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Parken auf Sensorparkplatz überzogen
Keine zwei Minuten Kulanz

Das Knöllchen belegt die Parkzeit von 92 Minuten. Wegen der überzogenen zwei Minuten musste eine Frau 30 Euro an „Park & Control“ zahlen.
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  • Das Knöllchen belegt die Parkzeit von 92 Minuten. Wegen der überzogenen zwei Minuten musste eine Frau 30 Euro an „Park & Control“ zahlen.
  • Foto: Michael Roth
  • hochgeladen von Tim Lehmann (Redakteur)

mir Weidenau. Im Siegener Stadtteil Weidenau ist manches anders als sonstwo. Der Weihnachtsmarkt heißt jetzt „Adventszauber“, die legendäre Schweinchenbahn ist geblieben, ebenso das Gerangel zwischen Werbegemeinschaft und Aktivkreis (die SZ berichtete). Irritationen gibt es jetzt auch beim Parken auf dem großen Parkplatz zwischen Kaufhaus Wagener und dem städtischen Parkhaus gegenüber.
Wie es sich für ein Kaufhaus mit Anspruch gehört, haben Kunden absoluten Vorrang. Auf den dafür vorgesehenen eigenen Parkflächen – zwei Reihen mit 33 Plätzen – standen bisher oft Dauerparker. Mittlerweile hat das bundesweit tätige Serviceunternehmen „Park & Control“ die Bewirtschaftung übernommen. 90 Minuten darf kostenlos geparkt werden, danach wird ein Bußgeld fällig. 30 Euro sind der Regelsatz.

mir Weidenau. Im Siegener Stadtteil Weidenau ist manches anders als sonstwo. Der Weihnachtsmarkt heißt jetzt „Adventszauber“, die legendäre Schweinchenbahn ist geblieben, ebenso das Gerangel zwischen Werbegemeinschaft und Aktivkreis (die SZ berichtete). Irritationen gibt es jetzt auch beim Parken auf dem großen Parkplatz zwischen Kaufhaus Wagener und dem städtischen Parkhaus gegenüber.
Wie es sich für ein Kaufhaus mit Anspruch gehört, haben Kunden absoluten Vorrang. Auf den dafür vorgesehenen eigenen Parkflächen – zwei Reihen mit 33 Plätzen – standen bisher oft Dauerparker. Mittlerweile hat das bundesweit tätige Serviceunternehmen „Park & Control“ die Bewirtschaftung übernommen. 90 Minuten darf kostenlos geparkt werden, danach wird ein Bußgeld fällig. 30 Euro sind der Regelsatz. Wichtig: Auf den Stellflächen angebrachte Sensoren messen die geparkte Zeit. Auf zwei großen Schildern werden parkende Kunden darauf aufmerksam gemacht. Eigentlich dürfte alles in Ordnung sein.

90-minütige Parkzeit knapp überschritten

Weit gefehlt. Am 12. November parkte eine ältere Mitbürgerin ihr Auto auf eben diesem Sensorparkplatz. Von 11.56 bis 13.28 Uhr, die 90-minütige Parkzeit war um zwei (!) Minuten überschritten. Ihre Parkscheibe hatte die Dame auf 12 Uhr eingestellt – ein durchaus üblicher Vorgang auf sonstigen Parkplätzen. „Auf normalen Parkscheiben-Parkplätzen wären die 90 Minuten nicht abgelaufen“, beklagt Fionn Behrens als Verwandter. Trotzdem gab es ein „Knöllchen“ über 30 Euro.
„Park & Control“ betrachtet auch in dem Fall die Sach- und Rechtslage nüchtern nach den geltenden AGB. „Eine Kulanzzeit gibt es an diesem Standort nicht“, lautet die strikte Antwort einer vom Unternehmen „Park & Control“ mit dem Fall beauftragten Agentur. Positive Erfahrungsberichte hätten gezeigt, dass die Parkzeit von 90 Minuten ausreichend sei, um Einkäufe stressfrei zu erledigen, heißt es weiter.

