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Gut gemeint, schlecht durchdacht
Kein Interesse an verkaufsoffenen Sonntagen

Matthias Kirschey, Inhaber des Juweliergeschäfts Müller in Weidenau, formuliert es treffend: „Das sind Ideen, die am besten dahin verschwinden, wo sie hergekommen sind.“
  • Matthias Kirschey, Inhaber des Juweliergeschäfts Müller in Weidenau, formuliert es treffend: „Das sind Ideen, die am besten dahin verschwinden, wo sie hergekommen sind.“
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  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

sp Siegen/Weidenau. Einkaufen gehen rund um die Uhr, egal wann, egal wie lange. Stationäre Einzelhändler sollen ihre Türen jederzeit öffnen können und bis Ende des Jahres auch an Sonntagen die Möglichkeit bekommen: Das hatten laut Medienberichten das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung und der Handelsverband Deutschland (HDE) vorgeschlagen, um dem von Corona stark gebeutelten stationären Einzelhandel unter die Arme zu greifen und um in Teilen mit dem Online-Handel mithalten zu können.

Doch die Idee stößt nicht unbedingt auf Begeisterung. „Es bringt nichts, um den Umsatz zu steigern“, sagt Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Siegen.

sp Siegen/Weidenau. Einkaufen gehen rund um die Uhr, egal wann, egal wie lange. Stationäre Einzelhändler sollen ihre Türen jederzeit öffnen können und bis Ende des Jahres auch an Sonntagen die Möglichkeit bekommen: Das hatten laut Medienberichten das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung und der Handelsverband Deutschland (HDE) vorgeschlagen, um dem von Corona stark gebeutelten stationären Einzelhandel unter die Arme zu greifen und um in Teilen mit dem Online-Handel mithalten zu können.

Doch die Idee stößt nicht unbedingt auf Begeisterung. „Es bringt nichts, um den Umsatz zu steigern“, sagt Klaus Gräbener, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Siegen. Eine Umfrage im vergangenen Jahr habe gezeigt, dass 61 Prozent der Händler eine Sonntagsöffnung als keine geeignete Maßnahmen einstuften, um den Konsum anzukurbeln. Gräbener weiß: „Das ist nur für einen Teil sinnvoll. Je kleiner die Ortschaft, um so weniger lohnt sich das.“ Je ländlicher, desto geringer sei die Kundenfrequenz. Das Einzige, was dem Handel wirklich helfe, sei das Ziel, dass normales Einkaufen wieder möglich sei.

"Das ist ein Geschäft, das kein Geschäft ist."
Jochen Langenbach
Intersport Langenbach

Und was sagen die Einzelhändler selbst zur Sonntagsöffnung und zu flexiblen Öffnungszeiten? Jochen Langenbach, Inhaber des Sportgeschäfts Intersport Langenbach in Weidenau, hat eine ganz klare Meinung: „Es ist nachweislich totaler Unsinn. Das ist in der Praxis überhaupt nicht umsetzbar. Das kann kein Mensch befürworten, der bei gesundem Verstand ist.“ Er habe nur Mehrkosten, schließlich müsse das Personal mit Sonntagszuschlag bezahlt werden und für einen offenen Sonntag müsse geworben werden. Mehr Geld komme aber nicht herein, denn es kämen nicht mehr Kunden und sie würden auch nicht mehr Geld ausgeben. „Das ist ein Geschäft, das kein Geschäft ist.“

Kosten steigen, Einnahmen nicht

Die zusätzlichen Kosten, nicht nur die für das Personal, sondern auch die für die Belüftung, das Licht und für die Räumlichkeiten, hat auch Andreas Schreiber im Blick. Der Geschäftsführer des gleichnamigen Schuhhauses in Siegen sagt: „Die Kosten würden steigen, die Umsätze verlagern sich nur, steigen aber nicht.“ Wenn an Sonntagen geöffnet werden soll, dann müssten alle Geschäfte öffnen, sagt Schreiber und spricht gleichzeitig davon, den Ruhetag dann auf einen anderen Tag zu verlegen. Er fasst zusammen: „Gut finden wir das überhaupt nicht. Auch wenn man glaubt, man könnte den Einzelhandel damit retten.“

Händler sehen "völligen Blödsinn"

Deutliche Worte findet auch Matthias Kirschey, Inhaber des Juweliergeschäfts Müller in Weidenau: „Das sind Ideen, die am besten dahin verschwinden, wo sie hergekommen sind.“ Er bezeichnet den Vorstoß als „völligen Blödsinn“. Er mache keinen Sinn, so wie die Mehrwertsteuersenkung. Kirschey spricht von blindem Aktionismus. Es habe große Verluste gegeben und „irgendeiner soll die Zeche zahlen“. Für ihn rechne sich eine Sonntagsöffnung nicht. „Dann muss ich hier sieben Tage arbeiten“, merkt er an.

Und auch der Center-Manager der City-Galerie Siegen, Wladimir Senkewitsch, sagt: „Für die Mieter ist das schwierig umzusetzen.“ Sie bräuchten zusätzliches Personal. Senkewitsch glaubt nicht, dass durchgehende Öffnungen an Sonntagen bis zum Ende des Jahres, wie der HDE es vorgeschlagen hatte, Sinn machen. „Auf Dauer ist das nicht attraktiv, das muss ein Event sein.“

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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