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Eltern sind gefragt
Kein Fahrradpass für Viertklässler

2020 ist alles anders: Auch die Radfahrausbildung in den 4. Klassen der Grundschulen muss wegen der Corona-Pandemie ausfallen. Mehr denn je sind daher die Eltern gefragt, ihre Kinder im Straßenverkehr auf Spur zu bringen.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

js Siegen/Bad Berleburg. Der Straßenverkehr findet langsam aber sicher zu seiner alten Stärke zurück nach dem spürbaren Shutdown der ersten Corona-Wochen. Eines aber fehlt in diesem Frühling: die grellen Farbtupfer der warnwestentragenden Viertklässler, die sich auf ihre Radfahrprüfung vorbereiten. Pandemiebedingt musste die Radfahrausbildung der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein in diesem Jahr schon beendet werden, bevor es richtig ernst wurde.
Corona-Streife statt VerkehrssicherheitAndreas Röcher, Teamleiter der Verkehrsunfallprävention, und seine Kollegin Stella Bottenberg vermissen die Arbeit mit den Kindern.

js Siegen/Bad Berleburg. Der Straßenverkehr findet langsam aber sicher zu seiner alten Stärke zurück nach dem spürbaren Shutdown der ersten Corona-Wochen. Eines aber fehlt in diesem Frühling: die grellen Farbtupfer der warnwestentragenden Viertklässler, die sich auf ihre Radfahrprüfung vorbereiten. Pandemiebedingt musste die Radfahrausbildung der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein in diesem Jahr schon beendet werden, bevor es richtig ernst wurde.

Corona-Streife statt Verkehrssicherheit

Andreas Röcher, Teamleiter der Verkehrsunfallprävention, und seine Kollegin Stella Bottenberg vermissen die Arbeit mit den Kindern. Zu sechst sind die Polizisten in normalen Zeiten in Kindergärten und Schulen im Siegerland und Wittgenstein im Einsatz, um die Jungen und Mädchen für die Herausforderungen des Straßenverkehrs fit zu machen. Seit März aber liegt ihre Präventionsarbeit auf Eis. Die Verkehrssicherheitsberater sind auf Corona-Streife, die Polizei musste Prioritäten setzen, Dienstpläne umstricken.

Keine Prüfung im Straßenverkehr

Die Radfahrausbildung, die üblicherweise in den Wochen zwischen Oster- und Sommerferien besonders an Fahrt gewinnt, musste jäh abgebrochen werden. Keine Übungsstunden, keine Prüfungen im echten Straßenverkehr. Eine komplette Generation von Viertklässlern wird auf den begehrten Fahrradpass – umgangssprachlich auch „Fahrradführerschein“ genannt – verzichten müssen.
„Wir bedauern das sehr“, sagt Stella Bottenberg. „Uns fehlt was, uns wurde die Arbeitsgrundlage entzogen.“ Einige Grundschulen würden zwar auf eigene Kappe dran bleiben und die Radfahrausbildung fortführen, berichten die Polizisten. Auf die uniformierten Freunde und Helfer mit ihrem besonderen Blick und der ihnen eigenen Autorität müssen die Kinder indes allerorten verzichten. Das sei nicht zu vermeiden, bedeute aber durchaus einen echten Verlust. Denn: „Bei der Radfahrausbildung passiert was mit den Kindern“, erklärt Andreas Röcher. Die Schüler lernten sehr viel dazu an Können, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen.

Eltern sind gefragt

„Die Hauptverantwortung liegt jedoch bei den Eltern“, betont Röcher. Die Besuche der Polizisten mögen eindrucksvoll sein, ihre Zahl ist aber aus logischen Kapazitätsgründen begrenzt. Die Erziehungsberechtigten sind also gefragt – das gelte immer, im Corona-Jahr aber eben noch mehr. Die Zehnjährigen, die mit dem Rad die Straße und nicht mehr den Bürgersteig benutzen sollen, dürfen auch ohne Ausbildung und Pass am Verkehr teilnehmen. Vorbereitung sei aber durchaus notwendig. Die Polizisten raten den Eltern daher, sich selbst die Zeit zu nehmen, mit ihren Kindern in den Straßenverkehr zu gehen. „Üben, üben, üben“, lautet die Maxime, die Andreas Röcher an Elternabenden stets verkündet. Und sie ist in diesem Jahr zugleich der wichtigste Tipp, den er den Müttern und Vätern der Viertklässler mit auf den Weg gibt. Statistisch sei erwiesen, dass dadurch Unfälle vermieden würden.

Linksabbiegen ist "Königsdisziplin"

Im Idealfall sollten die Eltern als gute Vorbilder voranfahren. Nach ersten Schritten, beispielsweise auf einem Parkplatz und ruhigen Seitenstraßen, sollte es nach und nach auf herausfordernde Strecken gehen. Wichtig sei es, nichts Falsches vorzumachen. Im Internet gebe es zahlreiche Möglichkeiten, sich etwa die „Königsdisziplin“ – das Linksabbiegen – noch einmal genauer anzusehen. Selbst wer kein eigenes Fahrrad habe, könne vom Straßenrand aus Tipps geben und helfen. Ganz wichtig sei es, so Stella Bottenberg, den Kindern zu vermitteln, dass sie sich im Straßenverkehr nicht auf andere verlassen könnten. „Man muss immer davon ausgehen, dass andere Verkehrsteilnehmer Fehler machen.“ Fahrradfahrer hätten dann einfach das Nachsehen.

Helm tragen ist wichtig

Entscheidend ist für die Polizisten, dass die Kinder auf jeden Fall einen Helm tragen – und den auch richtig. Nach wie vor ist dieser nicht Pflicht. Es sei aber klar: „Ein Helm schützt Leben!“ Beispiele dafür erlebe die Polizei immer wieder. Die Kinder verstünden das auch eigentlich sehr gut, die Unterstützung und Kontrolle der Eltern sei aber sehr wichtig.
Ob die Verkehrserziehung nach den Sommerferien wieder zur bewährten Routine zurückfinden werde, müsse sich zeigen. Stella Bottenberg und Andreas Röcher hoffen es sehr. Dann aber sind die künftigen Viertklässler an der Reihe. Die aktuellen sind bis dahin längst auf weiterführenden Schulen verstreut. Ganz ohne Fahrradpass. Jan Schäfer

2020 ist alles anders: Auch die Radfahrausbildung in den 4. Klassen der Grundschulen muss wegen der Corona-Pandemie ausfallen. Mehr denn je sind daher die Eltern gefragt, ihre Kinder im Straßenverkehr auf Spur zu bringen.
Stella Bottenberg und Andreas Röcher freuen sich auf Zeiten, in denen sie ihr eigentliches Aufgabenfeld wieder bestellen können: Statt Kinder auf den Straßenverkehr vorzubereiten, sind sie und ihre vier Kollegen seit März als Corona-Streifen unterwegs.
Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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