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Das Lernen auf Distanz und die Folgen an den Schulen
„Kein Grund zur Panik“

Wie groß sind die Defizite der Schüler durch das Lernen ohne Präsenzunterricht?
  • Wie groß sind die Defizite der Schüler durch das Lernen ohne Präsenzunterricht?
  • Foto: Pixabay (Symbolbild)
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sp/bw Siegen/Daaden/Wenden/Erndtebrück. Das neue Schuljahr ist angelaufen. Wie befürchtet, ist der Alltag aufgrund der Corona-Pandemie aber längst nicht zurückgekehrt. Einige Klassen und Lehrer müssen bereits wieder zu Hause bleiben. Wie groß die Defizite der Schüler durch das Lernen ohne Präsenzunterricht sind und wie sie jetzt wieder aufgearbeitet werden sollen, darüber sprachen einige Schulleiter mit der SZ.

„Kein Grund zur Panik“, findet Sven Berghäuser, Schulleiter des Gymnasiums auf der Morgenröthe in Siegen, klare Worte für die aktuelle Situation der Schüler. Er habe Kontakt mit den Grundschulen gehabt, um darüber zu reden „was auf der Strecke geblieben ist“.

sp/bw Siegen/Daaden/Wenden/Erndtebrück. Das neue Schuljahr ist angelaufen. Wie befürchtet, ist der Alltag aufgrund der Corona-Pandemie aber längst nicht zurückgekehrt. Einige Klassen und Lehrer müssen bereits wieder zu Hause bleiben. Wie groß die Defizite der Schüler durch das Lernen ohne Präsenzunterricht sind und wie sie jetzt wieder aufgearbeitet werden sollen, darüber sprachen einige Schulleiter mit der SZ.

Das sagt die GEW Siegen „Wie groß die Wissenslücken sind, ist sehr sehr unterschiedlich, von Schule zu Schule und von Schulform zu Schulform“, sagt Karsten Beineke aus dem Leitungsteam der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und Lehrer an der Berufsschule in Siegen. „Wir versuchen, die Defizite aufzuarbeiten, aber man muss Kompromisse machen“, so der Gewerkschafter, der auch weiß, dass sich die Schulen bereits auf den nächsten Lockdown vorbereiten. Viel mehr als vor der Corona-Zeit werde mit Hilfsmitteln wie digitalen Plattformen gearbeitet. Es sei ein Fortschritt, dass jetzt Lehrer wie Schüler mit elektronischen Endgeräten, heißt Laptops o. ä., ausgestattet werden. Dieses Ziel soll Ende des Jahres erreicht sein. Schüler müssten jetzt noch individueller gefördert werden, und Lehrer noch mehr den Leistungsstand abfragen, um auf die Lücken einzugehen. Seine persönliche Einschätzung: Etwa ein Drittel weniger Inhalte sind aufgrund des Unterrichts ohne Präsenz bei den Schülern angekommen.
  • „Kein Grund zur Panik“, findet Sven Berghäuser, Schulleiter des Gymnasiums auf der Morgenröthe in Siegen, klare Worte für die aktuelle Situation der Schüler. Er habe Kontakt mit den Grundschulen gehabt, um darüber zu reden „was auf der Strecke geblieben ist“. Wie stark sich das Lernen aus der Ferne tatsächlich auf das Wissen der Schüler ausgewirkt hat, das könne man aber erst in ein paar Wochen sagen, dann, wenn die ersten Arbeiten geschrieben würden. Es gebe sicher einiges, das vor den Ferien nicht mehr intensiv thematisiert worden sei, aber „ich gehe nicht davon aus, dass durch diese Zeit eine riesige Lücke entstanden ist“. Insgesamt sei er dafür, dass das Thema nicht zu hoch gehängt wird: „Die Schulen haben das im Blick“ und die Zukunft der Kinder sei nicht verspielt worden. Allerdings: Die Schüler für das Abitur 2021 „haben nicht mehr so viel Zeit, um alles aufzuholen“. Das Land NRW arbeite hier bereits an einer Lösung. „Ich halte es für sinnvoll, am Zentralabitur festzuhalten.“ Aber es wäre gut, wenn die Schulen aus einem größeren Aufgabenpool für die Prüfungen auswählen könnten.
  • Auf die entstandenen Defizite sei an der Gesamtschule Wenden zum Teil mit einem angepassten Stundenplan reagiert worden, sagt die Leiterin Julia Cruz Fernandez. Vielleicht würden die einen oder anderen Unterrichtseinheiten kürzer, um andere intensiver zu behandeln. Sie habe die Hoffnung, dass bei den Abschlussprüfungen Rücksicht darauf genommen werde. Fernandez weiß auch, dass die Eltern verunsichert sind, Angst hätten, dass ihre Kinder den Abschluss nicht schafften. „Es ist nicht daran zu rütteln, dass weniger passiert ist“, sagt die Schulleiterin in Bezug auf das Homeschooling. Aber die Fachlehrer wüssten genau, wo die Lücken sind und könnten darauf reagieren. Auf einer Gesamtschule sei man es grundsätzlich gewohnt, dass die Schüler auf unterschiedlichen Levels seien. 
  • Genau festgehalten hätten die Lehrer, was bei den Schülern noch offen sei, und das hätten diese ihren Kollegen weitergegeben, sagt Hans Joachim Laubenthal, Leiter der Herman-Gmeiner-Realschule in Daaden. Die Wissenslücken müssten erst aufgearbeitet werden, dann könne der neue Stoff kommen. „Die Zeit wird am Schluss fehlen, deshalb müssen wir Schwerpunkte setzen.“ Die Schule orientiere sich hier an den Ratschlägen des Ministeriums. Die Kinder machten aber gut mit, „sie wissen, warum es jetzt manchmal etwas zügiger zugeht.“ 
  • Dass viele Kinder im Distanzlernen gut mitgemacht haben, berichtet Thorsten Denker. Der Leiter der Grundschule Erndtebrück verrät indes im gleichen Atemzug, dass es auch ein paar Kinder gibt, bei denen sich Lücken aufgetan haben. Gerade für sie hat die Grundschule schon in den Ferien Angebote gemacht, um die Defizite aufzuholen. Natürlich könnten die Angebote für das Lernen zu Hause keinen Unterricht in der Schule eins zu eins ersetzen. 
  • Das weiß auch Sebastian Kühnert, stellv. Leiter der Realschule Erndtebrück. „Selbstverständlich gibt es Schüler, die aufholen müssen. Wir arbeiten gezielt an diesen Lücken.“ Die Realschule profitiert jedoch davon, dass alle Schüler vor den Sommerferien zumindest für die Hauptfächer wieder in der Schule zusammen lernen konnten. Spannend, so Sebastian Kühnert, würden die langfristigen Auswirkungen, wenn es etwa um Zentrale Lernstandserhebungen gehe.
Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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