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IC 34: Anbindung der Krönchenstadt verschoben / Bürgermeister Steffen Mues sauer
Kein Intercity weit und breit

Spätestens im Dezember sollte die IC-Linie 34 an den Start gehen und natürlich auch am Siegener Hbf (Bild) halten; ursprünglich sollte das Signal für die Anbindung an den Fernverkehr bereits Ende 2019 auf Grün gesprungen sein. Doch das Projekt hat die Bahn vertagt, intern. Foto: Christian Hoffmann
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  • Spätestens im Dezember sollte die IC-Linie 34 an den Start gehen und natürlich auch am Siegener Hbf (Bild) halten; ursprünglich sollte das Signal für die Anbindung an den Fernverkehr bereits Ende 2019 auf Grün gesprungen sein. Doch das Projekt hat die Bahn vertagt, intern. Foto: Christian Hoffmann
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ch Siegen. Gleich zwei Mal schüttelte die stellv. CDU-Landesvorsitzende und zweite Chefin der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft in NRW, kurz CDA, den Kopf: Einmal heftig aus Verwunderung ob der unendlichen Geschichte der Anbindung der Krönchenstadt an das Fernverkehrsnetz, das andere Mal kaum merklich, als beim gemeinsamen Infrastrukturforum von CDA und heimischer CDU-Mittelstandsvereinigung beim Thema zweigleisiger Ausbau der Siegstrecke Skepsis geäußert wurde.

Vortrag von A bis WDie Staatssekretärin im...

ch Siegen. Gleich zwei Mal schüttelte die stellv. CDU-Landesvorsitzende und zweite Chefin der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft in NRW, kurz CDA, den Kopf: Einmal heftig aus Verwunderung ob der unendlichen Geschichte der Anbindung der Krönchenstadt an das Fernverkehrsnetz, das andere Mal kaum merklich, als beim gemeinsamen Infrastrukturforum von CDA und heimischer CDU-Mittelstandsvereinigung beim Thema zweigleisiger Ausbau der Siegstrecke Skepsis geäußert wurde.

Vortrag von A bis W

Die Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, Elisabeth Winkelmeier-Becker, hatte bei dem Forum in der Kaan-Marienborner Weißtal-Halle ihren Chef – Minister Peter Altmaier – und ihr Haus in einem umfassenden Vortrag von A wie Auseinandersetzung mit Finanzminister Olaf Scholz (SPD) in Sachen Bonpflicht („Nicht nachvollziehbar, der ist kontra!”) bis W wie nationale Wasserstoffstrategie („Nur auf diesem Weg und mit Rücksicht auf die energieintensiven Wirtschaftszweige bekommen wir die Energiewende hin”) gut verkauft. Bei der Veranstaltung, die sich neben den Themen Straße und Internet mit der Schiene beschäftigte, musste Winkelmeier-Becker sich die harsche Kritik von Siegens Bürgermeister Steffen Mues anhören.

In vielen Infrastrukturbereichen seien dem Rathaus „die Hände gebunden”. Vor allem bei der Schiene. Mues, trotz höflichen Lächelns und wohl verpackter Worte offensichtlich sauer: „Ein IC-Halt und damit die Anbindung eben an den Fernverkehr der Deutschen Bahn wäre für unsere Stadt extrem wichtig, und das entspricht auch unseren Selbstverständnis als Großstadt und Oberzentrum der Region.

Dass dieses Vorhaben nun erst einmal nicht, wie geplant, zeitnah von der Bahn umgesetzt wird und wir erneut hingehalten werden, darüber können wir nur noch den Kopf schütteln.” Man wolle doch bloß eine IC-Verbindung, „wir sind bescheiden”.

Spätestens im Dezember sollte die IC-Linie 34 an den Start gehen; ursprünglich sollte das Signal für die Anbindung an den Fernverkehr bereits im vergangenen Jahr auf Grün gesprungen sein. Der Intercity soll Frankfurt mit Münster verbinden, ähnlich wie die frühere Interregiolinie. Damit bekämen die Dill- und die Ruhr-Sieg-Strecke zwischen Wetzlar und Hohenlimburg ihren Fernverkehr zurück. Richtung Norden soll es einzelne abweichende Zugläufe geben, und zwar sowohl nach Hagen bzw. Essen als auch über Münster hinaus nach Norddeich. Alle zwei Stunden soll künftig statt eines Regionalexpresses dann ein IC fahren. So der Plan (die SZ berichtete).

