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Stadtwald soll nicht mehr forstlich genutzt werden
Keine Axt im Walde

Ein ganzes Jahrhundert lang möchte die Stadt Siegen die Motorsägen schonen – zumindest, wenn es um die Holzernte im Weidenauer Tiergarten geht.
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  • Ein ganzes Jahrhundert lang möchte die Stadt Siegen die Motorsägen schonen – zumindest, wenn es um die Holzernte im Weidenauer Tiergarten geht.
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js Weidenau. Ein ganzes Jahrhundert lang möchte die Stadt Siegen die Motorsägen schonen – zumindest, wenn es um die Holzernte im Weidenauer Tiergarten geht. In einem Großteil des kommunalen Waldes, in dem auf einer Gesamtfläche von rund 100 Hektar teilweise mehr als 200 Jahre alte Laubbäume stehen, soll für mehrere Generationen aus der forstlichen Nutzung verzichtet werden. Das schlägt die Verwaltung der Politik vor, die Anfang Mai im Umweltausschuss einen entsprechenden Beschluss fassen soll.

Das bedeutet für die Stadt einen Ernteausfall von rund 2200 Festmetern Stamm- und Brennholz pro Jahrzehnt. Das Waldgebiet, das für 100 Jahre nicht durchforstet werden soll, ist 85,5 Hektar groß und besteht zu weiten Teilen aus ökologisch wertvollen alten Bäumen.

js Weidenau. Ein ganzes Jahrhundert lang möchte die Stadt Siegen die Motorsägen schonen – zumindest, wenn es um die Holzernte im Weidenauer Tiergarten geht. In einem Großteil des kommunalen Waldes, in dem auf einer Gesamtfläche von rund 100 Hektar teilweise mehr als 200 Jahre alte Laubbäume stehen, soll für mehrere Generationen aus der forstlichen Nutzung verzichtet werden. Das schlägt die Verwaltung der Politik vor, die Anfang Mai im Umweltausschuss einen entsprechenden Beschluss fassen soll.

Das bedeutet für die Stadt einen Ernteausfall von rund 2200 Festmetern Stamm- und Brennholz pro Jahrzehnt. Das Waldgebiet, das für 100 Jahre nicht durchforstet werden soll, ist 85,5 Hektar groß und besteht zu weiten Teilen aus ökologisch wertvollen alten Bäumen. Die Stadt beschreibt den als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesenen Tiergarten als „großen, geschlossenen Laubholzbestand, dominiert von Stieleiche und Rotbuche“. Kleinflächig kämen auch Europäische Lärche, Waldkiefer, Bergahorn, Birke, Eberesche, Hainbuche, Douglasie und Fichte vor.

Lebensraum für viele Tierarten

„Aufgrund der Borkenkäferkalamität mussten alle Fichtenbestände geerntet werden. Der historische Wald ist durch das großflächige Vorkommen alter Eichen- und Buchenbestände eine regionale Besonderheit.“ Die Altholzbestände seien geprägt von einem hohen Anteil an stehendem und liegendem Totholz, einer großen Anzahl von natürlichen Baumhöhlen. Sie böten Lebensraum für viele Tierarten, die auf diese Habitate angewiesen seien. „Darunter befinden sich auch streng geschützte Vogel- und Fledermausarten.“

Als Naherholungsgebiet und „Erlebniswald“ mit Damwildgehege ist der Tiergarten seit Jahrzehnten ein wichtiges und beliebtes stadtnahes Ausflugsziel. Die Nutzungsmöglichkeiten für die Bürger – zwei Rundwanderwege eingeschlossen – bleiben auch beim Verzicht auf forstliche Nutzung weitgehend erhalten. Einschränkungen seien höchstens bei der Pflege oder Fällung von Bäumen für die Verkehrssicherung zu erwarten.

Waldbauliche Maßnahmen

Der Verzicht auf die Holzernte lässt sicht nicht nur in Festmetern, sondern auch in Geldsummen beziffern. Auf 1,15 Millionen Euro schätzt die Stadt den Minderertrag in der Gesamtlaufzeit von 100 Jahren. Runtergerechnet aufs Jahr klingt das schon weniger dramatisch: 11 500 Euro landen weniger im Stadtsäckel. Hinzu kommen Kosten von etwa 2000 Euro im Jahr, die für eine ökologische Begleitung des Projekts zu Buche schlagen. Zur Anpassung an den Klimawandel und zum Erreichen des Schutzzwecks sind zudem waldbauliche Maßnahmen vorgesehen. Standortfremde Bäume wie Lärche und Douglasie sollen entfernt werden, damit sich die alten Eichen und Rotbuchen besser entfalten können. Auch die Schwarzwildjagd im Wald soll weiterlaufen – sie ist nötig, um Wildschäden auf angrenzenden Landwirtschaftsflächen im Wohngebiet Wellersberg zu vermeiden.

Die grün markierten Bereiche des Tiergartens sollen nicht mehr durchforstet werden.
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Profitieren soll unterm Strich aber nicht nur die Natur, sondern auch die Stadtentwicklung. Das Projekt soll sowohl ökologisch wie ökonomisch punkten. Denn: Der geplante Naturwald Stadtgarten bringt auf einer Fläche von 85,5 Hektar 2,95 Millionen Ökopunkte auf das städtische Konto, das beim Kreis Siegen-Wittgenstein als Unterer Naturschutzbehörde geführt wird. Diese Punkte können als Ausgleich für Bau- und Planungsvorhaben genutzt werden. Konkret möchte die Stadt einen ersten großen Batzen bereits für das Gewerbegebiet „Martinshardt II“ verrechnen lassen, das in Kürze entstehen soll. Eine runde Million Punkte werden dafür noch benötigt, da die Stadt derzeit nur noch etwas mehr als 230 000 solcher Punkte hat. Etwa 1,95 Millionen Punkte würden demnach noch übrig bleiben – das ist bares Geld wert: Ein Punkt wird nämlich mit bis zu 2 Euro gehandelt.

Ein ganzes Jahrhundert lang möchte die Stadt Siegen die Motorsägen schonen – zumindest, wenn es um die Holzernte im Weidenauer Tiergarten geht.
Die grün markierten Bereiche des Tiergartens sollen nicht mehr durchforstet werden.
Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

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