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Generelle Grippe-Impfung bei Kindern
Kinderarzt a. D. äußert Bedenken

Dr. Wolfram Hartmann äußert Bedenken gegen Empfehlung einer generellen Grippe-Impfung bei Kindern.
  • Dr. Wolfram Hartmann äußert Bedenken gegen Empfehlung einer generellen Grippe-Impfung bei Kindern.
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sabe Siegen. Nicht mehr lange, dann geht sie wieder los, die Grippesaison. Von Anfang Oktober bis Ende März verbreiten sich die Influenzaviren auf der Nordhalbkugel besonders stark – gerade mit Blick auf das laufende Corona-Pandemiegeschehen ein facettenreiches Problem, das Expertenmeinungen und Empfehlungen schon jetzt in zwei Lager teilt. Gerade die Frage nach einer generellen Impfung gegen Influenza bei Kindern ist eine, an der sich Gemüter erhitzen und Meinungen reiben.
Flächendeckende Impfung empfohlenIm Gespräch mit der SZ hat sich Dr. Christoph Grabe, Leiter des Siegener Kreisgesundheitsamtes, jüngst für eine flächendeckende Impfung – gerade auch für den Nachwuchs – ausgesprochen.

sabe Siegen. Nicht mehr lange, dann geht sie wieder los, die Grippesaison. Von Anfang Oktober bis Ende März verbreiten sich die Influenzaviren auf der Nordhalbkugel besonders stark – gerade mit Blick auf das laufende Corona-Pandemiegeschehen ein facettenreiches Problem, das Expertenmeinungen und Empfehlungen schon jetzt in zwei Lager teilt. Gerade die Frage nach einer generellen Impfung gegen Influenza bei Kindern ist eine, an der sich Gemüter erhitzen und Meinungen reiben.

Flächendeckende Impfung empfohlen

Im Gespräch mit der SZ hat sich Dr. Christoph Grabe, Leiter des Siegener Kreisgesundheitsamtes, jüngst für eine flächendeckende Impfung – gerade auch für den Nachwuchs – ausgesprochen. Damit könne vermieden werden, dass „normale“ Influenza-Patienten in Krankenhäusern versorgt werden müssen. Auch der Gesundheitsminister (Jens Spahn, CDU), gliedert sich in die Reihe derer Meinungsträger ein, die breitflächig für die Influenza-Impfung werben. Tenor: Ein Zusammentreffen von Influenza- und Covid-19-Infektion kann zu erheblichen Komplikationen führen.

Grippe-Impfstoff ausreichend?

Eine Fürsprache, an der sich Dr. Wolfram Hartmann, Kreuztaler Kinderarzt a. D., allein schon mit Blick auf den Zahlenvergleich stört. Auch wenn die Anzahl an Grippestoffimpfdosen erhöht worden sei – im vergangenen Jahr 21 Millionen, in diesem 25 Millionen Stück – gehe das schon rein rechnerisch nicht auf. „Wir haben allein 18 bis 19 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland, bei breitflächiger Impfung aller, reicht der Impfstoff mit Blick auf weitere Personengruppen nicht aus. Der Empfehlung der STIKO (Ständige Impfkommission) folgend, spricht Hartmann sich also nur dann für eine Influenza-Impfung beim Nachwuchs aus, zählt der zur Gruppe der Risikopatienten.

Unnötige Diskussionen vermeiden

Zwar wäre es „insgesamt sinnvoll“, die Bevölkerung in Anbetracht der Tatsachen breitflächig durchimpfen zu lassen – „wir wissen schon lange, dass Kinder und Jugendliche wesentliche Überträger sind – wenn Ressourcen nicht verfügbar und Engpässe absehbar seien, handele es sich aber um leere Versprechungen, die Ärzte und Ärztinnen in Erklärungsnot brächten. „Das ist ein Riesen-Dilemma.“ Also: „Wenn solche Empfehlungen öffentlich gemacht werden, muss dafür gesorgt werden, dass genügend Impfstoff vorhanden ist und die Empfehlungen der zuständigen STIKO, die für Ärztinnen und Ärzte Leitliniencharakter haben, entsprechend angepasst werden. Unnötige Diskussionen in den Praxen könnten dann vermieden werden.“Ein mögliches Szenario, das dem 75-Jährigen mit über 30 jähriger Praxistätigkeit in Kreuztal und langjähriger Funktion als Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Deutschlands, Unwohlsein macht. „Wie soll man impfwilligen Eltern in der Praxis das erklären...?“

Bestimmte Gruppen vorrangig impfen

Problem: Eine Nachjustierung in Sachen Grippeimpfstoffdosen für 2020 ist im Zuge des Entwicklungszeitraum nicht möglich: „Die Herstellungsdauer beläuft sich auf fünf bis sechs Monate und richtet sich in der Produktionsanzahl an dem Richtwert des Vorjahres aus.“ So sei es wichtig, sich an der Empfehlung des RKI zu orientieren: Ältere Menschen über 60, Patienten mit Grunderkrankungen und für medizinisches Personal in Krankenhäusern, Pflege- und Seniorenheimen und im Gesundheitswesen sowie Schwangere sollten sich Ende Oktober, Anfang November impfen lassen. Seien diese Gruppen ausreichend geimpft, könnten sie im besten Fall auch nicht von einem Kind angesteckt werden.

Autor:

Sarah Benscheidt (Redakteurin) aus Siegen

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