 2,5 Mrd. Euro Entschädigung gehen – eine Summe, die den Konzern empfindlich treffen würde.

„Es gibt viele Kunden, die nach der Umrüstung berichten, dass ihr Auto jetzt anders läuft und klingt, dass es mehr Kraftstoff verbraucht und die deshalb verunsichert sind. Es passt daher ins Bild, dass Volkswagen lediglich eine Zusicherung, jedoch keine Garantie auf die ausgetauschten Teile gibt. Da schwelt die Angst vor Haftungsansprüchen und davor, dass künftige Schäden in Zusammenhang mit dem Austausch gebracht werden könnten“, weiß Dr. Jan Eike Andersen. Für ihn ist klar: VW hat betrogen, VW muss zahlen. Die Frage ist nur, welchen Preis der Konzern zahlen muss.

Vertrauen ist es, das vor allem freie Werkstätten wie die von Detlev Moszicke nicht verlieren wollen. Denn in der Tat sind nicht zuletzt diese die Leidtragenden des Skandals. Die Kunden sind per Gesetz verpflichtet, ihr Fahrzeug umrüsten zu lassen, allerdings muss dies in einer Vertragswerkstatt geschehen. „Wir dürfen unsere eigenen Kunden nicht bedienen, obwohl wir dies könnten – das ist politisch gesteuert und gewollt, weil es eine Rückrufaktion ist. Die Gefahr dahinter ist, dass wir sie verlieren, denn die Vertragswerkstätten werben massiv mit Zusatzangeboten neben der Umrüstung“, sagt der BVFMW-Vorsitzende, der sowohl seine Kollegen als auch Kunden dazu ermutigen will, den Rechtsweg zu suchen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.