Kleines großes Kino

Hilchenbach goes Hollywood – ein Monitorbild, das ab heute Abend in der KunstSommer-Ausstellung im WDR-Studio Siegen zu sehen sein wird. Foto: WDR
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sz Siegen. Ein Mann sitzt in einer leeren Kirche. Er trägt Pullover, Schal und Mütze. Mehr ist nicht zu sehen. Und dennoch spürt der Betrachter das Frösteln, den kalten Atem und die Eiseskälte des Raums. Mit diesem Bild wurde das Thema „Heizmisere in der Kirche“ prägnant in Szene gesetzt. Ulrich Bender, Werbegraphiker und Künstler, findet: „Als Einleitung zu einem Filmbeitrag und als Unterstützung für die Moderation ist dieses Bild an Klarheit und Kühle nicht zu überbieten.“ Bender hat als Mitglied der Jury die Monitorbilder ausgesucht, die bis 7. August in der Galerie des WDR-Studios Siegen zu sehen sind. Heute um 19.30 Uhr ist die Eröffnung.

Zum zweiten Mal beteiligt sich der WDR am Siegener KunstSommer, diesmal mit „hausgemachter“ Kunst. Er lädt dazu ein, sich mit einer neuen Darstellungsform auseinanderzusetzen. Die Jury hat aus insgesamt 400 Monitorbildern, die von Ende März 2008 bis Ende März 2009 in der „Lokalzeit Südwestfalen“ gesendet wurden, die 90 besten ausgewählt. Albrecht Thomas, Vorsitzender des Kunstvereins Siegen und Mitglied der Jury, findet das Ausstellungsprojekt spannend, „weil ein uns allen sehr bekanntes, dennoch auf seine Selbständigkeit hin kaum bedachtes Medium im Medium Fernsehen aus seinem Hintergrunddasein hervorgezerrt und eigenwertig vorgestellt wird“.

Monitorbilder dienen normalerweise als Hintergrundmotive zur Anmoderation von Filmbeiträgen. Ausgangsmaterial sind Fotos oder aus Filmen ausgekoppelte Bilder, die digital bearbeitet werden. Oft werden auch nur Details aus vorliegenden Bildquellen herausgenommen und neu komponiert. Monitorbilder versenden sich, verschwinden vom Bildschirm und aus unseren Köpfen. „Zu schade, denn sie wurden häufig mit sehr viel Kreativität und Herzblut und in stundenlanger Arbeit entwickelt“, findet Eckehard Seewald, Bildingenieur im WDR-Studio Siegen. Von ihm stammt die Ausstellungsidee. Die Künstler sind zwölf Studentinnen und Studenten, die als Hilfskräfte beim WDR-Fernsehen tätig und für die Gestaltung der Monitorbilder zuständig sind.

Die Bilder müssen grafisch „dicht“ sein, denn sie müssen in Sekundenbruchteilen wirken. „Je konzentrierter das Motiv gestaltet ist, je frischer sich ein Blick erschließt, je witziger der Inhalt umgesetzt wurde, desto schneller ist der Zuschauer im Thema“, erklärt Jury-Mitglied Ulrich Bender. Für die Macher sei es die Kunst, die Botschaft so schnell und so kreativ zu gestalten, dass sich auch ein komplexes Thema sofort erschließt. „Das ist in allen Fällen durchweg gelungen“, urteilt der Graphik-Experte. Bender spricht von „kleinem großen Kino, punktgenau inszeniert – mit nicht bewegten Bildern“.

Bei der Best-of-Auswahl war sich die Jury fast immer einig: Jedes Mal, wenn eine Sehgewohnheit gesprengt werden konnte und das Thema trotz oder gerade ohne Umwege deutlich herausgestellt wurde, hat der Kreative gepunktet. Die Kraft der ausgezeichneten und ausgestellten Monitorbilder liegt im Wesentlichen in der Reduktion, aber auch im Surrealen und im Bildwitz, der sich oft genug durch scheinbar Unzusammenhängendes erschließt.Bis zum 7. August haben interessierte Besucher Gelegenheit, sich die Bilder montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr im WDR-Studio Siegen, Am Bahnhof 9, anzusehen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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