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Anna Hermann gründete Modelabel „YASS Things“
Kinderzimmer statt Garage

„Die Idee war da, doch der Mut zum Schritt in die Selbstständigkeit fehlte.“ Lange hatte Anna Hermann gezögert – bis sie dann das „Businessplan-Seminar“ von Prof. Dr. Joachim Eigler an der Universität Siegen besucht hat.
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  • „Die Idee war da, doch der Mut zum Schritt in die Selbstständigkeit fehlte.“ Lange hatte Anna Hermann gezögert – bis sie dann das „Businessplan-Seminar“ von Prof. Dr. Joachim Eigler an der Universität Siegen besucht hat.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sz Siegen. Gründen an sich ist ja schon nicht einfach. Man braucht eine Idee, einen Business-Plan, Disziplin und Ehrgeiz, am besten eine Menge Startkapital und Durchhaltevermögen. Wer all das mitbringt, wird meist erfolgreich.
Und dann kommen sie um die Ecke: die Gründer, die mit einem nachhaltigen Unternehmen auch noch ganz nebenbei die Welt retten wollen. Für viele ist der „faire“ Aspekt oft eine größere Hürde als gedacht. Es geht plötzlich um viel mehr als um das Gründen allgemein.
Neben alltäglichen, unternehmerischen Tätigkeiten muss man sich mit fairen Löhnen und Arbeitsstätten, nachhaltigen Materialien und CO2-Bilanzen auseinandersetzen. So auch in der Modebranche. Viele Marken kämpfen hier um wichtige Fashion-Siegel und Zertifikate, um den eigenen Öko-Standard zu bestätigen.

sz Siegen. Gründen an sich ist ja schon nicht einfach. Man braucht eine Idee, einen Business-Plan, Disziplin und Ehrgeiz, am besten eine Menge Startkapital und Durchhaltevermögen. Wer all das mitbringt, wird meist erfolgreich.
Und dann kommen sie um die Ecke: die Gründer, die mit einem nachhaltigen Unternehmen auch noch ganz nebenbei die Welt retten wollen. Für viele ist der „faire“ Aspekt oft eine größere Hürde als gedacht. Es geht plötzlich um viel mehr als um das Gründen allgemein.
Neben alltäglichen, unternehmerischen Tätigkeiten muss man sich mit fairen Löhnen und Arbeitsstätten, nachhaltigen Materialien und CO2-Bilanzen auseinandersetzen. So auch in der Modebranche. Viele Marken kämpfen hier um wichtige Fashion-Siegel und Zertifikate, um den eigenen Öko-Standard zu bestätigen.
Für zwei Gründerinnen stand von Anfang an fest: Uns gibt’s nur umweltfreundlich. Anna Hermann gründete 2019 ihr Modelabel „YASS Things“ und steht gerade erst in den Startlöchern ihrer Karriere. Claudia Lanius ist schon seit vielen Jahren mit an der Spitze des deutschen Fair-Fashion-Marktes. Im SZ-Gespräch erzählen die Frauen von ihrem Weg in die Selbstständigkeit, den Problemen und Erfolgen.

"Mach das, was dir Spaß macht"

Viele der erfolgreichsten Gründer fingen mal klein an. Egal ob Steve Jobs, Mitgründer von Apple, oder Sophia Amoruso mit dem Internethandel von Vintage-Mode. Sie alle waren jung und unerfahren, aber noch eine Eigenschaft eint sie: Sie waren mutig. Und das brachte Erfolg. So auch bei „YASS Things“.
Anna Hermann studierte Management und Märkte an der Universität Siegen. Die 25-Jährige war immer schon kreativ, zeichnete und fotografierte gerne, interessierte sich für Mode und Nachhaltigkeit. Ihr Traum war es, eines Tages erfolgreiche Gründerin zu sein und dabei ihre Interessen mit einzubringen. „Mach das, was dir Spaß macht“, war ihr Leitgedanke.

Anna Hermann verbreitet ihre Message auf T-Shirts

Die Idee für ihr Unternehmen kam mit einem Freund: Sie fotografierten Models, teils freizügig, doch immer mit dem Fokus auf das emanzipierte, starke Bild der Frau. „Ich bin nicht feministisch, aber Frauen haben’s einfach drauf“, so Anna Hermann. Diese Message wollte sie verbreiten. Warum also nicht auf T-Shirts? Die begabte Studentin zeichnete Mode auf ihrem Tablet und hatte plötzlich einen Traum.
Doch interessierten sich die Leute dafür überhaupt? Anna Hermann startete einen Instagram-Kanal, schaltete Umfragen und schnell stand fest: Die von ihr designten T-Shirts waren tatsächlich von Interesse. „Doch zur Umsetzung fehlte mir der letzte Push“ so die junge Gründerin. „Die Idee war da, doch der Mut zum Schritt in die Selbstständigkeit fehlte.“

Ihre Designs zeichnet die junge Gründerin auf ihrem Tablet vor, gedruckt wird in Köln.

