Kein Konsens

ciu Siegen. „Arzt von Buchenwald“, „Gerechter unter den Völkern“, „Antidemokrat“ oder „ein Herr mit krimineller Energie“. Alles Attribute, die dem in Siegen geborenen Walter Krämer zugeschrieben werden – und zugesprochen. Auch gestern im Museum für Gegenwartskunst im Kulturausschuss der Stadt Siegen, als es darum ging, über den Antrag von Bündnis 90/Die Grünen um „eine angemessene Ehrung“ des 1892 in Siegen geborenen und 1941 von der SS ermordeten Mannes zu befinden. Im Wortlaut: „Der Kulturausschuss des Rates der Stadt Siegen wünscht eine angemessene Ehrung von Walter Krämer in Form einer Straßen-, Brücken- oder Platzbenennung in zentraler Lage (Siegen-Mitte).“ Die Verwaltung solle aufgefordert werden, bisherige Vorschläge und mögliche Alternativen im Ausschuss vorzustellen und einen beschlussfähigen Benennungsvorschlag vorzulegen.

Rückenwind hatten die Grünen offenbar auch durch Äußerungen von Bürgermeister Steffen Mues, er wisse nicht, was dagegen spreche, eine Straße oder einen Platz nach Walter Krämer zu benennen (was laut Katrin Dittert die Fraktion irritierte), verspürt. Unterstützung jedenfalls bekamen sie gestern seitens der SPD (Traute Fries: „Die Würdigung von Yad Vashem hebt ihn doch auf ein Podest!“) und seitens der Linken (Bernhard Nolz: „Wir wollen mehr als eine Straße, aber auch eine Straße.“). Kategorisch ablehnend war die Haltung der CDU. Katrin Dittert würdigte wohl die „unumstrittenen Verdienste“ Krämers, verwies freilich recht vehement auch auf die kriminelle und revolutionäre Vergangenheit des KPD-Mitglieds hin. Versöhnlicher klang da der Beitrag von Frieder Stöcker (FDP), der anmahnte, nicht die politische Einstellung zu würdigen, sondern Krämer „als einfachen Menschen, der in einer Zeit unmenschlicher Regeln Menschliches geleistet“ habe, zu ehren. Sein Wunsch: Die Verwaltung möge einen geeigneten Vorschlag erarbeiten.

Für die UWG-Fraktion sprach Ingrid Tielsch: Ja, eine entsprechende Neubenennung einer Straße oder Brücke oder eines Platzes sei möglich, aber nicht in der vorgeschlagenen zentralen Lage. Auch Frieder Stöcker tat sich schwer mit „Walter Krämer“ in Siegen-Mitte, worauf die Grünen diese Bezeichnung aus ihrem Beschlussvorschlag strichen. Was letztlich die Entscheidung nicht beeinflusste; sowohl UWG als auch FDP versagten die Zustimmung.

Somit blieb die vorherige Suche nach einem konsensfähigen Erinnerungsort für Krämer – Traute Fries warb sehr emotional für eine Umbenennung der Sieg- Brücke (Reichwalds Ecke/Hindenburgstraße) – letztlich ziemlich theoretisch.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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