KlangWerk Ruhr beeindruckte

 Musik mit Engagement und Leidenschaft war garantiert, als die jungen Stimmen von ChorWerk Ruhr unter der Leitung von Florian Helgath neue und lieb gewonnene Chorliteratur in der Betzdorfer ev. Kreuzkirche zu einem vitalen Erlebnis werden ließen. Foto: ne
  • Musik mit Engagement und Leidenschaft war garantiert, als die jungen Stimmen von ChorWerk Ruhr unter der Leitung von Florian Helgath neue und lieb gewonnene Chorliteratur in der Betzdorfer ev. Kreuzkirche zu einem vitalen Erlebnis werden ließen. Foto: ne
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ne - Der immer mit fein aufeinander abgestimmtem Veranstaltungsprogramm neugierig machenden Musikgemeinde Betzdorf-Kirchen ist es zu danken, dass vergangenen Samstag ein international renommierter Chor in der schönen neogotischen Kreuzkirche in Betzdorf ein musikalisch vollends überzeugendes Konzert gab. Das ChorWerk Ruhr, 1999 gegründet und seit 2011 unter der Leitung von Florian Helgath, hat sich mit seinem breit angelegten Repertoire zum Ziel gesetzt, neben der viel bewunderten Literatur aus Renaissance, Barock und Romantik auch die Neue Musik, das zeitgenössische geistliche Lied, einem größeren Publikum bekannt zu machen.

Helgath sucht den Kontakt mit jungen Komponisten, hört neugierig in die junge Chorszene und regt mit seinem bestens etablierten und für sein schönes Klangbild bekannten Ensemble neue Vertonungen geistlicher und weltlicher Texte an. Das Betzdorfer Publikum durfte sich auf eine Beinahe-Uraufführung einer ungemein atmosphärischen Komposition vom 1960 in Regensburg geborenen Hans Schanderl freuen, die erst tags zuvor in der Petrikirche in Mülheim an der Ruhr erstmalig zu Gehör kam. Explizit für den gemischten Chor ChorWerk Ruhr geschrieben, setzte Hans Schanderl, der vielfach für seine Kompositionen ausgezeichnet wurde, einen Text des indischen Dichters Rabindranath Tagore (1861–1941) komplex-polyphon in Klang. Hierfür positionierte sich das Ensemble – in vier Kleinchöre geteilt – weit voneinander entfernt im Klangraum Hallenkirche, so dass das Publikum gleichsam eingefangen, umrahmt von ausgezeichneten Stimmen, die fast magische Wolke aus Klängen von überall hören durfte. Obertonreiche Vokalisen, stoischer Sprechgesang, vielfach chromatische Glissandi und eine fein ausgewogene Dynamik von nahezu unhörbarem Pianissimo – magischem Raunen und Flüstern – bis zum im Bauch spürbaren Fortissimo strukturierten eine unvergesslich bleibende „Soundscape“, die Ausweis dafür ist, wie aufregend und akustisch spannend Neue Musik des neuangebrochenen Jahrhunderts sein kann. Und dass sich die Kompositionen lebender Tonsetzer nicht zu verstecken brauchen vor den großen Meistern vergangener Jahrhunderte.

Das Konzert eröffnete das 32-köpfige Gesangsensemble mit sechs „Songs Of Farewell“, die der englische Neuromantiker Charles Hubert Parry am Ende seines Lebens 1916 bis 1918 auf Verse englischer Renaissance- und Barockdichter geschrieben hat. Hier schon überzeugten die Sängerinnen und Sänger, präzise geführt durch ein sehr plastisches, gestenreiches Dirigat von Florian Helgath, durch klare Artikulation und ausdrucksstarke Interpretation der weltanschaulichen Texte. Und nach dem Höhepunkt des Konzertes, der Zweitaufführung des 2014-15 geschriebenen „Gitanjali Nr. 100“ von Schanderl, brillierte der harmonisch-dynamisch so schön flexible Chor mit seiner flotten, strahlend dramatischen Aufführung der unter der Opusnummer 78 zusammengefassten drei Psalmen (2, 42 und 22) von Felix Mendelssohn Bartholdy: vielgesungenes Lieblingsrepertoire so mancher Chöre, aber hier mit einer stimmschönen, exakt intonierten und präzisen Frische vorgetragen, dass selbst gute Kenner der Komposition glänzende Augen bekamen. So geht aktuelle Chorkunst, die emotional mitreißen kann.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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