Keine Kontrolle in der JVA

Im Prozess um schwere räuberische Erpressung werden am Mittwoch die Plädoyers gehalten. Symbolfoto: sz

jak - Gleich zu Beginn des zweiten Verhandlungstages im Prozess gegen drei Männer, die sich der versuchten schweren räuberischen Erpressung bzw. der Anstiftung dazu schuldig gemacht haben sollen, hatte der Vorsitzende Richter der 1. Großen Strafkammer, Wolfgang Münker, eine harte Nuss zu knacken.

Noch immer ging es darum, dass drei junge Männer mit zwei Baseballschlägern in eine Wohnung am Fuße des Fischbacherbergs in Siegen eingedrungen sein sollen, um dort Geld bzw. Drogen herauszupressen. Dem Nachbar, der gemeinsam mit den bereits am ersten Verhandlungstag gehörten Zeugen in der Wohnung zugegen gewesen war, war es merklich unangenehm, als Zeuge geladen zu werden. Bei seiner Schilderung der Geschehnisse an jenem 11. August 2012 geriet der 29-Jährige immer wieder ins Stocken. Die Befragung amüsant, aber nicht sehr aufschlussreich.

Interessanter war da schon das Frage-Antwort-Spiel von Verteidiger Oliver Staab, der den 33-jährigen Angeklagten vertritt, der die drei jüngeren Männer aus dem Knast heraus angestiftet haben soll. Er wollte etwas zu den Vorgängen um die Trennung der Wohnungsinhaberin von besagtem Bexhet D. wissen. Die sagte zu einem späteren Zeitpunkt aus, sie habe sich am Tag des Haftantritts ihres Ex’ von ihm getrennt. Seine Habseligkeiten habe sie bei ihrem Nachbarn, dem gestrigen Zeugen, untergestellt. So oder so ähnlich bestätigte das Zeuge Nummer eins, der auch beobachtet hatte, dass das von Bexhet und Mieterin angeschaffte Cabriolet von ihr gefahren worden sei. Oliver Staab nahm die 22-Jährige anschließend „in die Zange“ und sprach sie auf ein Anwaltsschreiben an, das seinem Mandaten in die Zelle geflattert kam. Inhalt: Die Ex wolle das gemeinsam erworbene Auto nicht länger behalten. Das Schriftstück wurde nur wenige Tage nach dem in Rede stehenden Überfall verfasst. Vermutliche Intention Staabs: Warum hätte der Angeklagte 2000 Euro freipressen lassen sollen, wenn er das Auto eigentlich gar nicht zurück hätte haben wollen? Eine weitere Verteidigungslinie des Kölners brach in sich zusammen, als ein Mitarbeiter der JVA Attendorn angab, weder Briefe noch Telefongespräche der Insassen der geschlossenen Zugangsabteilung würden kontrolliert. „Das ist die einzige JVA in ganz NRW, in der so etwas möglich ist“, polterte der Advokat.

Münker verwies abschließend darauf, dass sich die beiden Angeklagten in ihren Einlassungen zu Beginn des Prozesses sogar schwerer belastet hätten, als dies die Anklage vorsah. Die Plädoyers werden in der nächsten Verhandlung am kommenden Mittwoch gehalten.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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