IHK Siegen mit schlechten Nachrichten
Katastrophenstimmung bei der Wirtschaft

Die Stimmung in der Wirtschaft ist alles andere als gut. Das ist auch das Ergebnis der neuesten IHK-Konjunkturumfrage.
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  • hochgeladen von Jan Krumnow (Redakteur)

sz Siegen/Olpe. „Nie zuvor brach das Konjunkturklima der regionalen Wirtschaft so drastisch ein wie in den letzten Wochen. Die Corona-Pandemie belastet die heimische Wirtschaft stark. Die Stimmung ist außerordentlich eingetrübt. Verstetigt sich dieser Trend, sollten wir uns auch auf Insolvenzen einstellen. So düster sah es noch nie aus.“ Mit diesen Worten kommentiert IHK-Präsident Felix Hensel die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage, an der sich 604 Unternehmen mit mehr als 42.000 Beschäftigten aus Industrie, Bauwirtschaft, Handel und Dienstleistungen in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe beteiligten.

Klimaindex so niedrig wie noch nie

Der IHK-Konjunkturklimaindex – er ergibt sich aus Lagebeurteilung und Erwartungen – fällt um 41 Punkte auf einen historischen Tiefstwert von 65 Punkten. Nur 17 % der Unternehmen berichten von guten Geschäften. Eine schlechte Geschäftslage vermelden hingegen 48 % der Firmen. Die Erwartungen sind ebenfalls äußerst pessimistisch. 54 % der befragten Unternehmen gehen von schlechteren Geschäften in den kommenden Monaten aus, mehr als doppelt so viele wie zu Jahresbeginn. Nur 15 % blicken optimistisch in die Zukunft und erwarten besser gefüllte Geschäftsbücher.

Hensel: „In allen Branchen fallen die Werte beinahe ins Bodenlose. Die einzige Ausnahme bildet noch die Bauwirtschaft. Wir sehen einen dramatischen Einbruch von Angebot und Nachfrage, der sich in beinahe allen Teilen der Erde vollzieht. Von einer Weltwirtschaftskrise zu sprechen, ist mittlerweile nicht mehr übertrieben.“  Durch die Corona-Pandemie rechnen acht von zehn Unternehmen aus Siegen-Wittgenstein und Olpe mit einem Rückgang ihrer Umsätze für das Gesamtjahr 2020. In der heimischen Industrie ist der Anteil, der von einem Umsatzrückgang ausgeht, sogar noch etwas höher (87 %). Die Umsatzrückgänge schlagen sich auch bei der Personalplanung nieder. Deutlich mehr als ein Drittel (41 %) der Unternehmen sieht sich gezwungen, Personal abzubauen. In der Industrie ist es sogar fast jedes zweite Unternehmen.

IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener: „Die an der Umfrage beteiligten Industrieunternehmen beschäftigen aktuell etwa 30.000 Menschen. Wenn davon die Hälfte Personal abbauen will, wird das Beschäftigungsniveau sinken und die Arbeitslosigkeit steigen. Unsere Unternehmen werden mit weniger Mitarbeitern aus der Krise herauskommen, als sie hineingingen. Die Zeit der Beschäftigungsrekorde ist zunächst einmal vorbei.“

Die Krise wird dauern

Dabei sei das Ende der Krise noch nicht abzusehen. Sehr viele Entscheidungsträger in den Unternehmen gingen davon aus, dass Corona „ganze Arbeit“ verrichte und man es noch sehr lange mit Einschränkungen zu tun haben werde. Je länger die Krise jedoch andauere, desto schlechter sei sie mit Kurzarbeit allein zu bekämpfen. Klaus Gräbener: „Kurzarbeit ist gut, wenn es nach kurzer Zeit wieder viel Arbeit gibt. Sie ist jedoch kein Instrument für längere Krisenverläufe, die mit weniger Beschäftigung einhergehen."

Jedes zweite Industrieunternehmen plant, die Investitionen zu senken. Der Indikator der Investitionsaktivität fällt um 33 Punkte auf einen Wert von -39. Klaus Gräbener: „Keine Investitionen, keine Perspektive. Was das für den Standort bedeutet, lässt sich leicht ausmalen. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem die Kommunen ohnehin mit erheblichen Haushaltsverschlechterungen rechnen müssen.“

Industrie pessimistisch

Nach leicht aufgehellter Stimmung zum Jahresbeginn stürzen die Lagebeurteilung und die Geschäftserwartungen in der Industrie auf den niedrigsten jemals gemessenen Indexwert (62) ab. Aktuell geben 15 % der Industrieunternehmen eine gute Geschäftslage an. Etwa die Hälfte bewertet ihre Geschäftslage als schlecht. Ebenfalls düster fallen die Erwartungen an die kommenden Monate aus. Nur 16 % blicken optimistisch in die Zukunft. Mehr als die Hälfte (57 %) erwartet schlechtere Geschäfte.

Besonders negativ fallen die Ergebnisse im stark von der Automobilzulieferindustrie geprägten Kreis Olpe aus. Felix Hensel: „Mehrere Wochen standen die Bänder der großen Autohersteller still. Der Autoabsatz national und international ist eingebrochen. Die jüngsten Absatzzahlen zeigen die folgenschwere Situation in der Autobranche. Die Industrieumsätze im Kreis Olpe sind bereits in den ersten drei Monaten um 6 % eingebrochen, noch bevor die Corona-Pandemie mit ihrer Wucht bei uns einschlug. Bestätigt sich dieser Trend, haben wir allen Grund zur Sorge.“

Kauflaune verdorben

Die gute Kauflaune der Verbraucher war in der Vergangenheit eine wichtige Stütze der Konjunktur. Das Konsumklima sank jedoch jüngst auf einen historischen Tiefststand. 65 % der regionalen Einzelhändler berichten von einem zurückhaltenden Kaufverhalten der Kundschaft, nur 18 % von einem kauffreudigen. Zudem musste ein Großteil der Einzelhändler durch den Lockdown herbe Umsatzverluste hinnehmen. Stephan Häger: „Die Angst vor Arbeitsplatzverlust und Kurzarbeit drückt auf die Stimmung der Verbraucher. Die Corona-Pandemie dürfte die Kauflaune noch längere Zeit beeinflussen.“ Bei mehr als einem Drittel der Einzelhändler ist der tägliche Umsatz, verglichen zur Vorkrisenzeit, um mehr als 25 % gesunken, bei etwa 10 % sogar um bis 75 %. Aktuell beurteilt aber noch die Mehrheit der Einzelhändler (53 %) ihre Lage als gut oder befriedigend.

In der Dienstleistungsbranche, insbesondere beim Gastgewerbe und in der Reisebranche, ist die Konjunkturstimmung auf einem Tiefpunkt. 9 von 10 Unternehmen aus dem Gastgewerbe bewerten ihre derzeitige Geschäftslage als schlecht. Zum Jahreswechsel waren es gerade einmal 5 %.

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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