Klasse gespielt

Eine der vielen Katastrophen in Alfi Seligers Leben: Der verkrachte Regisseur (Markus Hering, l.) erfährt von seinem Bankberater (Kurt Krömer), dass sein Geld weg ist.  Foto: Nik Konietzny/X-Verleih
  • Eine der vielen Katastrophen in Alfi Seligers Leben: Der verkrachte Regisseur (Markus Hering, l.) erfährt von seinem Bankberater (Kurt Krömer), dass sein Geld weg ist. Foto: Nik Konietzny/X-Verleih
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aww Siegen. Zu Beginn ist Markus Herings Stimme aus dem Off zu hören. Er spricht in einer Art gesprochenem Vorspann zu den Zuschauern, kokettiert unter anderem mit der geringen Besucherzahl. Als wenn er’s gewusst hätte … Ganz wenige sind’s, die sich am Donnerstagabend zum Bundesstart im Siegener Cine-Star (am Dienstag gab’s bereits eine Vorpremiere) eingefunden haben, um mit Dani Levys „Das Leben ist zu lang“ Spartenkino jenseits des Mainstreams zu erleben. Dafür musste man allerdings keineswegs ein Hellseher sein.

Dabei lohnt sich ein Besuch des Films durchaus, auch wenn er zugegebenermaßen nicht über die gesamte Länge uneingeschränkt die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu fesseln vermag. Der Besuch lohnt sich – erstens – wegen des Wiener Burgschauspielers Markus Hering, natürlich auch, weil er aus Burbach-Holzhausen stammt, und wann sieht man schon mal einen Siegerländer in einer Kino-Hauptrolle?

Aber auch – von allem „Lokalpatriotismus“ abgesehen –, weil Hering schlicht und einfach klasse spielt, seine Rolle perfekt ausfüllt und sich vor keinem der zahlreichen Hochkaräter, die an seiner Seite auftreten, verstecken muss. Neben Veronica Ferres, Gottfried John, Heino Ferch, Udo Kier, Meret Becker und Elke Sommer behauptet er problemlos seinen Platz auf der Leinwand.

Womit wir auch schon beim „Zweitens“ sind: der Starbesetzung bis in kleinste Gastauftritte hinein. Wenn man den Abspann liest, merkt man erst einmal, wen man im Gewühle gar nicht wahrgenommen hat. Dani Levy scheint wohlgelitten zu sein bei den Damen und Herren Schauspielern im Lande. Ein „Drittens“ gibt es auch noch: der herrlich trockene Humor, der immer einhergeht mit einer kleinen Träne des Mitleids für den Antihelden Alfi Seliger (Markus Hering) – Tragikomik eben. Und im ersten Teil fast at its best, möchte man behaupten.

Ein bisschen verworren wird’s im zweiten Teil, nach Alfis misslungenem Selbstmordversuch und dem Koma, als sich Wirklichkeit und Phantasterei vermischen. Da blickt der Zuschauer mitunter nicht mehr durch, auf welcher Ebene sich die Handlung gerade befindet. Dann verliert der Streifen auch ein bisschen den Drive vom Anfang.3:1 Gründe also, sich den in jedem Fall unterhaltsamen, über weite Strecken amüsanten, aber auch nachdenklich stimmenden Film anzuschauen. Sicher kein ganz einfaches Levy-Werk, aber entdeckenswert.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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