Das änderte sich mit dem „Businessplan-Seminar“ von Prof. Dr. Joachim Eigler an der Universität Siegen. „In dem Seminar erstellen die Studenten Geschäftsmodelle und Businesspläne. Wir bringen ihnen hierfür die Grundlagen und das Know-how zur Unternehmensgründung bei“, beschreibt Eigler die Veranstaltung. Der Professor für Medienmanagement war für die medienaffine, junge Gründerin die perfekte Unterstützung. „Ich hatte vorher keine Ahnung, wie man gründet. Im Seminar wurde ich damit sehr gut vertraut gemacht“, erklärt sie. „Und dann wusste ich, dass ich es schaffen kann.“
Doch wenn Idee und Businessplan stehen, wie geht es dann weiter? „Ich habe erst mal ganz banal gegoogelt: Wo kann ich nachhaltige T-Shirts fair produzieren lassen?“, verrät sie schmunzelnd. „Auch ich hab’ ganz unerfahren angefangen.“ Die 25-Jährige recherchierte Tag und Nacht, und so langsam geriet der Stein ins Rollen.

"Öko kann auch sexy"

T-Shirts kauft sie nun schon vorproduziert ein, lässt diese dann in Köln mit ihren eigenen, gezeichneten Designs drucken. Zu sehen sind rebellische Frauen mit viel Selbstbewusstsein. „Öko kann auch sexy“, beschreibt sie selbst ihre Mode. Die in Köln bedruckte Kleidung werde von ihrem Kinderzimmer aus verschickt, das sei „etwas gemütlicher als eine Garage“.
Sie habe Fehler gemacht, viel Geld und vor allem auch Zeit verloren. „Das erzählt einem keiner, bevor man anfängt, selbstständig etwas aufzubauen“, gibt sie zu bedenken.
Ihr Traum ist es, eines Tages richtig erfolgreich zu werden. Momentan verkaufe sie über meinen eigenen Onlineshop und eine Boutique in der Siegener Oberstadt. „Aber man muss groß denken, um Großes zu erreichen“, visualisiert die ehemalige Studentin.

Claudia Lanius gründete Modelabel "Lanius"

Als „Fair Fashion“ noch kein Trend war und „Öko-Mode“ ein eher abwertender Begriff, wollte sie etwas verändern: Claudia Lanius packte all ihren Mut zusammen und rief das nachhaltige Modelabel „Lanius“ ins Leben.
Es funktionierte: Die 1999 gegründete Firma ist heute Vorreiter in Sachen nachhaltiger Mode.
Dass hinter jeder Gründung nicht nur eine Idee, sondern auch ein Traum und eine Vision stecken, bestätigt die Kölnerin. „Auch ich hatte Vorbilder, von denen ich viel gelernt und zu denen ich aufgeschaut habe. Will man es wirklich, schafft man es auch, man muss sich nur trauen“, verrät Claudia Lanius.

Claudia Lanius ist Vorreiterin im Bereich nachhaltige Mode.

Doch auch die erfolgreiche Gründerin hatte anfangs Bauchschmerzen beim Schritt in die Selbstständigkeit. „Ich hatte mich gerade von meinem Mann getrennt, war alleine mit meiner fünfjährigen Tochter und hatte mit Anfang 30 keinen finanziellen Background. Ich war eine One-Woman-Show.“ Zu der Zeit hatte die Rolle der Frau noch eine andere Definition. „Ich dachte immer, ich müsse eine super Hausfrau und Mami sein. Aber ich habe mich dazu entschieden, gegen den Strom zu schwimmen, und habe gegründet“. Als Frau und Mutter müsse man deswegen aber keineswegs zurücktreten: „Ich habe auch heute noch ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Tochter Annabelle.“
Dass die selbstständige Unternehmerin dieses große Risiko einging, machte sich bezahlt. „Lanius“ ist heute ein erfolgreiches Modeunternehmen mit Onlineshop, vier eigenen Stores in Köln und etlichen weiteren Verkaufsflächen in Boutiquen und anderen Läden. „Ich würde mich immer wieder fürs Weitermachen entscheiden. Meine Leidenschaft zum Kreieren und für nachhaltige Textilien war schon immer groß und ist nach wie vor nicht erloschen.“

Stolz auf das bisher Erreichte

Auch Claudia Lanius startete mit einer Idee, es folgte ein Business-Plan. „Dabei war ich sehr kurz gebunden aufgestellt. Am Anfang zählte nur, das nächste Jahr zu überleben“, erinnert sie sich. „Ich habe zunächst sehr klein und risikobewusst geplant.“ Durch die Decke zu schießen, kam für sie nie infrage. „Für mich war es wichtig, langsam und homogen zu wachsen. Ich denke, das sind die Hauptgründe für unseren nachhaltigen Erfolg.“
Die Kölnerin ist stolz auf das, was sie bisher erreicht hat. Doch ohne ihre Freunden, das großartige Team oder die Connections in der Modebranche wäre die Marke nie so gewachsen, wie sie es schlussendlich tat. „Als größten Ratschlag kann ich jungen Gründerinnen deshalb nur mit auf den Weg geben: Vernetzt euch!“ Es gebe unendlich viele Plattformen oder Veranstaltungen, auf denen man neuen Input erhalte, Ideen kreiere oder Mitstreiter finde. „Geht mit offenen Augen durch die Welt, stellt viele Fragen und wagt etwas! Die Angst ist kein guter Begleiter.“

Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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