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SZ-Serie Fenster zum Hof
Karl-Heinz Grenz: "Wir dürfen Naturschutz ausbaden"

Mit Schlepper und Kreiselmäher geht es über die Wiesen.
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goeb Elsoff. 2021 dürfte ein besseres Futterjahr werden für die Bauern als die Dürrejahre davor. Das Gras steht voll im Saft, als Karl-Heinz Grenz aus dem Wittgensteinischen Elsoff den Schlepper anschmeißt und mit dem Mäher auf die große Wiese an der Eder rollt. Letztes Jahr hat er wieder für 30.000 Euro Futter zukaufen müssen für die 160 Rinder, die er und sein Sohn Stefan halten, davon 70 Milchkühe. Es hat im Mai nicht nur geregnet, es hat geschüttet, und es war so kalt, dass es die Natur drei Wochen gekostet hat. „Jetzt wird gemäht“, meint Grenz, nachdem er sich den Boden vorher genau angeschaut hat. „Es muss passen. Wenn der Boden zu feucht ist, kommt zu viel Rohasche ins Futter.“ Rohasche, damit meinen die Landwirte Erde, die das Futter verunreinigt.

goeb Elsoff. 2021 dürfte ein besseres Futterjahr werden für die Bauern als die Dürrejahre davor. Das Gras steht voll im Saft, als Karl-Heinz Grenz aus dem Wittgensteinischen Elsoff den Schlepper anschmeißt und mit dem Mäher auf die große Wiese an der Eder rollt. Letztes Jahr hat er wieder für 30.000 Euro Futter zukaufen müssen für die 160 Rinder, die er und sein Sohn Stefan halten, davon 70 Milchkühe. Es hat im Mai nicht nur geregnet, es hat geschüttet, und es war so kalt, dass es die Natur drei Wochen gekostet hat. „Jetzt wird gemäht“, meint Grenz, nachdem er sich den Boden vorher genau angeschaut hat. „Es muss passen. Wenn der Boden zu feucht ist, kommt zu viel Rohasche ins Futter.“ Rohasche, damit meinen die Landwirte Erde, die das Futter verunreinigt.

Karl-Heinz Grenz ist offen für den Naturschutz

95 Hektar Grünland, darunter drei Viertel der Ederauen, bewirtschaften Vater und Sohn rund um Elsoff und den Nachbarort Schwarzenau, direkt am Fluss. Idylle pur – mit Gold behängte Ortschaften im Dorfwettbewerb.

Landwirt Karl-Heinz Grenz – hier mit seinem Enkel – auf dem Traktor: „Jetzt wird gemäht!“
  • Landwirt Karl-Heinz Grenz – hier mit seinem Enkel – auf dem Traktor: „Jetzt wird gemäht!“
  • Foto: schn
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

Wie alle Bauern ist Grenz offen für Naturschutz, wie er sagt, „wenn Naturschutz bezahlt wird“. Als die Unterhaltung auf neue Auflagen zusteuert, die die Bauern erwartet, merkt man, wie Karl-Heinz Grenz allmählich sauer wird. „Arnsberg“, ringt er nach Worten. „Die wollen doch am liebsten die ganzen Auen unter Naturschutz stellen, und wir dürfen das ausbaden.“ Grenz hat die Erfahrung gemacht, dass gern gefordert wird, aber nicht entgolten. Je nachdem, was aus dem Regierungsbezirk kommt, will er einen Anwalt einschalten.

Aus dem Vertragsnaturschutz ist er vor Jahren ausgestiegen, nachdem er Jahrzehnte mitgemacht hat. Ein 3 Meter breiter Grasstreifen am Flussufer bleibt stehen. Davon muss er mit dem Mäher wegbleiben. „Früher hatten wir den dabei, der durfte erst im August gemäht werden“, holt er aus. „Aber ich sag’ Ihnen was: Im August ist das Zeug nichts mehr wert. Das kannst du als Tierfutter nicht mehr gebrauchen und nur noch wegschmeißen.“

400.000 Euro für neuen Stall in Elsoff

Heute steht der Randstreifen sozusagen aus Kulanz, weil er gut ist gegen Schwemmland, das der Fluss bei Hochwasser sonst in die Wiese spülen würde. Das kann man im Futter nicht gebrauchen.
Wenn Grenz an die hohen Investitionen denkt, die er und sein Sohn getätigt haben, wird deutlich, unter welchem Druck viele Bauern heute leben. „2002 haben wir den Stall für die Milchkühe und hochtragenden Rinder gebaut und 2012 erweitert“, erzählt er. Fünf Jahre alt ist der Melkroboter im Betrieb. Vor drei Jahren kam der neue Jungviehstall dazu für 60 Rinder. „400.000 Euro.“

Vier Wiesenschnitte im Jahr sind normal, berichtet der 70-Jährige, der die Regie über den Hof an den Sohn weitergegeben hat, aber natürlich seinen Aufgaben nachgeht wie seit Jahr und Tag. „Die erste Mahd ist einfach die beste“, sinnert er. 2019 und 2020 ist er wie alle anderen Bauern der Region nur auf zwei Schnitte im Jahr gekommen. „Und das waren keine guten.“ Damit das Gras gut wächst, braucht es nicht nur Regen, es braucht Dünger. „Das geht beim Vertragsnaturschutz nicht. Keine Gülle, kein Kunstdünger. Da kommt nur minderwertiges Futter bei raus. Lieber gebe ich meinen Kühen Stroh.“

Die Sonne lacht über der fetten Wiese, nun gibt es kein Halten mehr. Normal wäre jetzt Schützenfest in Elsoff. Vor vielen Jahren, erzählt Grenz, waren er und seine Kollegen mal übereingekommen, am Schützenfest-Wochenende nicht zu mähen. „Was haben wir das alle bereut“, erinnert er sich. „Danach hat es am Stück vier Wochen geregnet.“

Ricken sollen ihre Kitze aus der Wiese holen

60 Hektar wollen die beiden mit zwei Schleppern am ersten Tag mähen. Danach mit dem Wender drüber. „Man darf es nicht zu lange liegen lassen“, sagt er. Dann lasse die Qualität nach. Gras-Silage muss nur „anwelken“, wie es heißt. Sie wird mit rund 40 Prozent Restfeuchte verarbeitet.
Tags zuvor haben die beiden Tüten und Ballons in die Wiese gesteckt, viele blaue darunter. Aus irgendeinem Grund mögen die Rehe die Farbe Blau nicht, und die Ricken holen ihre Kitze in der Nacht aus der Wiese.

Damit die Kitze keinen Schaden nehmen, ergreifen die Bauern Gegenmaßnahmen. „Das ist nichts Schönes, wenn du ein Kitz im Mäher hast“, sagt Karl-Heinz Grenz.
  • Damit die Kitze keinen Schaden nehmen, ergreifen die Bauern Gegenmaßnahmen. „Das ist nichts Schönes, wenn du ein Kitz im Mäher hast“, sagt Karl-Heinz Grenz.
  • Foto: schn
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

„Das ist nichts Schönes, wenn du ein Kitz im Mäher hast“, sagt der Bauer. „Die Tiere sollen doch nicht leiden.“ Auch die Drohne mit Infrarotkamera, eine Gemeinschaftsanschaffung auf vielen Schultern, lassen sie schon mal fliegen. Und wenn alles kontrolliert ist, kann das beste Gras des Jahres geerntet werden.

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

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