Zwei Wittgensteiner Standorte werden geprüft
Keine Wasserstandsmeldung zu dritter Talsperre

Die Kreisverwaltung prüft derzeit intensiv, ob in Siegen-Wittgenstein noch eine dritte Talsperre errichtet wird.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

sp/vö Siegen/Bad Berleburg. Auch die ergiebigen Regenfälle im Mai dürften noch keine Trendwende bedeuten: Vor einer Trinkwasserknappheit warnte jetzt laut Redaktionsnetzwerk Deutschland das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Extreme Wetterlagen, sinkendes Grundwasser und die Konkurrenz zu Landwirtschaft könnten zukünftig für Probleme bei der Wasserversorgung führen. Einige Kommunen müssten sich bereits jetzt Gedanken machen.

Wie sieht es hier in der Region aus? Mit der Frage setzen sich der Wasserverband Siegen-Wittgenstein und der Kreis Siegen-Wittgenstein intensiv auseinander. Ein Gutachten wurde in Auftrag gegeben, das feststellen soll, ob eine dritte Talsperre im Kreisgebiet sinnvoll sein könnte und wenn ja, wo genau. Geprüft werden, wie berichtet, zwei mögliche Standorte: das Truftetal (bei Bad Berleburg) und das Elberndorftal (zwischen Erndtebrück und Hilchenbach).

Kreis wegen dritter Talsperre in intensiven Untersuchungen

„Wir sind in intensiven Untersuchungen“, sagt Arno Wied, Dezernent für Bauen und Umwelt beim Kreis Siegen-Wittgenstein. Wasserstandsmeldungen gibt der Wittgensteiner keine ab – nur so viel: Ende dieses Jahres soll das Ergebnis vorliegen. Prognosen zeigten, dass es zukünftig hier in der Region mehr Niederschlag geben werde, aber „wir werden mehr kurze und heftige Regenfälle haben“, die lokal zu erwarten seien. Dieses Wasser werde über die Flüsse abtransportiert, ohne die Wasserspeicher aufzufüllen. „Da sehen wir schon ein Problem.“ Außerdem fielen mehr und mehr die Schneedecken weg, die langsam „abgebaut“ würden.

Bei mehreren regenreichen Tagen – wie zuletzt im Mai – entsteht schnell der Eindruck, dass die Talsperren sich mit Wasser füllen. Mit dieser Vorstellung muss Dirk Müller, Geschäftsführer und Technischer Leiter des Wasserverbands Siegen-Wittgenstein, aufräumen, denn ganz so einfach ist das nicht. „Die Talsperren sind nicht voll.“ Das gelte sowohl für die Obernau-Talsperre, als auch für die Breitenbach-Talsperre.

"Wir werden mehr kurze und heftige Regenfälle haben."
Arno Wied
Bau- und Umweltdezernent Kreis Siegen-Wittgenstein

Die Niederschläge der vergangenen Wochen hätten nicht dazu geführt, dass die Stände der Talsperren gestiegen seien, erklärt Müller. Das hat mehrere Gründe. Zum einen: Es regnet oft nur punktuell und nicht im gesamten Einzugsgebiet der Talsperren.

Bäche Indikator für Talsperren

Und: Entscheidend für die Talsperren seien die Niederschläge im Winter, so Müller. Ob der Regen tatsächlich eine Wirkung auf den Wasserstand habe, könne man an Bächen beobachten. Wenn die über die Ufer träten, komme auch in den Talsperren etwas an. „Aber da fehlt teils ein halber Meter“, stellt Müller bei seinen Beobachtungen fest.

Der Wasserverband Siegen-Wittgenstein versorgt rund 300 000 Einwohner mit Wasser. Die beiden Talsperren und elf weitere Gewinnungsanlagen, die im Kreis verteilt liegen, sorgen dafür, dass das Wasser fließt, wenn in der Region der Hahn aufgedreht wird. Die größte Gewinnungsanlage ist das Grundwasserwerk Siegtal – zwei Millionen Kubikmeter Wasser werden hier im Jahr gewonnen.

Teilweise Hilfe von Tankwagen

In einzelnen, etwas abgelegeneren Orten hätten die Gewinnungsanlagen in den vergangenen Jahren nicht mehr ausgereicht, weiß Arno Wied. Hier habe man mit Tankwagen nachhelfen müssen. „In der Vergangenheit gab es das nicht.“ Es seien die ersten Anzeichen dafür, dass es zukünftig knapp werden könnte. Aus Sicht der Kreisverwaltung sei eine weitere Talsperre sinnvoll und notwendig, so Wied. Er gibt zu bedenken, dass bis zum Beginn der Umsetzung noch etwa ein Jahrzehnt ins Land ziehe.

Einschränkungen bezüglich der Trinkwassernutzung musste es in den vergangenen Dürrejahren bislang nicht geben. Im Herbst 2019 sei man aber nicht weit davon entfernt gewesen, erinnert sich Wied. Er und auch Müller rufen deshalb dazu auf, sorgsam mit dem wertvollen Gut umzugehen.

Das Fazit des Wasserverbandes: In diesem Jahr wird es keine Engpässe mit der Trinkwasserversorgung geben.

Keine Wirkung auf Wasserstand

1,25 Million Kubikmeter Wasser flossen im März aus dem Einzugsgebiet (ca. 21 Quadratkilometer) in die Obernautalsperre, im April 1,3 Millionen Kubikmeter und bis Ende Mai waren es etwa 1,8 Millionen Kubikmeter. Eine Wirkung auf den Wasserstand hatte das kaum.

Die Breitenbachtalsperre hat ein etwa 11,6 Quadratkilometer großes Einzugsgebiet. Im März flossen 917 000 Kubikmeter, im April waren es 866 000 Kubikmeter und im Mai 1,2 Millionen Kubikmeter. Mitbedacht werden muss, dass eine große Menge verdunstet. Im März/April waren es beispielsweise 33 000 Kubikmeter.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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