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Tag der Arbeit wegen Corona nur im Netz
Keine Kundgebung am 1. Mai

Eine Kundgebung am Tag der Arbeit, wie sie im vergangenen Jahr in Siegen stattfand, wird es 2020 nicht geben.
  • Eine Kundgebung am Tag der Arbeit, wie sie im vergangenen Jahr in Siegen stattfand, wird es 2020 nicht geben.
  • Foto: ihm (Archiv)
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

mir Siegen. Menschenmengen sind in Coronazeiten verpönt, selbst bei dreien ist einer zu viel: Ergo bleiben am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, die roten Fahnen eingerollt. Kein Demonstrationszug durch die Stadt zum Siegener Kornmarkt, keine öffentliche Kundgebung mit flammenden Appellen. Erstmals verzichten die Gewerkschaften – coronabedingt – auf alle üblichen Aktionen im Freien.
Die einzig machbare Alternative: „Wir transportieren unsere Botschaften zum 1. Mai digital im Netz“, kündigt der Siegener DGB-Chef Ingo Degenhardt an. Degenhardt, sein Olper IG Metall-Pendant André Arenz und der Kollege aus dem HSK-Kreis haben Video-Botschaften vorbereitet, dazu werden zwei Mai-Redner ebenfalls per Videos zugeschaltet.

mir Siegen. Menschenmengen sind in Coronazeiten verpönt, selbst bei dreien ist einer zu viel: Ergo bleiben am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, die roten Fahnen eingerollt. Kein Demonstrationszug durch die Stadt zum Siegener Kornmarkt, keine öffentliche Kundgebung mit flammenden Appellen. Erstmals verzichten die Gewerkschaften – coronabedingt – auf alle üblichen Aktionen im Freien.
Die einzig machbare Alternative: „Wir transportieren unsere Botschaften zum 1. Mai digital im Netz“, kündigt der Siegener DGB-Chef Ingo Degenhardt an. Degenhardt, sein Olper IG Metall-Pendant André Arenz und der Kollege aus dem HSK-Kreis haben Video-Botschaften vorbereitet, dazu werden zwei Mai-Redner ebenfalls per Videos zugeschaltet.

IG Metall will noch aktiver sein

In Reihen der IG Metall ist die Hauptbotschaft zum 1. Mai seit Langem bekannt: „Wir stehen auf gegen jede Art von Populismus“, sagt 1. Bevollmächtigter Andree Jorgella aus Siegen. „Und wir müssen gemeinsam mehr aktiv sein als bisher.“ Diese Botschaft an die werktätige Bevölkerung habe man bereits vor dem Corona-Crash formuliert, daran werde sich selbst in Zeiten der globalen Seuche nichts ändern: „Jetzt, wo alles still steht, bekommt der Begriff der Reisefreiheit einen ganz neuen Touch.“

Unternehmen am Leben halten

Das Coronavirus hat vieles im Arbeits- und Wirtschaftsleben der Region Südwestfalen durcheinander gewirbelt. Kampfparolen vergangener Jahre kommen Jorgella denn auch nicht über die Lippen. Im Gegenteil: „Wir werden alles tun, um die von Kurzarbeit und Insolvenz bedrohten Unternehmen am Leben zu erhalten“, lautet die Devise weit über den „Feiertag“ am 1. Mai hinaus. Es gehe darum, gemeinsam durch die Krisenzeit zu gehen. Aber auch in einer hoffentlich bald beginnenden Nach-Corona-Epoche müsse man zusammenstehen. Ja, es gebe so etwas wie eine stille Übereinkunft mit den Arbeitgebern der Metall- und Elektroindustrie. Jorgella hat trotzdem Sorge, dass nach der Krise die arbeitenden Menschen und ihre Bedürfnisse leicht vergessen werden könnten.
In Sachen Kurzarbeit steht die Metallindustrie vor nicht gekannten Herausforderungen. Vor Corona seien die Zahlen zur Kurzarbeit sehr moderat gewesen, sagt Jorgella, „jetzt in der Krise sind sie explosionsartig in die Höhe geschnellt“. Die Fallzahlen seien weitaus größer als bei der Finanzkrise 2008/2009.

Gewerkschaft sorgt sich

Es seien ein paar Betriebe dabei, bei denen man sich Sorgen um den Fortbestand machen müsse. Jorgella: „Die standen aber auch schon vor der Corona-Zeit schlecht da. Es sind Zeitbomben vorhanden, wir versuchen, die zu entschärfen.“ Namen täten nichts zur Sache, die Gewerkschaft wolle kein Unternehmen durch eine vorschnelle Namensnennung in der Öffentlichkeit gefährden.
Nur ein Beispiel: In der Vor-Corona-Ära habe es bei einem hiesigen Unternehmen im öffentlich bekannten Insolvenzprozess gute Ansätze für den Einstieg eines ausländischen Investors gegeben. Durch das Virus und die daraus resultierende Konfusion sei diese Aktivität aber komplett zum Erliegen gekommen.

Verdi will Arbeitsplätze erhalten

Etwas differenzierter beurteilt Jürgen Weiskirch, Bezirksgeschäftsführer der Gewerkschaft Verdi, die Sachlage zum 1. Mai: „Es geht uns allen um den Erhalt der Arbeitsplätze, ganz klar, aber nicht um jeden Preis. Es bröckelt. Zum Beispiel wird der Schutz der Beschäftigten im öffentlichen Dienst höchst unterschiedlich gehandhabt. Bei den Kitas ist es bedenklich.“

Etliche Branchen im Ungewissen

Sorgen gibt es laut Weiskirch in ganz vielen Sparten: „Was wird mit den Bädern und vor allem dem Personal?“ Sportstätten könnten lange Zeit nicht genutzt werden, außerdem gebe es in Vereinen Jobs und entsprechend Leute, die vor unkalkulierbaren Zeiten ständen. Busse und Bahnen, noch so ein heikler Bereich: „Wie steht es um den dauerhaften Gesundheitsschutz der Busfahrer?“
Weiskirch schneidet ein Thema an, das in der Öffentlichkeit noch keine Relevanz hat: „Banken haben in Coronazeiten ihre Schalter und ihre Filialen geschlossen. Was wird daraus? Werden die wieder alle geöffnet?“ Nicht ausgeschlossen, dass sich Geldinstitute anschicken könnten, was in Coronazeiten funktioniere, sei auch später bestens tauglich. „Da steckt einiges drin, das könnte viele Arbeitsplätze in der Zukunft kosten“, glaubt der Gewerkschafter.

Vorteile auf Kosten der Mitarbeiter durch Corona

Wo man auch hinschaut, überall tauchen massive Probleme, Sorgen und Nöte rund um Corona auf. So auch im Einzelhandel. Die Arbeitgeberseite diskutiere ernsthaft über eine umfassende Sonntagsöffnung der Läden. Auch Zwangsurlaub von Beschäftigten sei in Coronazeiten ein leidiges Thema. Aus Sicht des Gewerkschafters Weiskirch ein Unding: „Das bezeichne ich mal als Mitnahme-Effekt. Es wird versucht, aus der Coronakrise Vorteile auf Kosten der Mitarbeiter zu erzielen.“

Runder Tisch gewünscht

Den Kopf in den Sand stecken, das wollen die Gewerkschaften zum 1. Mai auf keinen Fall. Jürgen Weiskirch sieht Rede- und Diskussionsbedarf, wie die Probleme während und nach Corona in der Region angepackt und gemeinsam gelöst werden könnten: „Ich wünsche mir dazu einen runden Tisch.“ Mit Arbeitgebern, IHK, Handwerkskammer, der öffentlichen Hand, der Agentur für Arbeit und selbstredend den Gewerkschaften.

Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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