Zehn Minuten sollten eigentlich geduldet sein

Zwei Minuten Kulanz, nach menschlichem Ermessen müsste das eigentlich möglich sein. Oder? Zumal „P & C“ eine Überschreitung der Parkzeit von bis zu zehn Minuten dulden soll, wie es ein Unternehmenssprecher vor einiger Zeit in einem bundesweit erscheinenden Magazin bekundet haben soll. In dem Fall greift diese Aussage allerdings nicht.
Behrens’ Kritik geht noch einen Schritt weiter: Auf einem Hinweisschild seien eine Fülle an Bedingungen zu den Nutzungsbestimmungen aufgeführt. Gerade ältere Menschen fühlten sich von der Masse der Zeilen erschlagen, die Schrift sei betont klein. Niemand könne in kurzer Zeit nachvollziehen, was erlaubt und was verboten sei.
Auch in dem Punkt weist „Park & Control“ die Kritik pauschal zurück. Ein neues Beschilderungskonzept informiere den Endverbraucher „klar und verständlich“ über die Bestimmungen, die Schriftgröße sei ausreichend. Auf die Höchstparkdauer und die Vertragsstrafe werde separat auf Infoschildern hingewiesen.

Günstige Alternativen in der Nähe

Wie in solchen Fällen üblich, die SZ sah sich vor Ort um. Rein zufällig traf der Redakteur ein Team des Ordnungsamtes bei der Arbeit an. Der größere Teil dieses Parkplatzes am EKZ Weidenau ist nämlich im städtischen Besitz. An alten, unscheinbaren Parkscheinautomaten müssen Nutzer 60 Cent pro Stunde zahlen. Keine 90 Minuten freies Parken wie nebenan.
Das Ordnungsamt kennt aber die eigentliche Problemzone, für die man jedoch nicht zuständig ist: Zwischen dem „Subway“ und dem städtischen Parkhaus gibt es noch einen zweiten mit Sensoren bestückten Eckparkplatz (22 Plätze). Jede Parkbucht hat eine Nummer. Auch diese Fläche wird offenbar von „P & C“ bewirtschaftet. Aber: Kein Schild oder Banner weist darauf hin. Einzig die Sensoren im Boden deuten an, hier wird nach 90 Minuten ebenfalls kräftig kassiert. In der Regel 30 Euro.
Hartnäckig halten sich Gerüchte, die Mitarbeiter von „P & C“ würden nach Erfolgsquoten – im Volksmund Kopfprämien genannt – bezahlt. „P & C“ streitet das ab, die Mitarbeiter hätten keine Quoten zu erfüllen. Auch die Auftraggeber erhielten keine Provision.

Massive Drohungen im Inkassoverfahren

Fazit im Fall Weidenau: Kaufhaus-Kunden parken 90 Minuten kostenlos. Wer mit einer Stunde freiem Parken auskommt, ist im Parkhaus des Einkaufszentrums ebenfalls gut bedient. Und: Im Stadt-Parkhaus kostet die Stunde 60 Cent, eine durchaus verkraftbare Parkgebühr. Wer ein paar Meter laufen kann, dem steht der Bismarckplatz zum Parken offen – gegen Gebühr. Es gibt also Möglichkeiten, die als Abzocke empfundene Zahlung von 30 Euro an „P & C“ zu umgehen.
Ein zweites Aber: Sehr zum Bedauern von Fionn Behrens hat seine Verwandte trotz anfänglichen Widerspruchs mittlerweile die 30 Euro an „P & C“ überwiesen. Weil die Drohungen im Inkassoverfahren so massiv wurden, dass die Frau es mit der Angst zu tun bekam. Auch das gehört zum Geschäftsgebaren dieses Dienstleistungsunternehmens.

Park & Control

Als Tochtergesellschaft der Apcoa Parking ist „Park & Control“ ein eigenständiger Bewirtschafter von unbeschrankten Parkflächen auf Privatgelände. Sich selbst sieht das Unternehmen als „ein wichtiges Regulativ für den ruhenden Verkehr“, man sorge dafür, dass Parkräume nicht zweckentfremdet oder rechtswidrig genutzt werden. Überall im Bundesgebiet häufen sich die Beschwerden über dreiste Abzocke des Unternehmens auf Parkplätzen von Handelsketten, Supermärkten und Discountern.

Das Knöllchen belegt die Parkzeit von 92 Minuten. Wegen der überzogenen zwei Minuten musste eine Frau 30 Euro an „Park & Control“ zahlen.
So schön sich alles in der Autoscheibe spiegelt, das Parken in Weidenau am EKZ hat so manchen Konflikt verursacht.
Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

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