SZ

Falscher Film oder gute Idee?
Klassenzimmer in Kinos und Kirchen verlegen

Egal ob Kirchenschiff – hier das der Siegener Nikolaikirche – oder Gemeindehaus: In den großen Räumen ließe sich vieles organisieren, doch die professionelle Nutzung etwa durch Schulen kann durch die zumeist ehrenamtlichen Gemeindemitglieder nicht betreut werden.
  • Egal ob Kirchenschiff – hier das der Siegener Nikolaikirche – oder Gemeindehaus: In den großen Räumen ließe sich vieles organisieren, doch die professionelle Nutzung etwa durch Schulen kann durch die zumeist ehrenamtlichen Gemeindemitglieder nicht betreut werden.
  • Foto: rt
  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

ch/mir Siegen. Die bekannte Bund-Länder-Runde hat erneut beraten, auch über die Öffnung von Schulen. Die Online-Corona-Konferenz von Merkel und den Ministerpräsidenten wurde dabei von einem dringenden Appell aus der Politik begleitet: Öffnet den Vorhang der Kinos und die Türen zu den Kirchen bzw. Gemeindehäusern und macht sie zu Klassenzimmern. „Wir haben dort große Räume, die gerade leer stehen. Warum sorgen wir nicht dafür, dass vielleicht ein Drittel der Klasse dort ist?“, fragt etwa Katrin Göring-Eckardt von den Grünen und fordert mehr Fantasie in Bezug auf die Schulen, um schleunigst wieder mehr Präsenzunterricht möglich zu machen. Unterricht auslagern und an neuen, ungenutzten Orten stattfinden lassen, das ist eine Original-Frage an den Schulträger, beispielsweise die Stadt Siegen.

ch/mir Siegen. Die bekannte Bund-Länder-Runde hat erneut beraten, auch über die Öffnung von Schulen. Die Online-Corona-Konferenz von Merkel und den Ministerpräsidenten wurde dabei von einem dringenden Appell aus der Politik begleitet: Öffnet den Vorhang der Kinos und die Türen zu den Kirchen bzw. Gemeindehäusern und macht sie zu Klassenzimmern. „Wir haben dort große Räume, die gerade leer stehen. Warum sorgen wir nicht dafür, dass vielleicht ein Drittel der Klasse dort ist?“, fragt etwa Katrin Göring-Eckardt von den Grünen und fordert mehr Fantasie in Bezug auf die Schulen, um schleunigst wieder mehr Präsenzunterricht möglich zu machen. Unterricht auslagern und an neuen, ungenutzten Orten stattfinden lassen, das ist eine Original-Frage an den Schulträger, beispielsweise die Stadt Siegen. Könnte nicht tageweise Unterricht in der Bismarckhalle oder den Sälen der Siegerlandhalle stattfinden? André Schmidt, als Dezernent auch für die Schulen zuständig, wiegelt zwar nicht grundsätzlich ab, er hat eine ergänzende Idee: „Einige Schulen haben Aulen oder Foren, die für solche Zwecke genutzt werden könnten.“

Unklare Gemengelage

Wieder einmal sitzen die Planer in den Startlöchern: Was sagt Düsseldorf konkret, falls grundsätzlich die Öffnung der Schulen als Option vereinbart wird? „Sind zehn Schüler maximal pro Raum erlaubt. Oder kommen ganz andere Kennzahlen der NRW-Landesregierung am Ende dabei heraus“, weist Schmidt auf die unklare Gemengelage hin.Mit den Leitungen der Grundschulen im Stadtgebiet Siegen hat sich der Schulträger bereits Anfang der Woche zusammen gesetzt und beraten, welche Möglichkeiten realisierbar sein könnten. Bei den weitergehenden Schulen erwartet Schmidt am ehesten eine Lösung mit Wechselunterricht. Tage- oder wochenweise. „Das lässt sich machen, das Evau hat ja gezeigt, wie es gehen kann“, so Schmidt.
Ein Corona-Problem bleibt, der Transport mit Bussen und die Frage der Distanz während der Touren. Gespräche mit den VWS hat es gegeben, weitere folgen. Schmidt: „Mal eben einen zusätzlichen Reisebus in Winterberg ordern und den vom Busbahnhof Siegen an den Giersberg zur Gesamtschule fahren zu lassen, ist nicht so einfach zu verwirklichen.“

Kinobetreiber brauchen Flexibilität

Auch die potenziellen Anbieter großer Räume, die derzeit kein Popcorn in den Pausen verteilen und keine Präsenzpredigt halten können, zögern. „Prinzipiell könnten wir unsere Kinosäle natürlich als Klassenzimmer zur Verfügung stellen“, sagt der Siegener Cinestar-Chef Michael Schreiber. Die Vermietung als Dienstleistung gegen Rechnung stelle kein Problem dar, wohl aber die Anmietungszeiten: „Schulen wollen in Halbjahren planen, über Monate Nutzungen vereinbaren“, so Schreiber, der bereits die Möglichkeiten abgeklopft hat. „Wir aber wollen sofort mit dem Ende des Lockdowns die Bänder laufen lassen und Filme zeigen, also flexibel bleiben. Das beißt sich!“
„Ja, wir brauchen Umsatz und Flexibilität“, pflichtet Branchenkollege Jochen Manderbach bei. Klar, der Saal des Dahlbrucher Viktoria-Filmtheaters mit seinen 364 Samtsesseln könne sofort anderweitig genutzt werden, „aber wir müssen den Ansatz neu denken: Der Staat bezahlt uns derzeit Soforthilfen für das komplette Schließen. Das ist teuer, der Kulturbetrieb steht leer und das Geld ist futsch. Stecken wir das Geld morgens doch lieber in das Kino-Klassenzimmer, lassen nachmittags eingeschränkt und Corona-konform das Lichtspielvergnügen zu und gleichen den Rest des Umsatzminus mit staatlicher Beihilfe aus. Dann wäre allen geholfen!“

Ehrenamt hat Grenzen

Ums liebe Geld geht es den Kirchen und Gemeinden in diesem Fall nicht. Sagt zumindest Peter Krusemark, Pastor der EFG Weststraße. Ja, das technisch gut ausgestattet Gemeindehaus an der Alche könnte theoretisch genutzt werden, in der Praxis aber gibt es aus seiner Sicht ein gewichtiges Argument, das gegen das Klassenzimmer zwischen Altar und Kanzel spricht: Die Organisation und die Betreuung des Hauses – und das gilt für die meisten Gemeindehäuser – obliegt dem kirchlichen Ehrenamt. „Unsere Gemeindemitglieder kümmern sich in ihrer Freizeit, versehen Schließdienste und verrichten Techniksupport. Das könnten und wollten wir nicht vermarkten bzw. den Ehrenamtlern zumuten!“

Lockdown bis zum 7. März
Autor:

Michael Roth (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil
Themenwelten
Die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo.

SZ+ informiert schnell und gut
Mit dem Frühlings-Abo drei Monate sparen

Der Frühling hat - kalendarisch- begonnen und die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo. Verlässliche Informationen trotz unruhiger Corona-LageIn diesem einmal mehr besonderen Jahr sehnen sich viele Menschen noch mehr nach den ersten Frühlingsboten. Ist doch mit den steigenden Temperaturen, den kräftiger werdenden Sonnenstrahlen und dem Aufblühen der Natur im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch mehr Hoffnung verbunden als...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen