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Sozialdienst hält Bordellschließung für "Katastrophe" (mit Kommentar)
Katholikinnen gegen Sexkaufverbot

Der Sozialdienst katholischer Frauen hält die Schließung der Bordelle für eine „Katastrophe“.
  • Der Sozialdienst katholischer Frauen hält die Schließung der Bordelle für eine „Katastrophe“.
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sz Siegen/Dortmund. Auf die „fatalen Folgen eines Sexkaufverbots“ für in der Prostitution tätige Frauen weist der Sozialdienst kath. Frauen (SkF) anlässlich der erneuten Schließung der Bordelle hin. „Wir wissen von unseren Mitarbeiterinnen, die Frauen in der Prostitution beraten und unterstützen: Die Schließung der Bordellbetriebe und das Verbot dieser Tätigkeit in der Pandemie ist für die meisten Prostituierten eine Katastrophe“, sagt die SkF-Bundesvorsitzende Hildegard Eckert.
Den betroffenen Frauen brächen sämtliche Einkünfte weg. In Folge könnten sie ihre Miete oder die Beiträge der Krankenversicherung nicht mehr bezahlen. Viele Frauen versorgten mit den Einkünften als Prostituierte ihre ganze Familie.

sz Siegen/Dortmund. Auf die „fatalen Folgen eines Sexkaufverbots“ für in der Prostitution tätige Frauen weist der Sozialdienst kath. Frauen (SkF) anlässlich der erneuten Schließung der Bordelle hin. „Wir wissen von unseren Mitarbeiterinnen, die Frauen in der Prostitution beraten und unterstützen: Die Schließung der Bordellbetriebe und das Verbot dieser Tätigkeit in der Pandemie ist für die meisten Prostituierten eine Katastrophe“, sagt die SkF-Bundesvorsitzende Hildegard Eckert.
Den betroffenen Frauen brächen sämtliche Einkünfte weg. In Folge könnten sie ihre Miete oder die Beiträge der Krankenversicherung nicht mehr bezahlen. Viele Frauen versorgten mit den Einkünften als Prostituierte ihre ganze Familie. Frauen, die seit 30 oder mehr Jahren ihr Geld in dem Milieu verdient hätten, stünden plötzlich vor dem Nichts.

"Sexkaufverbot" ist keine Alternative

Für nach dem Prostituiertenschutzgesetz gemeldete Frauen bestehe teilweise die Möglichkeit, Leistungen nach SGB II zu beantragen. Doch den meisten Frauen stünden keine Leistungen der Sozialhilfe zu. SkF-Ortsvereine versorgten die Frauen aktuell mit Lebensmittelpaketen, Handyguthaben und weiteren Hilfen und sicherten so ihre Existenz.
Diese Situation mache deutlich, dass das aktuell wieder diskutierte „Sexkaufverbot“ keine Alternative sei. Verbote nutzten weder Frauen, die freiwillig in der Prostitution arbeiteten, noch denen, die Zwang und Gewalt ausgeliefert seien, heißt es in der Pressemitteilung des SkF. „Gerade für diese Gruppe würde ein Sexkaufverbot bedeuten, illegal und in größter Unsicherheit arbeiten zu müssen. Denn eines ist sicher: Prostitution würde durch ein Verbot nicht aufhören.“
Deshalb setze sich der Sozialdienst kath. Frauen dafür ein, erst einmal das geltende Recht konsequent umzusetzen und dann, wie vorgesehen, zu evaluieren, bevor über eine erneute Gesetzesänderung nachgedacht wird.
Bei der aktuellen Rechtslage gebe es einen erheblichen Nachbesserungsbedarf beispielsweise beim Anmeldeverfahren und in der Gesundheitsberatung. Außerdem bestehe ein dringender Forschungsbedarf, um valide Informationen zur Zahl und zur Lebenssituation von in der Prostitution Tätigen in Deutschland zu bekommen. Die kursierenden Zahlen entbehrten jeglicher wissenschaftlichen Grundlage.

"Frauen sind dann Gewalt und Ausbeutung schutzlos ausgeliefert"

„Zudem bedarf es einer deutlichen Verstärkung der Beratungs- und Unterstützungsangebote für die Betroffenen. Und die Frauen können nur erreicht werden, wenn sie legal arbeiten können“, so Eckert.
Neben den katholischen Frauen befasst sich auch die ev. Frauenhilfe von Westfalen seit Jahren mit dem Thema Prostitution. Als Trägerin der Prostituierten- und Ausstiegsberatung „Tamar“ in Südwestfalen hat sich die Frauenhilfe die Unterstützung von Prostituierten auf ihre Fahnen geschrieben.
Die dahinterstehende politische Position formuliert die Frauenhilfe selbst so: „Prostitution ist gesellschaftlich, theologisch und moralisch immer noch ein Tabu. Die Lösung der Probleme von Zwangsprostitution, Ausbeutung, Ansteckung mit sexuell übertragbaren Erkrankungen usw. scheint vielen ein Verbot der Prostitution zu sein. Ein Verbot der Prostitution verhindert jedoch nicht Prostitution, sondern verschiebt sie in die Illegalität. Die Frauen sind dann Gewalt und Ausbeutung schutzlos ausgeliefert und verlieren die Möglichkeit, sozial- und krankenversichert zu sein.“

Kommentar: Sex ist keine Arbeit Ob Prostitution wirklich das älteste Gewerbe der Welt ist? Ich glaube nicht. Diese Behauptung ist vielmehr bestens dazu geeignet, das augenzwinkernde Einverständnis unter Männern zu festigen, wenn es um Sexdienstleistungen geht. Da schwingt mit, was viele glauben: Ein Besuch im Bordell ist doch gar nicht schlimm, macht doch jeder mal, war schon immer so. Das ist die Männersicht. Was Frauen über Prostitution denken, ist seltener zu hören. Es widerwärtig zu finden, wenn Frauen ihren Körper verkaufen (müssen), ist nicht besonders angesagt. In Talkshows treten „Sexarbeiterinnen“ mit Bachelorabschluss in Sozialwissenschaften auf, die sich in ihr selbstbestimmtes Gewerbe nicht hineinreden lassen wollen. Was soll da das Emanzen-Gerede vom Prostitutionsverbot? Deshalb heute mal Klartext aus femininer – meinetwegen auch feministischer – Sicht: Prostitution ist ein Verstoß gegen die Menschenwürde. Sie ist keineswegs ein normales Gewerbe, sondern eine üble Erfindung männlicher Machtphantasie. Dass Frauen Sex verkaufen, hat nichts mit Gleichberechtigung, sondern mit Unterdrückung zu tun. „Sexarbeit“, wie das Geschäft verharmlosend genannt wird, gehört verboten – ebenso wie Sklavenarbeit verboten ist. Dass sich der Sozialdienst kath. Frauen, dem es zugestandenermaßen um die soziale Lage der Prostituierten geht, nun an die Spitze der Befürworter des Sexgeschäfts setzt, ist erschreckend. Ob das die vielen Mitglieder in den katholischen Gemeinden auch so sehen? Das „Sexkaufverbot“, das zum Beispiel Schweden gesetzlich verankert hat, könnte die Prostitution austrocknen. Es kriminalisiert nicht die Frauen, sondern die Freier. ihm
Autor:

Irene Hermann-Sobotka (Redakteurin) aus Siegen

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