Widerstand des Wettbewerbs

Doch das Projekt hat die Bahn vertagt, intern. Das Problem: Im neuen IC auch mit Nahverkehrstickets reisen zu können, stößt auf Widerstand des Wettbewerbs. Konkret: Abellio fühlt sich benachteiligt und sieht eine fragwürdige Subvention des DB-Fernverkehrs durch Nahverkehrsmittel. Ein ähnliches Vorhaben im Raum Paderborn-Kassel wurde vor Gericht zu Fall gebracht, weshalb solche kombinierten Modelle – der IC nimmt auch Kunden mit Nahverkehrstickets mit, wofür die DB AG eine finanzielle Kompensation erhält – auf politischer Ebene kritisch gesehen werden.

Und auf der Ebene der Akteure, die die IC-Pläne verwirklichen sollen – Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe, Rhein-Main-Verkehrsverbund, Abellio, Hessische Landesbahn und Deutsche Bahn – wird sich gezofft. Es geht um die unterschiedlichen Interessenslagen der Verkehrsverbünde in NRW und Hessen, Haltepunkte und Taktungen. Das Ergebnis: Es gibt kein Ergebnis, die IC-Einführung ist zu einem Fahrplanwechsel in weiter Ferne entrückt.

"Ich nehme das Thema mit nach Berlin!"

Immerhin, Elisabeth Winkelmeier-Becker versprach: „Ich nehme das Thema mit nach Berlin!” Das Engagement der parlamentarischen Staatssekretärin wird sich dagegen beim zweiten Schienen-Thema, das am Donnerstagabend zur Sprache kam, in Grenzen halten. Den Ausbau der Siegstrecke betrachtet die Politikerin mit Argwohn.

Zur Erinnerung: Der Bundesverkehrswegeplan 2030 beinhaltet u. a. den vollständigen zweigleisigen Ausbau zwischen Hennef und Au und das „Aufbohren” aller Tunnel zwischen Au und Siegen, damit über dieser Strecke vermehrt Güterzüge in den heutigen Dimensionen rollen können – um die Rhein-Schiene zu entlasten.

Die Siegstrecke als Entlastungsroute für das vom Bahnlärm geplagte Rheintal zu nutzen, macht für die Bundestagsabgeordnete und Kreispartei-Vorsitzende aus Siegburg jedoch wenig Sinn: Die Lebensqualität und Attraktivität für den Tourismus entlang der Sieg würde leiden, wenn dort mehr laute Güterzüge führen. Auch wenn der Lärm auf den Gleisen im Rheintal deutlich reduziert werden müsse: „Es ist keine Lösung, das Problem einfach von einer Region in eine andere zu verschieben“, so Winkelmeier-Becker mit Blick auf ihren eigenen Wahlkreis.

Lange ist es her

Südwestfalen im Allgemeinen und Siegen im Besonderen wartet seit Jahren auf die Wiederanbindung an den Fernverkehr: Im Dezember 2011 hatte die Deutsche Bahn den damaligen Eurocity von Siegen nach Klagenfurt und weiter nach Zagreb wegen zu geringer Fahrgastzahlen insbesondere bis nach Gießen nach nur zwei Jahren wieder vom Gleis genommen. Der Interregio wurde sogar bereits Ende 2002 vom Netz genommen.

Spätestens im Dezember sollte die IC-Linie 34 an den Start gehen und natürlich auch am Siegener Hbf (Bild) halten; ursprünglich sollte das Signal für die Anbindung an den Fernverkehr bereits Ende 2019 auf Grün gesprungen sein. Doch das Projekt hat die Bahn vertagt, intern. Foto: Christian Hoffmann
Ernstes Thema: CDU-Kreisvorsitzender Volkmar Klein (MdB), Staatssekretärin Elisabeth Winkelmeier-Becker und CDA-Chef Hartmut Steuber (v. l.).
Autor:

Christian Hoffmann aus Siegen

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