Klassischer ging es fast nicht mehr

Pianist Roll glänzte mit meisterhafter Mozart-Interpretation / Philharmonie unter Leonard

aww Siegen. Klassischer als bei der »Grenzerfahrung Mozart« ging es schon fast nicht mehr. Natürlich standen Werke des Namensgebers des Abends auf dem Programm der Philharmonie Südwestfalen. Daneben aber sollte Prokofjew zur Aufführung gelangen. Wie bitte? Prokofjew? Und das sollte klassischer schon fast nicht mehr gehen? Nun ja, freilich – es kommt eben auf das Stück an. Bei Sergej Prokofjews Sinfonie Nr. 1 D-Dur op. 25 ist der Name, »Symphonie classique«, Programm. Sie ist so klassisch, diese Sinfonie, dass sie schon fast zu klassisch ist. Oder, wie es im Programmheft heißt: »Prokofjew übertreibt das Typische immer ein wenig und schafft so musikalische Karikaturen.« Zu hören waren diese zu Beginn des Konzerts am Freitagabend im Gläsersaal, bei dem das Hilchenbacher Orchester unter der Leitung des aus den USA stammenden Gastdirigenten Peter Leonard stand.

Vor allem in den beiden Ecksätzen von Prokofjews nicht einmal 90 Jahre alter »Erster« wird der Hörer von den flott-spritzigen, verspielten Melodien und der ungetrübten, ausgelassenen Heiterkeit nahezu hinfortgerissen. Musik, die pure Lebensfreude ausstrahlt und die einer spielfreudigen, bestens aufgelegten Philharmonie ausführlich Gelegenheit gab, ihre Klasse als ein gefestigter, gut aufeinander eingespielter Klangkörper zu beweisen. Höchst gefällige Klänge auch im lieblichen Larghetto und in der majestätisch marschierenden Gavotte – eine, wenn auch mit einem schelmischen Augenzwinkern dargebotene, so doch sehr passende Vorbereitung auf den Klassiker schlechthin: Mozart.

Um den zu interpretieren, war ein Meister des Klavier-Fachs nach Siegen gekommen: Der gebürtige Engländer Michael Roll lieferte eine umjubelte Interpretation von Mozarts Konzert für Klavier und Orchester Nr. 17 G-Dur KV 453, deren Erfolg ihn nicht um eine Zugabe herumkommen ließ. Beim Mozart-Konzert zeigte sich Roll als vollendeter Virtuose, dessen perlendes, wunderbar fließendes Spiel sich organisch in den Orchesterklang einfügte und trotz enormer technischer Brillanz und großer Dominanz sich nicht unangenehm in den Vordergrund drängte, sondern zuweilen sich auch in angenehmer Zurückhaltung übte. Das alles wirkte denkbar mühelos, in höchstem Maße elegant – wie übrigens auch die Körpersprache Michael Rolls, der den Eindruck vermittelte, als erarbeite er die Formung seiner Töne mit dem gesamten Körper, als setze er Gestik und Mimik zur Unterstützung des musikalischen Ausdrucks ein.

Nichts von der viel beschworenen mozartschen Heiterkeit wohnt der Sinfonie Nr. 39 Es-Dur KV 543 inne, deren dramatischer Unterton am Freitag eine spannende Facette von Mozarts Musik in den Mittelpunkt rückte. Erneut gelang dem Orchester eine absolut souveräne – vor allem die virtuose Ensembleleistung im schnellen Finale beeindruckte – und feinsinnige Darbietung, woran sicher auch der engagiert, aber keineswegs übertrieben dirigierende Peter Leonard seinen Anteil hatte. Der Dirigent vermied es nicht, wenn es die Situation erforderte, auch einmal in die tiefe Kniebeuge zu gehen, um so seiner Forderung zu dynamischer Zurückhaltung deutlich sichtbar Nachdruck zu verleihen. Das Orchester freilich folgte artig – und wurde vom Publikum belohnt für eine bravouröse Leistung. Der Dirigent natürlich auch.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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