„Kein Ende – es geht gerade erst richtig los“

 Mit einem wunderschönen Programm verabschiedeten die Mädchen und Jungen der Berleburger Burgfeldschule gestern Dietmar Völkel und Schulleiter Günter Rothenpieler (v. l.) in den Ruhestand. Foto: Björn Weyand
  • Mit einem wunderschönen Programm verabschiedeten die Mädchen und Jungen der Berleburger Burgfeldschule gestern Dietmar Völkel und Schulleiter Günter Rothenpieler (v. l.) in den Ruhestand. Foto: Björn Weyand
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bw - Mit randvoll gepackten Rucksäcken und vielen lieb gemeinten Wünschen verließen Günter Rothenpieler und Dietmar Völkel am Donnerstag ein letztes Mal die Bad Berleburger Burgfeldschule – letztmals allerdings nur als Lehrer, als Besucher sind beide in der Grundschule natürlich jederzeit herzlich willkommen. Die Schulfamilie verabschiedete sich mit einer Feierstunde von dem Duo, das über Jahrzehnte hinweg maßgeblich die Grundschule am Burgfeld geprägt hat. Günter Rothenpieler war seit 1988 an der Grundschule und seit 1991 deren Direktor, sein Kollege Dietmar Völkel war seit 1985 hier als Lehrer tätig. Da war es wenig überraschend, dass gestern jede Menge Wehmut aufkam.

Zwei Kolleginnen übernahmen die „ultimative Lobhudelei“, wie es Ulrike Müller treffend formulierte. Günter Rothenpieler, passionierter Wanderer, habe neue Wege mutig beschritten, verriet Katrin Sauer, die ihm nun als kommissarische Schulleiterin ab sofort nachfolgt. Auch Bergetappen sei er forsch und flott angegangen, blieb sie im passenden Bild. Und Günter Rothenpieler habe auch seinen Schulleiter-Kollegen gerade bei rechtlichen Fragen immer mit Rat zur Seite gestanden. Für den Rucksack des ausscheidenden Schulleiters steuerte sie einen Kompass sowie einen Bildband über Norwegen bei. Ulrike Müller hatte mit einigen Weggefährten über Dietmar Völkel gesprochen und dabei einige Attribute gehört: verlässlich, neugierig, relativ verwegen, aber nicht unbedacht. Und er sei immer für Überraschungen gut, merkte seine bisherige Kollegin an und erinnerte an sogenannte „Abkürzungen“ bei Klassenausflügen durch den Wald.

Der Berleburger Bürgermeister Bernd Fuhrmann bedankte sich für den Schulträger bei Günter Rothenpieler für die – auch manchmal kritische – Zusammenarbeit. Er habe einst den Neubau der Burgfeldschule begleitet und die Räumlichkeiten maßgeblich mit Leben zu füllen gewusst, lobte der Rathaus-Chef. Sowohl für Günter Rothenpieler als auch für Dietmar Völkel würden jetzt die Ferien beginnen, die nie zu Ende gehen. Bernd Fuhrmann wünschte beiden neue Aufgaben, für die Rucksäcke steuerte er Produkte aus der Region bei.

„Wunderschön“ war der Titel der gestrigen Abschiedsfeier an der Burgfeldschule, wobei Katrin Sauer eines klarstellte: Es sei nicht wunderschön, dass die beiden Kollegen ab heute nicht mehr da seien, sondern es sei wunderschön für beide, dass sie nun ihren Ruhestand genießen könnten. Doch zuvor erfreuten sich Günter Rothenpieler und Dietmar Völkel über ein wunderschönes Programm, an dem sich alle Mädchen und Jungen beteiligten.

Die Klasse 3a etwa befragte die beiden angehenden Ruheständler danach, welche Erinnerungen sie an ihre eigene Schulzeit hatten. Von seinem ersten Schultag wusste Dietmar Völkel nicht mehr allzu viel, aber immerhin, dass er damals eine Lederhose getragen habe. Und Günter Rothenpieler berichtete, dass sein Schulranzen neu gewesen sei, weil er das älteste Kind der Familie gewesen sei. Bei der Frage nach dem ersten Berufswunsch fielen die Antworten recht unterschiedlich aus: Während Günter Rothenpieler früh klar war, dass für ihn nur der Lehrerberuf in Frage käme, wollte Dietmar Völkel im Jugendalter noch Handwerker werden. Heute waren sich die Beiden aber einig, womit sie ihre Zeit verbringen wollen: Familie, Reisen, Natur – „und für Dinge, die meine Frau mir sagt“, meinte Günter Rothenpieler scherzend.

Die Klasse 3a legte Kartenspiele in die beiden Rucksäcke, die Klassen 2a und 2b sangen ihre eigene Version von „Wer hat an der Uhr gedreht?“ und lieferten Proviant für die Ranzen. Dietmar Völkels letzte eigene Klasse (die 4b) hatte als besondere Überraschung einige persönliche Dankesworte. Der Tenor: Sie werden seine witzige Art sehr vermissen – und viel gelernt hätten sie auch bei ihm. Von ihnen wanderten Thermobecher in die Rucksäcke, von den beiden Klassen 1 gab es T-Shirts mit treffendem Aufdruck. Dazu reimten die Erstklässler: „Die Zeit mit euch war wunderschön, wir hoffen, dass wir uns bald wiedersehen.“ Die Klasse 3b nahm den beiden Pädagogen noch die Abschlussprüfung in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathematik, Sport und Erdkunde ab, während die Klasse 4a mit dem Poetry-Slam „Der Abspann“ von Julia Engelmann das Publikum in der Schule begeisterte mit dem treffenden Satz: „Das hier ist kein Ende, es geht gerade erst richtig los.“

Günter Rothenpieler machte gar keinen Hehl daraus, dass er gerne noch geblieben wäre: „Ich werde in den Ruhestand gegangen“, meinte er mit Blick auf das Erreichen der Altersgrenze. „Ihr dürft morgen wieder in die Schule, wir dürfen nicht mehr.“ Für ihn sei es immer der Traumberuf gewesen, Lehrer zu sein. Seinen jüngeren Kollegen gab er den Ratschlag mit auf den Weg, den Beruf als Dienst zu verstehen: „Wir haben dem Schul- und Erziehungsauftrag zu dienen.“ Ohne persönliche Empathie sei aber die Erfüllung des Auftrags nicht möglich. Und im Hinblick auf die Digitalisierung im Unterricht merkte der scheidende Schulleiter an: So wenig Geld erziehen könne, so wenig könne ein PC unterrichten.

Auch Dietmar Völkel hatte seine klare Auffassung vom Lehrerberuf: „Schule waren für mich hauptsächlich die Kinder und nicht der Papierkram. Wenn es andersrum gewesen wäre, dann wäre ich längst weggelaufen.“ Das musste gestern freilich niemand: Die beiden Neu-Ruheständler blieben noch eine Weile mit Familie und Weggefährten zusammen, bevor sie ihre Burgfeldschule verließen. Aber nur fürs Erste.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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