Kleiderladen ausgeräumt Beute in Gebüsch versteckt

Schöffengericht verurteilte zwei Drogenabhängige zu Haft

pebe Siegen. Zwei »Herren« hatte der 16-Jährige aus einem aufgebrochenen Bekleidungsladen in Weidenau kommen sehen, bepackt mit Taschen, die sie in unmittelbarer Nähe des Geschäfts im Gebüsch versteckten. Der junge Mann rief die Polizei. Als aber die Beamten kamen, war der Laden leer und das Duo über alle Berge. So schien es zunächst. Dann aber beobachtete der Zeuge, dass die zwei wieder auftauchten und sogar freundliche Worte mit den Beamten wechselten. Der Zeuge wandte sich an die Polizisten, gab den entscheidenden Tipp, und die Beamten ließen die »Armbänder« klicken. Gestern sahen sich alle Beteiligten vor dem Schöffengericht wieder.

Alle? Der jüngere der beiden Angeklagten, ein 28-Jähriger, bestritt, an dem Diebstahl beteiligt gewesen zu sein. Sein Freund habe ihn angerufen, er habe »Mist« gebaut und brauche Hilfe. Zu dieser Zeit, so der 28-Jährige, seien noch jene beiden Polizisten, die auch zu dem Einbruch gerufen wurden, bei ihm gewesen, um einen Fahrraddiebstahl aufzunehmen. Er sei anschließend zu seinem Kumpel gefahren und habe sich vor der Ladentür die Bescherung angesehen. Dann sei man erst einmal eine Runde um den Block gelaufen.

Die Taschen, in denen das Diebesgut weggebracht wurde, hatte der ältere Angeklagte als seine wiedererkannt. Der Jüngere bestritt, diese Taschen in seinem Pkw gehabt zu haben – zu Recht, wie sich später herausstellte. Die Ermittlungsbeamten hatten eine »wundersame Taschenvermehrung« vorgenommen, die zu Verwirrung führte. Dennoch – der Vorwurf blieb bestehen. Zwar erkannte der Zeuge die zwei Angeklagten zunächst nicht wieder. Als ihn aber der Jüngere darauf aufmerksam machte, er habe früher längere Haare gehabt, dämmerte es ihm.

Kein guter Stand für Verteidiger Ulrich Schmidt. Der gab sich im Plädoyer alle Mühe, den 28-Jährigen zu entlasten, wies auf das Verwirrspiel mit den Taschen hin, rechnete die Einsatzberichte der Polizisten in greifbare Minuten um und versuchte zu beweisen, dass sein Mandant im »offenen Zeitfenster« nicht am Tatort habe sein können. Deshalb forderte er Freispruch für den 28-Jährigen. Ein krasser Widerspruch zu Staatsanwalt Peter Buschbaum, der für diesen Angeklagten ein Jahr Haft gefordert hatte.

Der ältere der beiden sollte nach seinem Willen anderthalb Jahre ins Gefängnis. Bei ihm kamen zum Einbruch noch zwei Diebstähle von Bierdosen, einer davon mit einem Würgeholz in der Tasche, sowie Fahren ohne Führerschein. Diese Taten hatte der Angeklagte zugegeben. Verteidiger Christoph Rühlmann (Düren) forderte für ihn eine Strafe von höchstens einem Jahr. Beide Angeklagten sind übrigens drogenabhängig, der ältere der beiden hatte vor dem Einbruch Heroin geraucht und eine Flasche Wodka getrunken.

14 Monate Haft verhängte schließlich das Schöffengericht gegen den 32-Jährigen. Zu seinen Gunsten sprächen sein umfassendes Geständnis und seine Sucht, gegen ihn sein beachtliches Vorstrafenregister. Schuldig sprach das Gericht auch den 28-Jährigen. Der Zeuge sei glaubwürdig, auch das ominöse Zeitfenster entlaste ihn nicht, da Diebstähle »vom Wesen her heimliche und auf Geschwindigkeit angelegte Taten« seien. Gegen ihn spreche seine ebenfalls »fleckig-weiße Weste«. Fazit: acht Monate Haft ohne Bewährung.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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