Klassenkameraden erwürgt

 Am westlichen Ende des unteren Pausenhofs der Gesamtschule Wenden hat sich gestern eine Kondolenzstelle entwickelt. Hier haben inzwischen viele Bürger, insbesondere Mitschüler, im Gedenken an das Opfer Kerzen, Blumen und Texte hinterlassen. Foto: hobö  Michael Klein, Ingo Scheidt, Martin Feldmann und Rainer Hoppmann (v. l.) informierten in einer Pressekonferenz bei der Kreispolizeibehörde in Olpe über die Festnahme. Foto: win  Hundertschaften der Polizei sowie annähernd 200 Kräfte von Feuerwehr, DRK und THW suchten am Mittwoch nach dem vermissten 16-Jährigen.  In diesem Waldstück unterhalb der Gesamtschule Wenden – dem früheren Konrad-Adenauer-Schulzentrum – fanden die Einsatzkräfte den Leichnam des Jugendlichen aus Rothemühle. Foto: yve
  • Am westlichen Ende des unteren Pausenhofs der Gesamtschule Wenden hat sich gestern eine Kondolenzstelle entwickelt. Hier haben inzwischen viele Bürger, insbesondere Mitschüler, im Gedenken an das Opfer Kerzen, Blumen und Texte hinterlassen. Foto: hobö Michael Klein, Ingo Scheidt, Martin Feldmann und Rainer Hoppmann (v. l.) informierten in einer Pressekonferenz bei der Kreispolizeibehörde in Olpe über die Festnahme. Foto: win Hundertschaften der Polizei sowie annähernd 200 Kräfte von Feuerwehr, DRK und THW suchten am Mittwoch nach dem vermissten 16-Jährigen. In diesem Waldstück unterhalb der Gesamtschule Wenden – dem früheren Konrad-Adenauer-Schulzentrum – fanden die Einsatzkräfte den Leichnam des Jugendlichen aus Rothemühle. Foto: yve
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win/hobö Am Dienstagmittag war der junge Rothemühler von seinen Eltern vermisst gemeldet worden, nachdem dieser nicht aus der Schule heimgekehrt war. Die Polizei leitete daraufhin umfangreiche Suchmaßnahmen ein, die sich zunächst auf den Bereich Brün konzentrierten. Der spätere Tatverdächtige, ein Freund des Opfers, hatte als Zeuge angegeben, der 16-Jährige sei nach einem im Streit geendeten Gespräch von einer Bank hinter dem dortigen Sporthotel in Richtung Vahlberg davongelaufen. Doch die intensive Suche der Polizei, unterstützt von Spürhunden und einem Hubschrauber mit Wärmebildkamera, brachten kein Ergebnis. Die bei Einbruch der Dunkelheit unterbrochene Suche wurde am Mittwoch fortgesetzt, doch auch diesmal gab es keine Spur des 16-Jährigen.

Inzwischen hatte die Polizei auch Ermittlungen in der Schule aufgenommen, und dort hatten mehrere Schüler berichtet, der 14-Jährige sei mit völlig verdreckter und durchnässter Kleidung gesehen worden, und dies zu einer Zeit, in der dieser angegeben hatte, in Brün gewesen zu sein. Beide Schüler hatten den Unterricht nach der ersten Stunde verlassen und waren nicht mehr in die Klasse zurückgekehrt, dies aber wohl unabhängig voneinander. Kriminalhauptkommissar Martin Feldmann von der Olper Polizei: „Ab diesem Zeitpunkt haben wir ein Tötungsdelikt in Erwägung gezogen.“ Ein Schüler hatte den 14-Jährigen in unmittelbarer Nähe des späteren Leichenfundorts gesehen. Die Suche wurde von Brün an die Gesamtschule Wenden verlagert, und gegen 19.50 Uhr wurde die Polizei mit Hilfe des Lichtwagens des Technischen Hilfswerks fündig. Im Dickicht lag der Leichnam des 16-Jährigen. An seinem Hals fanden sich Spuren von Gewalteinwirkung.

Die inzwischen hinzugezogene Mordkommission des Polizeipräsidiums Hagen übernahm die Ermittlungen. Deren Leiter, Erster Kriminalhauptkommissar Ingo Scheidt, berichtete, der 14-Jährige habe sich bei der Befragung rasch in Widersprüche verstrickt, sei aber zunächst bei der Geschichte geblieben, der 16-Jährige sei nach einem Streit davongelaufen. Nachdem seine Eltern und ein Rechtsanwalt hinzugezogen worden seien, habe der Junge dann aber die Tat eingeräumt und sei unmittelbar noch in der Polizeihauptwache festgenommen worden.

Staatsanwalt Rainer Hoppmann, der den 14-Jährigen bis kurz vor dem Pressegespräch im Amtsgericht Lennestadt in Grevenbrück vernommen hatte, berichtete, der Junge habe die Tat nach seinem Geständnis „detailreich und minutiös“ geschildert und auch die Vorgeschichte, die sie ausgelöst hat. Zwischen den beiden Freunden habe es „eine Art Beziehung“ gegeben, über deren Umfang und Tiefe es aber unterschiedliche Auffassungen gegeben habe. Das Treffen am Dienstagmorgen sei verabredet worden, um sich auszusprechen. Im Verlauf des Gesprächs sei es zu einer Auseinandersetzung gekommen, der sich die Tat anschloss. Diese sei wohl im Affekt geschehen; darauf, dass der 14-Jährige dies vorbereitet habe, gebe es keine Hinweise. Die Anklage werde auf Totschlag lauten, die entsprechende Jugendstrafe liegt bei bis zu zehn Jahren.

Der geständige Tatverdächtige, bei dem es sich, anders als in einigen „sozialen Netzwerken“ behauptet, um einen Deutschen ohne jeden Migrationshintergrund handelt, habe wohl reagiert, nachdem das spätere Opfer die „Beziehung“ beendet habe bzw. ihm bedeutet habe, dass er keine Beziehung wollte.

Der 16-jährige Rothemühler war seit Dienstag gegen 13 Uhr vermisst worden. Die Polizei hatte am frühen Mittwochmorgen einen öffentlichen Suchaufruf gestartet und war dabei von den Angaben des späteren Tatverdächtigen ausgegangen. Die geschilderten Suchmaßnahmen waren umgehend eingeleitet worden.

Als die Suche an die Gesamtschule Wenden verlagert worden war, hatten mehrere Einsatzhundertschaften der Polizei, unterstützt von annähernd 200 Kräften der Freiwilligen Feuerwehren aus Wenden, Olpe, Drolshagen und Attendorn, des Technischen Hilfswerks sowie mehrerer Einsatzgruppen des Deutschen Roten Kreuzes aus dem Kreis Olpe, das Areal durchkämmt.

In direkter Nähe des Fundorts hat der Bürgermeister der Gemeinde Wenden, Bernd Clemens, zusammen mit dem Leiter der Wendener Gemeinde-Feuerwehr, Wolfgang Solbach, gestern Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet, um persönlich, aber auch im Namen der Gemeinde Wenden Anteilnahme und Mitgefühl für beide betroffene Familien zum Ausdruck zu bringen. Dort, am westlichsten Zipfel des unteren Pausenhofs der Gesamtschule, haben inzwischen viele Menschen ebenfalls Kerzen, Blumen und Texte hinterlassen, um ihre tiefe Betroffenheit und Trauer zu bekunden.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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